Wien (OTS) - Eine Ganztagsschule bedeutet verpflichtende
Anwesenheit von der Früh bis zum (späten) Nachmittag
(=Regelunterricht!). Dies ist etwas Anderes als eine qualifizierte
Nachmittagsbetreuung mit Lernhilfen und Freizeitangeboten.
Die Ganztagsschule führt zu einer Einschränkung bei der Wahl
zusätzlicher Bildungsangebote und Freizeitgestaltung. Der Besuch
zusätzlicher Bildungseinrichtungen (Musikschulen, Sportverein,
Theater der Jugend, Jungschar, etc.) wird erschwert oder unmöglich.
Eltern der heutigen Zeit benötigen, über den Durchschnitt gesehen,
"Fremdbetreuung" für ihre Kinder. Frauen zurück an den Herd kann es
ja nicht mehr sein!
Das "Wie", das "Wann" und das "Wie viel" wollen Eltern allerdings
selbst bestimmen. Das ist aufgrund der MRK auch ihr Recht. Ein
demokratisch-republikanischer Rechts-Staat hat das zu
berücksichtigen. Die heutige moderne Zeit bietet zudem vielfältige
Möglichkeiten. Ein einengendes (für alle verpflichtendes?)
Tagesschulkonzept ist dazu nicht erforderlich.
Die sich laufend und dynamisch ändernden Umfelder unserer
Gesellschaft bringen einen verstärkten Bedarf nach qualifizierter
externer Betreuung unseres Nachwuchses mit sich:
~
- Die wirtschaftlichen Notwendigkeiten sowie ein seit einigen
Jahren lediglich marginal ansteigendes - in vielen Fällen sogar
real absinkendes - Einkommen erfordert, dass im
Gesellschaftsschnitt beide Partner einer regelmäßigen Arbeit
nachgehen.
- Der Bedarf nach Arbeitsleistung ist weit flexibler als noch vor
einigen Jahren - Familienpartner müssen auch in einem geeinten
Europa damit rechnen, zumindest zeitweise, nicht mehr in
derselben Stadt zu arbeiten.
- Das benötigte Wissen der heutigen Arbeitswelt steigt wesentlich
schneller als beispielsweise noch vor einem Jahrzehnt - Tendenz
weiter steigend. Beide Familienpartner benötigen permanent mehr
Zeit für Aus- und Weiterbildung. Dies geht u.a. zu Lasten der
Familie.
- Sowohl Bildungs- als auch Freizeitangebote steigen mit der
Ausweitung der technischen und logistischen Möglichkeiten unserer
Zeit rasant. Der Bedarf der Eltern an "Zeit für sich" - nicht
zuletzt auch aufgrund des Drucks in der Arbeitswelt einer
globalisierten "Dividenden" - Wirtschaft - steigt schon aus
Selbstschutzgründen permanent an. Auch das erfolgt zu Lasten des
für die Kinder verfügbaren Zeitbudgets.
- Kinder zu lieben und zu erziehen ist ein anstrengender Job - ein
teilweises "Outsourcing" an andere Institutionen erhält die
eigene Kraft, die ja wieder den Kindern zu Gute kommt.
Auf der anderen Seite ist es unabdingbar erforderlich, Nachwuchs
zu zeugen und zu erziehen - auch für jene, die Kinder nicht als
~
Geschenke Gottes betrachten: der Geburtenindex beträgt in Europa 1,4,
das ist um 0,6 zu wenig um die Gesellschaft auf einem stabilen
Bevölkerungsniveau zu halten - Österreich liegt hier in etwa im
EU-Durchschnitt.
Die Politik Wiens und Österreichs ist somit, auch ohne
Elternbefragung, gefordert dem sich ändernden Bedarf der
Lebensanforderungen in einem modernen Europa zu begegnen, sowie die
Voraussetzungen für ein optimales Bevölkerungswachstum zu schaffen.
Die sich ständig weiter entwickelnden Lebensumstände bieten die
Möglichkeit und fördern den Wunsch, die eigenen Kinder untertags
verstärkt selbst zu betreuen. Eltern wird es dadurch ermöglicht, mehr
Zeit mit den Kindern zu verbringen und für Ihre Kinder ein vielfach
erweitertes Ausbildungssegment als früher zu nutzen. Diese
Möglichkeit wird den Eltern durch die Ganztagsschule genommen.
Ein ganztägiges Betreuungsangebot ist aber nicht genug!
Um die Kinder in den Ferien und an den schulfreien Tagen (14
Wochen pro Jahr) zu betreuen reichen die üblichen 5 Wochen
Jahresurlaub nicht aus. Speziell Familien sind deutlich benachteiligt
- außer sie verzichten auf den gemeinsamen Urlaub.
Eine professionelle und vor allem LEISTBARE Ferienbetreuung muss
das Betreuungsangebot ergänzen.
Der Landesverband katholischer Elternvereine Wien schließt sich
einer gewünschten Ausweitung der Kinderbetreuung an, verneint aber
die zwangsweise Einbetonierung in ein Ganztagsschulkonzept.
Mag. Christian Hafner
Obmann des Landesverbandes Katholischen Elternvereine Wien
Rückfragehinweis:
Landesverband Katholischer Elternvereine Wien
Hr. Mag. Christian Hafner; Tel.: +43 0664 89 03 953
Email: wien@hvkev.at ; Homepage: www.hvkev.at/wien
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OTS0011 2010-02-01/08:37
010837 Feb 10
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