• 01.03.2010, 18:16:51
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DER STANDARD-Kommentar: "Skandalöse Bürokratie" von Michael Simoner

Ausgabe vom 2.3.2010

Wien (OTS) - In der Quargel-Affäre stinkt es zum Himmel. Und es
ist nicht nur der mit Listerien vergiftete Käse selbst, sondern wie
und wann vor dem potenziell tödlichen Nahrungsmittel gewarnt wurde.
Schon klar, eine offizielle Warnung durch die Agentur für Gesundheit
und Ernährungssicherheit (Ages) oder durch das Gesundheitsministerium
darf nicht leichtfertig veröffentlicht werden. Von der "Listerie" zur
Hysterie ist es bei entsprechendem medialen Unterfutter ein kurzer
Weg. Aber auch bei aller Wertschätzung für notwendige Checks,
Gegenchecks und Rechecks dreht sich einem bei manchen Details der
unappetitlichen Causa der Magen um. Schlimm genug, dass der gemeine
Dungkäfer die Gefahr eingeschleppt haben soll, weil Fenster undicht
waren.
Was aber mindestens genauso erschreckend ist, waren die drei Tage,
die vergingen, bis der überführte Auslöser der Erkrankungen, nämlich
der Quargel, der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Die sinngemäße
Erklärung lautet: weil ein Wochenende dazwischenlag. Die verheerende
Botschaft ist also: Liebe Leute, wir sind sehr um eure Gesundheit
bemüht, aber bitte nur während der Amtsstunden.
Viel hat Gesundheitsminister Alois Stöger bisher noch nicht dazu
beigetragen, diesen bürokratischen Skandal aufzudecken. Er sollte
sich beeilen, denn Lebensmittelskandale, wie etwa das Gammelfleisch
(2006) oder die Dioxinwurst (2008), liegen verunsicherten Konsumenten
- und Wählern - immer schwer im Magen.

Rückfragehinweis:
Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/449

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