OTS0177 / 09.02.2010 / 13:16 / Channel: Kultur / Aussender: Bundespressedienst
Stichworte: Geschichte / Kultur / Oper / Staatsarchiv / Wissenschaft


Offizielle Übergabe des Staatsopernarchivs an das Österreichische Staatsarchiv =


   Wien (OTS) - Die Wiener Staatsoper übergab heute ihre Bestände an
historischen Akten und Dokumenten an das Österreichische
Staatsarchiv. Damit wird die fachgerechte Verwahrung sowie
wissenschaftliche Nutzung und Aufarbeitung der Archivalien aus der
Vorkriegs-, Kriegs- und Nachkriegszeit durch das Österreichische
Staatsarchiv gewährleistet. 
"Bei diesen Dokumenten handelt es sich um äußerst wertvolle und
vielsagende Unterlagen. Die Akten stellen einen unschätzbaren Wert
für die Musikforschung dar. Mit deren Hilfe wird es möglich sein, ein
großes Stück der Wiener Operngeschichte anhand von bisher
unzugänglichem Archivmaterial neu zu schreiben", so Ioan Holender,
Direktor der Wiener Staatsoper.  
Die heute offiziell übergebenen Dokumente datieren zum Großteil vom
Jahr 1940 bis zum Beginn der elektronischen Datenverarbeitung.
Teilweise zählen aber auch einzelne ältere Dokumente zu dem
vielfältigen Bestand, der unter anderem Briefe, Protokolle, Verträge
und Probenpläne umfasst. Interessante Einzelstücken sind etwa der
Originalvertrag des Konzertmeisters Arnold Rosé aus dem Jahr 1897,
das Manuskript der Eröffnungsrede von Ernst Marboe aus dem Jahr 1955
oder ein Aktenvermerk zur (später nicht realisierten) Aufführung des
"Ring" von Karl Böhm und Wieland Wagner aus dem Jahr 1965. Insgesamt
wird es möglich sein, die Leistungsfähigkeit eines international
renommierten Kulturbetriebes nachzuzeichnen und somit tiefere
Einblicke in die Handlungsabläufe, die kreativen wie logistischen
Prozesse, der Wiener Staatsoper zu erlangen. 
Der Generaldirektor des Österreichischen Staatsarchivs, Hon.-Prof.
Dr. Lorenz Mikoletzky, dankte Holender für die Initiative der
Übergabe. "Das Österreichische Staatsarchiv hat die Verpflichtung,
die Vergangenheit für die Zukunft zu bewahren. Es ist unsere Aufgabe,
historische Dokumente für die Wissenschaft, aber auch für die
interessierte Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wir werden das
Material daher zunächst sichten und ordnen, um den fachgerechten
Zugang sicherzustellen. Die Grundinformationen über den Umfang
werden, so wie auch bei allen anderen Beständen des Staatsarchivs,
für Forscherinnen und Forscher über das Internet abrufbar sein. Wir
werden überdies danach trachten, dass die in weiterer Folge
produzierten Dokumente automatisch an das Staatsarchiv weitergeleitet
werden", so Mikoletzky.
Mit der Übergabe der historischen Akten und Dokumente wird zwar ein
großer Teil des Archivs der Staatsoper im Österreichischen
Staatsarchiv zugänglich gemacht, die Gesamtheit der erhaltenen
Bestände befindet sich jedoch weiterhin in der Obhut verschiedener
Institutionen. Die heute übergebenen Dokumente umfassen
beispielsweise nicht jene Teile, die 1945 infolge des Brandes und der
Kriegsschäden des Hauses am Ring in die Nationalbibliothek bzw. in
das Theatermuseum ausgelagert wurden. "Ich würde mir wünschen, dass
auch diese Teile eines Tages mit den im Staatsarchiv lagernden
Beständen zusammengeführt werden", so Holender.
Die im Dachgeschoss der Oper verwahrten Unterlagen waren überdies im
Laufe der Jahre einem "gewissen Schwund" ausgeliefert, sodass eine
nicht näher zu quantifizierende Anzahl von Dokumenten und
Schriftstücken offenbar abhanden gekommen ist. "Das Österreichische
Staatsarchiv ist nicht nur verpflichtet, staatliches Aktenmaterial
aufzubewahren, sondern wir versuchen auch, verlorengegangene Bestände
zu erschließen und zusammenzuführen. In den heute übergebenen
Unterlagen ruht vieles, was neue Einblicke eröffnen wird. Diese
Bestände werden nach der erfolgten professionellen Aufarbeitung für
alle Interessierte zugänglich sein", so Mikoletzky abschließend.
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