Graz (OTS) - Für Alfons Mensdorff-Pouilly gilt die
Unschuldsvermutung. (Damit ist er im Augenblick übrigens in bester
Gesellschaft.)
Wenn es nach der britischen Justiz geht, gilt sogar die
Unschuldsfeststellung. Bekanntlich hat der BAE-Konzern 34,4 Millionen
Euro bezahlt, damit das Verfahren gegen seinen Lobbyisten eingestellt
wurde. Eigentlich ein Klacks gegen die insgesamt 321 Millionen,
welche die englische Waffenschmiede für ihre gesammelten
(mutmaßlichen) Untaten hingelegt hat. Das Unternehmen selbst spricht
reichlich kokett von "Versäumnissen", derer man sich schuldig fühle.
In der Tat hatten London und die US-Behörden jahrelang ermittelt, man
sei auf ein gewaltiges Netz an Korruption gestoßen. Laut dem
britischen Guardian habe allein Mensdorff rund 20 Millionen Euro
erhalten, um an BAE "Marktberichte" aus Mitteleuropa zu liefern. Ein
Großteil davon sei auf österreichischen Konten nicht bekannter
Inhaber gelandet.
Das und mehr habe die britische Antikorruptionsbehörde
herausgefunden, bevor sie den Grafen für ein paar Tage in Haft nahm.
Um nun alle Untersuchungen fallen zu lassen.
Des Staunens ist kein Ende, da kann selbst Silvio Berlusconi noch
etwas lernen. Er macht sich immerhin die Mühe, Gesetze so zu ändern,
dass sie auf seine Machenschaften nicht mehr anwendbar sind. Hier
reichte ein Scheck und schon war die Weste weiß. Geld ist das
Brecheisen der Macht, selten wurde dieser Satz drastischer bestätigt.
Der eigentliche Zynismus solcher Deals wird erst offenkundig, wenn
man die Quellen solchen Geldes erforscht: Offenbar ist die
Preisgestaltung im Waffengeschäft dermaßen überhöht, dass man sich a)
die Bestechungssummen und später b) die Strafen dafür leisten kann
und immer noch Gewinn macht.
Die in diesem Fall wirklich Beschissenen ((C) Alfons Haider) sind
alle Bürger jener Länder, die den Militärkram zu jenen Preisen
einkaufen, die durch solche Machenschaften nötig werden.
Zurzeit wird allenthalben über den maroden Zustand heimischer
Kasernen gegreint. Man sollte sich eher um die moralische Verfassung
der Nation Sorgen machen. Ablasshandel wie der soeben erlebte haben
verheerende Auswirkungen auf das Gewissen des Einzelnen. Für einen
(mutmaßlichen) Schurkenstreich mitzubezahlen und dann auch noch an
der Strafe dafür, ist wirklich zu viel verlangt. Mag sein, dass
Justitia blind ist. Alle anderen sehen dieses doppelte Unrecht klar
und deutlich.****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, redaktion@kleinezeitung.at, http://www.kleinezeitung.at
http://www.ots.at/pressemappe/442
*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER
INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***
OTS0216 2010-02-08/19:45
081945 Feb 10
PKZ0001 0378