• 25.02.2010, 11:17:23
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"Konsument"-Lebensmittel-Check: Fruchtbrei statt Marille

Klare und korrekte Kennzeichnung für Konsumenten gefordert. Angabe der Herkunft der Hauptzutaten wünschenswert.

Wien (OTS/VKI) - Mit geschickter Produktaufmachung und
verlockenden Werbeaussagen werden Konsumenten bei Lebensmitteln immer
wieder hinters Licht geführt. Jüngste Beispiele: Frischkäse mit
Lachs, in dem sich neben Aromen der Lachs nur in homöopathischen
Dosen wiederfindet, eine "Fruchtschnitte Beere" ohne ganze Beeren
oder ein Fruchtjoghurt - und somit ein auch bei Kindern beliebtes
Produkt -, das schmeckbar, aber auf der Verpackung kaum ersichtlich,
ausgerechnet mit Alkohol für die "Geschmacksabrundung" sorgt.

Auch anhand des aktuellen Tests zu elf tiefgekühlten Marillen- und
neun Germknödel-Produkten zeigt sich wieder, welche unterschiedlichen
Wege Verpackungsaufschrift und Inhalt gehen können. So heißt es bei
vier von elf getesteten Marillenknödel-Proben nur: Fruchtbrei statt
Marille. In einigen Fällen sind zudem Nährwertangaben unvollständig,
da sie ohne Brösel- oder Mohnbestreuung gerechnet werden. "Doch wer
isst schon Marillenknödel ohne Brösel? Wenn schon Nährwertangaben
gemacht werden - und diese sind in jedem Fall wünschenswert -, dann
sollen diese auch so gestaltet sein, dass der Konsument etwas damit
anfangen kann", fordert Ing. Franz Floss, Geschäftsführer des Vereins
für Konsumenteninformation.

"Immer wieder werden uns Beschwerden von Konsumenten zugetragen,
die auf das Täuschungspotenzial bestimmter Produkte verweisen. Das
zeigt, wie groß der Bedarf an Klärung und Aufklärung ist. Einen
Beitrag dazu kann unser neuer Lebensmittel-Check leisten, mit dem wir
auf www.konsument.at wöchentlich anhand konkreter Produkte aufzeigen,
mit welchen Tricks gearbeitet wird. Mittlerweile hat Schneekoppe die
Rezeptur der ,Beeren Fruchtschnitte' geändert. Zwar ist diese nach
wie vor keine gesunde Zwischenmahlzeit. Der Inhalt entspricht nun
aber etwas mehr der Erwartung, die die Aufmachung weckt", so die
"Konsument"-Ernährungswissenschafterin Mag. Birgit Beck.

Schnapsidee

Weniger entgegenkommend gibt sich die niederösterreichische
Molkerei (NÖM) beim NÖM Mix Frucht Cocktail. Unübersehbar prangt als
Kaufanreiz der Aufdruck "100 % Natur ohne künstliche Zusätze" am
Produkt. Der Zusatz von "echtem Jamaikarum" hat jedoch für so manchen
einen negativen Beigeschmack. "Zwar wird die Verwendung von Alkohol
im Kleingedruckten der Zutatenliste und etwas größer auf der
Deckellasche kenntlich gemacht. Doch diese ist häufig verknittert und
damit nur schwer lesbar. Auch wenn der Alkoholgehalt sehr gering ist,
kann bei Kindern durch Geruch und Geschmack eine Gewöhnung erfolgen.
Alkohol hat daher nichts in einem Fruchtjoghurt zu suchen",
kritisiert Beck. "Fruchtjoghurt zählt zu jenen Produkten, in denen
man keinen Alkohol vermuten würde und wenn dieser schon unbedingt
nötig ist, dann fordern wir eine auffällige Kennzeichnung, damit
Kunden wissen, was sie kaufen."

Fruchtbrei statt Marille

Unerwartete Überraschungen gab es auch bei den Marillenknödeln:
Statt einer ganzen Frucht kam den Testern bei Fabulo, Gourmet Gold,
Hänsel & Gretel und bei einem der beiden Produkte von Iglo lediglich
eine zerkleinerte, matschige Fruchtmasse entgegen. Ebenfalls nicht
gut angekommen ist die Fülle der Biomarke Natur Pur von Spar: "zu
sauer, schmeckt nach Fisch, verdorben", so das Resultat einiger
Verkoster. Enttäuschung gab es auch bei den "Wachauer
Marillenknödeln" von Meisterfrost, die sich durch säuerliche Fülle
und einen undefinierbaren Beigeschmack auszeichneten. Trotz dieser
Ausreißer konnten die getesteten Marillen- und Germknödel im Großen
und Ganzen punkten - wenn auch ohne Vergleich zum Selbstgemachten.
Die günstigsten guten Marillenknödel gibt es von Gourmet Gold um 0,38
Euro/100g - so man Fruchtbrei statt ganzer Marillen mag. Testsieger
ist Quality first um 0,72 Euro/100g. Bei den Germknödeln überzeugt
Testsieger Spar Feine Küche gleichsam in puncto Preis und Qualität
(0,31 Euro/100g). Qualitativ gleichauf liegt Toni Kaiser um 0,53
Euro/100g.

Fehlerhafte Kennzeichnung

In ganz anderer Hinsicht füllig wird es beim Kaloriengehalt: So
kommt ein Germknödel mit Butter schon mal auf stolze 580 Kalorien,
vier Mal so viel wie ein Marillenknödel mit durchschnittlich 150
Kalorien. In der Kennzeichnung wird das aber nicht immer so
offensichtlich: Bei vier Produkten wurde etwa das Brösel-/Mohngemisch
nicht mitgerechnet, bei weiteren acht Produkten fehlte der Hinweis,
ob sich die Nährwertangaben nur auf die Knödel oder auch auf den
Beipack beziehen. "Wenn schon Nährwertangaben gemacht werden, dann
sollen diese auch vollständig sein - inklusive Brösel und Mohn sowie
der dazu benötigten Butter", so Franz Floss.

Weitere Kennzeichnungsfehler: Teils stimmte die Kilojoule-Zahl mit
der nachgerechneten überein, nicht aber die Kilokalorien-Zahl - und
umgekehrt. So werden bei Toni Kaiser aus rund 200 Kalorien schon mal
reale 240 - ungerechnet Mohn und Butter. Dazu kommt, dass manche
Hersteller zwar einen Ballaststoffgehalt anführen, diesen bei den
Kalorien aber nicht berücksichtigen - so geschehen bei Iglo, Spar
Feine Küche, Natur Pur und Ja! Natürlich.

Eine weitere Notwendigkeit ortet Birgit Beck bei der Kennzeichnung
der Herkunft der Zutaten: "Wenn ich tiefgekühlte Marillen- oder
Germknödel kaufe, weiß ich in der Regel nicht, woher der Powidl, die
Marille oder das Mehl stammen. Herkunftsangaben sind nicht
vorgeschrieben, sollten aber zumindest für die Hauptzutat Pflicht
sein."

Ungenaue Herstellerangaben

Sowohl beim Prozentanteil der Fülle als auch beim Gewicht der
Knödel und der beigepackten Brösel-/Mohn-Mischungen kamen die Tester
auf andere Zahlen als die Hersteller. Neun der insgesamt 20 Produkte
wichen davon ab - am größten waren die Unterschiede bei Hänsel &
Gretel Bio-Marillenfruchtknödel sowie bei den Iglo
Riesen-Germknödeln. "Wer aus gesundheitlichen Gründen jedes Gramm auf
seinem Speiseplan berechnen muss, braucht exakte Angaben. Deshalb
sollte man sich auf die Herstellerangaben verlassen können", betont
Franz Floss. Bei den Marillen- bzw. Germknödeln von Ackerl, Gourmet
Gold, Quality First, Spar Feine Küche, Süsser Teller und Toni Kaiser
ist das auch der Fall.

Der "Konsument"-Lebensmittelcheck informiert - teils in
Kooperation mit dem ORF-Magazin "konkret" - auf www.konsument.at
wöchentlich zu ausgesuchten Produkten. Hinweise und Beschwerden von
Konsumenten zu Produkten nehmen wir unter [email protected] oder unter
der Ernährungshotline 0810 810 227, die gemeinsam mit dem "Fonds
Gesundes Österreich" betrieben wird, entgegen (Mo-Fr 9-15 Uhr, aus
ganz Österreich Euro 0,0676/min).

Rückfragehinweis:
Verein für Konsumenteninformation/Testmagazin "Konsument"
Mag. Andrea Morawetz, Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 01/588 77 - 256
mailto:[email protected]
www.konsument.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/226

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