Wien (OTS/SK) - "Weibliche Genitalverstümmelung bekämpfen wir seit
Jahren als grausame Menschenrechtsverletzung, die wir aus dem
afrikanischen und asiatischen Kulturraum kennen", berichtet Petra
Bayr, Initiatorin der Österreichischen Plattform gegen weibliche
Genitalverstümmelung und entwicklungspolitische Sprecherin der SPÖ.
"Aber auch in Europa gibt es derart Unfassbares, wie uns der neueste
Skandal aus einem ungarischen 'Schönheits-Center' zeigt - einfach
ungeheuerlich!" Weibliche Genitalverstümmelung bzw. Female Genitale
Mutilation (FGM) ist eine jahrtausend alte Praxis, die Mädchen an
ihren Genitalien verstümmelt, welche lebenslange Schmerzen und
psychische Traumata verursacht. ****
Im ungarischen Sopron, nahe der österreichischen Grenze, wird als
"Intimoperation" neben einer Schamlippenverkleinerung auch
"Beschneidung" angeboten. "Die Recherchen der Journalistin Elfriede
Hammerl von der Wochenzeitung profil haben ergeben, dass damit
tatsächlich FGM gemeint ist, was in Ungarn selbstverständlich genauso
verboten ist wie bei uns", so Bayr. "Als erste Initiative habe ich
bereits letzte Woche eine offizielle Protestnote an die ungarische
Botschaft in Wien geschickt."
Darin ersucht Bayr den ungarischen Botschafter einerseits dringendst
im Sinne der Prävention, mit allen dem ungarischen Staat zur
Verfügung stehenden Mitteln sicherzustellen, dass keinen Mädchen und
jungen Frauen dieses lebenslange Leid der sexuellen Verstümmelung
angetan wird und diese Menschenrechtsverletzung künftig in Ungarn
unterbleibt. Sollten bereits Fälle geschehen sein, so erwartet sich
Bayr, dass diese gemäß der ungarischen Gesetzgebung rechtlich
verfolgt werden. Außerdem bietet die Sprecherin der Österreichischen
Plattform gegen weibliche Genitalverstümmelung der ungarischen
Botschaft Information, Kooperation und Unterstützung im Kampf gegen
und Aufklärung über FGM an.
Bayr betont, dass die strukturelle Gewalt an Frauen durch
Modernisierung allein nicht auszurotten sei. "Es sind auch bei uns
sogenannte 'kulturelle' Gründe, die sogar die Frauen selbst dazu
bringen, gegen sie gerichtete Gewalt - selbst im intimsten Bereich
der Sexualität - zuzulassen", so Bayr. "Die moderne
Schönheitschirurgie hat den Wahn der Vorstellung eines einzig
zulässigen Schönheitsideals leider nur verstärkt und steht heute an
dem unvorstellbaren Punkt, dass Frauen sogar meinen, ihre Genitalien
künstlich einem 'Optimum' anpassen zu müssen - wir haben unseren
Kampf gegen FGM also auch verstärkt in Europa fortzuführen und den
Kreis der Angesprochenen deutlich zu erweitern!"
Erfreut ist die Abgeordnete über die gewachsene Sensibilität der
Österreicherinnen und Österreicher gegenüber der
Menschenrechtsverletzung FGM: "Vor wenigen Jahren hat noch kaum
jemand über weibliche Genitalverstümmelung bescheid gewusst. Es ist
ein deutliches Zeichen von den positiven Effekten der Informations-
und Bewusstseinsarbeit, dass heute immer mehr Menschen achtsam sind
und aktiv Schritte ergreifen, wenn der Verdacht auf die Möglichkeit
dieser schweren Körperverletzung droht. So auch in diesem "Angebot"
in Sopron, wo eine couragierte Österreicherin die Österreichische
Plattform gegen weibliche Genitalverstümmelung, Amnesty International
und ausgewählte österreichische Medien auf diese mögliche
Menschenrechtsverletzung hingewiesen hat", ist Bayr dankbar über
Hinweise von BürgerInnen.
Informationen zur Österreichischen Plattform gegen weibliche
Genitalverstümmelung unter www.stopfgm.net
Rückfragehinweis:
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Tel.: 01/53427-275
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OTS0011 2010-02-07/10:32
071032 Feb 10
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