Wien (OTS) - Bei zwei Veranstaltungen der Ö1-Reihe "Zeitgenossen
im Gespräch" hat Michael Kerbler mit dem Burgschauspieler Klaus Maria
Brandauer und dem Schriftsteller Martin Suter gesprochen - die
Aufzeichnungen sind im Rahmen der wöchentlichen Ö1-Reihe "Im
Gespräch" (donnerstags 21.00 Uhr, Da capo: freitags, 16.00 Uhr), zu
hören: die Diskussion mit Brandauer am 11. Februar, das Gespräch mit
Suter am 18. Februar.
"Vielleicht will ich nur zur Courage ermuntern" lautet der Titel
von "Im Gespräch" mit Burgschauspieler Klaus Maria Brandauer am 11.
Februar ab 21.00 Uhr in Ö1. "Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag." Mit diesen Worten beginnt der
Theologe Dietrich Bonhoeffer, ein erklärter Gegner des Hitlerregimes,
sein letztes Gedicht, das er Stunden vor seiner Hinrichtung im
Konzentrationslager Flossenbürg verfasst hat. Für Klaus Maria
Brandauer, der vor vielen Jahren für den US-amerikanischen
Fernsehsender ABC in einem Film über den evangelischen Pastor
mitgewirkt hat, hat Bonhoeffer Vorbildcharakter. Vorbildcharakter hat
für ihn - Brandauer - auch Georg Elser, jener Handwerker, der am 8.
November 1939 im Münchener Bürgerbräukeller ein Bombenattentat auf
Adolf Hitler verübt hat. Elser ahnte das Inferno, in das Hitler
Deutschland führen würde, will, wie er später sagt, den Krieg durch
ein Attentat auf die NS-Führung verhindern. Brandauer hat Georg Elser
in "Einer aus Deutschland" gespielt und diesen Film auch produziert.
"Kein Denkmal erinnert an ihn", heißt es am Ende des Films. Brandauer
hat Elser mit dem Spielfilm eines gesetzt. Der Burgschauspieler
brillierte zuletzt in der Rolle des Dorfrichters Adam in Heinrich von
Kleists Lustspiel "Der zerbrochene Krug". Das Diktum, das einst der
deutsche Schriftsteller Oliver Hassencamp formulierte, ist offenbar
noch immer gültig: "Wer ein Theater füllen will, bedient sich der
Dramaturgie. Um es zu leeren, genügt Ideologie." Was aber kann
Theater heute noch bewegen, verändern? Und was kann Theater bewirken,
was Film und Fernsehen nicht zu bewirken vermögen? Und umgekehrt. Ist
Theater wirklich - wie Bert Brecht meinte - "ein Unternehmen, das
Abendunterhaltung verkauft"? Und worin besteht nach Klaus Maria
Brandauers Meinung die Faszination des Theaters? Hat Theater
"Reflexionshilfe" zu sein? Wenn Brandauer auf der Bühne des
Burgtheaters steht und vom kurzen, heldenhaften Leben des
evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer erzählt, was will er
damit anstoßen? Geht es ihm darum, zu mehr Mut, zu Zivilcourage
aufzurufen? Oder will er die Grundsatzfrage stellen: Was ist meine
Aufgabe in der Gesellschaft, in der ich lebe - und welchen Anteil
nehme ich an der Gemeinschaft?
Am 18. Februar ist unter dem Titel "Ich schreibe Geschichten mit
einem Geheimnis" in "Im Gespräch" (21.00 Uhr, Ö1) die Aufzeichnung
einer Veranstaltung zu hören, in der Michael Kerbler mit dem
schweizerischen Schriftsteller Martin Suter über Schweizer Identität,
die Zürcher Business-Class und die Lust am Kochen spricht. Eine der
acht Sparten der ayurvedischen Medizin heißt Vajikaranam. Das
bedeutet so viel wie Aphrodisiakum. Der Koch, dem der Schriftsteller
Martin Suter in seinem jüngsten Roman Gestalt und Leben gibt, heißt
Maravan, ist tamilischer Asylwerber und arbeitet in einem Zürcher
Sternelokal als Hilfskraft. Der Koch - so betitelte Suter übrigens
auch diesen Roman - ist von seiner Großtante in die Geheimnisse der
aphrodisischen Küche eingeweiht worden. Als er im Gourmettempel den
Job verliert, beginnt er für Paare, die eine Sexualtherapeutin
vermittelt, Liebesmenüs - Love food - zuzubereiten, mit fatalen
Folgen. Auf die Frage, warum ausgerechnet ein Tamile zur Hauptfigur
wurde, verweist Suter auf das Faktum, dass in der Schweiz die meisten
Küchenhilfen tamilische Asylwerber sind, die wie Underdogs behandelt
werden. Das interessiert die Gäste dieser Restaurants allerdings
nicht. Politiker, Manager und Banker gehören dazu, jenes Publikum,
dessen Status-Fixiertheit und Bonigeilheit Martin Suter schon vor
Jahren in seiner "Business Class"-Kolumne einer Schweizer Zeitung mit
bitterer Ironie vorgeführt hat. "Wie kommt es", fragt Suter, "dass
das wichtigste Produkt vieler Unternehmen heute deren Gewinn ist?"
Und fügt hinzu: "Was ist geschehen, dass für Vorstandspositionen
nicht mehr gilt: wer gut ist, verdient viel. Sondern: wer viel
verdient ist gut." Seine kritischen Wortmeldungen in der Debatte zum
Volksentscheid der Schweiz zum Minarettverbot und zum Waffenexport -
Suter sprach sich für einen Stopp der Rüstungsausfuhr, zugleich aber
gegen ein Bauverbot von Minaretten aus - verhallte ungehört. Ob das
sein Vorhaben, seinen Dauerwohnsitz wieder in die Schweiz
zurückzuverlegen, zu Fall bringt, wird sich weisen. Nähere
Informationen zum Programm von Österreich 1 sind abrufbar unter
http://oe1.orf.at.(ih)
Rückfragehinweis:
ORF Radio Öffentlichkeitsarbeit
Isabella Henke
Tel.: (01) 501 01/18050
isabella.henke@orf.at
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OTS0087 2010-02-09/10:30
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