Wien (OTS) - Alfred Gusenbauer feiert 50. Geburtstag, der
Ex-Unglücksrabe macht eine bessere Figur als die alten Wende-Helden.
Dass ihn manche zurücksehnen, spricht weniger für ihn als gegen seine
Nachfolger.
Wäre er noch SP-Chef, im VP-Generalsekretariat würden die Kärntner-
und Steireranzüge vor Freude auf- und niederspringen. Es wäre die
ideale Geschichte für die schwarzen Propagandisten: Alfred Gusenbauer
beendet seinen Skiurlaub, fährt vom dekadenten Arlberg ins
links-linke Paris. Von dort fliegt er ins kommunistische Kuba, um am
Montag mit der Familie 50. Geburtstag zu feiern. Ein Foto mit dicker
Zigarre, Rum im Schwenker, fertig wäre das Wahlkampffoto.
Doch Alfred Gusenbauer ist nicht mehr Kanzler, was nicht nur die
"Neigungsgruppe Umfragen" in der ÖVP, sondern auch vereinzelte Denker
in- und außerhalb der SPÖ beklagen. "Falter"-Chefredakteur Armin
Thurnher gehört nicht dazu. Der sympathische Obi-Wan Kenobi der
Linken unterstellte den spät berufenen Gusenbauer-Verehrern Mangel an
Redlichkeit: Man könne doch einen Politiker in dessen Amtszeit nicht
derart hart kritisieren, ihn mit Spott und Hohn überziehen, um ihn
kurze Zeit danach als politischen Pensionisten zu preisen! Stimmt,
Gusenbauer war auch im Nachhinein ein schwacher Kanzler. Während
seiner Amtszeit konnte nur keiner ahnen, dass ihm ins Kanzleramt
Werner Faymann folgt, der dort weiterhin seiner einzigen Berufung
nachgeht: der beliebteste Wiener Stadtrat zu sein.
Gusenbauer ist aber kein schlechter Exkanzler. Als unterhaltsamer
Redner ist er ebenso beliebt wie als Gesprächs- und Tischpartner in
den besten Gaststätten. Genau das haben ihm die Medien damals
vorgeworfen: Das Interesse an Önologie, üppiger Küche und
dazugehörigem Humor passe nicht zu einem aufrechten Arbeiterführer im
puritanischen Österreich. Demnach muss Faymann perfekt sein. Der Mann
arbeitet laut Illustrierten 20 Stunden am Tag und geht nie aus.
Der Altkanzler wird noch immer international geschätzt: Der
bekannteste Champagnertrinker des Landes sei erster Kandidat der
europäischen Sozialdemokraten für den Posten des EU-Außenministers
gewesen, hieß es zuletzt. Aber Faymann habe ihn nicht unterstützt,
sagen viele Freunde der SPÖ, etwa André Heller. Das kann doch nur ein
Gerücht sein! Ansonsten wäre Faymann weder als SP-Chef für die Seinen
noch als Kanzler für das Land tragbar. Gusenbauer, der die
Entscheidung miterlebt hat, kann Faymann entlasten.
Und er wird es tun, alles andere wäre eine Sensation. Denn Gusenbauer
bleibt in der Benotung seines Nachfolgers dezent. Er hält sich auch -
wohl aus Mangel an Möglichkeit zur Profilierung - bei der Beurteilung
der Wende zurück. Anders Exkanzler Wolfgang Schüssel, der ohne
Zweifel ein stärkerer aktiver Politiker als sein roter Widersacher
war: Bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit stimmt er
Lobeshymnen auf sich selbst an. Selbstkritik kennt er nicht,
Understatement bleibt ihm völlig fremd. Würde der antifaschistische
Faschingsumzug im TV nicht so laut lärmen, könnte man Schüssel zur
Antwort auf die zentrale Frage drängen: Warum haben Sie die
historische Chance zur Veränderung, genannt Wende, verspielt?
Es sagt einiges aus, wenn ein Alfred Gusenbauer wieder gut aussieht.
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