- 08.02.2010, 18:30:11
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Nun muss Leitl um die Großen kämpfen - von Alexis Johann
Arbeitslose und Unternehmen haben eines gemeinsam: Sie solidarisieren sich nicht
Wien (OTS) - Es gibt wenige Gruppen der Gesellschaft, die sich so
schwer für gemeinsames Lobbying vereinnahmen lassen, wie Arbeitslose
und Unternehmer. Es handelt sich bei beiden Gruppen um
Schicksalsgemeinschaften, die unfreiwillig gemeinsam auf die Reise
gegangen sind. Die Mitglieder der Gemeinschaften haben eine hohe
Resistenz gegen jede Form der Solidarisierung. Es ist daher genauso
sinnlos, eine Arbeitslosenpartei zu gründen, wie eine
Unternehmerpartei.
Der Hintergrund ist leicht erklärt und in der Wirtschaftspsychologie
ein durchgängig untersuchtes Phänomen: Der persönliche Erfolg wie
auch der Misserfolg wird nicht Außenfaktoren, sondern dem eigenen
Vermögen oder Unvermögen zugeschrieben. Wenn jemand seine Arbeit
verliert, sucht er die Ursache zunächst vorsichtig und mit
zunehmender Dauer umso stärker bei sich selbst. Bei Unternehmern ist
es ähnlich: Sie reagieren auf veränderte wirtschaftliche
Rahmenbedingungen und begreifen diese zunächst als Chance. Sie gehen
also nicht gemeinsam auf die Straße, um mehr Förderungen, eine
bessere Gewerbeordnung oder Steuererleichterungen zu bekommen. Sie
diskutieren solche Angelegenheiten in kleinen Klubs und legen
parallel in ihren Firmen jene Hebel um, die zur Anpassung an ein
kälter werdendes Umfeld dienen.
Wenn es nun darum geht, bei der Wirtschaftskammer-Wahl neue
Funktionäre für Österreichs 560.000 Gewerbetreibende zu finden, so
tritt dieses Dilemma augenscheinlich zutage. Die Business Community
ist inhomogen. Da gibt es große Betriebe, die sich starkes Lobbying
auf politischer Ebene wünschen. Doch zwei Drittel der Kammer-Wähler
beschäftigen nicht mehr als sich selbst und erwarten aufgespannte
Sicherheitsnetze.
Mit dem Versprechen, die Lebenssituation der Kleinunternehmer zu
verbessern, gewann Christoph Leitl die vergangenen Wahlen. Er geht
mit seinem Wirtschaftsbund auch als Favorit in die kommende Wahl. Wie
sieht jedoch seine Bilanz aus? Die WirtschaftsBlatt-Umfrage
demonstriert das anschaulich: Der Fallschirm für die Kleinbetriebe
wurde aufgespannt, soweit das überhaupt möglich ist. Es gibt heute
Zugang zu Arbeitslosengeld, eine GmbH kann um 10.000 Euro gegründet
werden, und viele Kredite und Förderungen gibt es unbürokratischer
und in handlicheren Dosen.
Doch nun schlägt das Pendel zurück: Große rebellieren. Sie erwarten
sich eine Front im Kampf um knapper werdende Ressourcen, denn den
Konjunkturpaketen werden Sparpakete folgen. Und Sparen soll aus ihrer
Sicht im sozialen und nicht im unternehmerischen Umfeld erfolgen.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]
Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/236
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