- 01.02.2010, 08:36:34
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Ethik im Dienste der Zocker - Wolfgang Unterhuber
Die Verursacher der Krise hielten sich an geltende Normen
Wien (OTS) - An dieser Stelle die Frage nach der optimalen Ethik
zu beantworten, würde wohl Zeit und Raum sprengen. Zunächst ist
festzuhalten, dass jede Zeit und jede Gesellschaft ihre eigenen
ethischen Vorstellungen hat. Für den westlichen Kulturkreis mit
seinen unterschiedlichen kapitalistischen Wirtschaftsformen wollen
wir die Definition von Ulrich Thielemann vom Institut für
Wirtschaftsethik St. Gallen heranziehen. Ethisch wirtschaften
bedeutet für ihn, einen Ausgleich zu finden. Einen Ausgleich zwischen
den Interessen der Shareholder, Manager, Kunden, Lieferanten und
Mitarbeiter.
Es ist kein Geheimnis, dass dieser Interessenausgleich längst nicht
mehr funktioniert. "Profit über alles" lautete das Motto der
vergangenen Jahre. Ein Motto, das uns die größte Wirtschaftskrise
seit den 30er-Jahren beschert hat. Das Dumme dabei ist nur, dass die
großen Zocker innerhalb der gesetzlichen Spielregeln gehandelt haben.
Die aktuelle Diskusssion über die Trennung von Geschäfts- und
Investmentbanken zeigt das deutlich. Im Rahmen des Gramm
Leach-Bliley-Acts aus dem Jahre 1999 fielen alle bisherigen
Trennungsregeln. Seither ist den Banken hemmungsloses Zocken im
Dienste der Super-Rendite erlaubt.
Wer also die Verursacher der Krise hinter Gittern sehen will, tut
sich schwer - es sei denn, sie haben kriminell gehandelt.
Das Wesen einer einwandfreien ethischen Gesellschaft besteht auch
darin, dass die geltenden juristischen Spielregeln eingehalten und
bei Vergehen tatsächlich exekutiert werden. Wer schadhaftes
Spekulantentum verhindern will, muss für die Zukunft also neue
juristische Grundprinzipien umsetzen. Es spricht nicht wirklich für
die westliche Gesellschaft, dass die Verursacher der Krise zwar
hinlänglich verbal an den Pranger gestellt werden, dass aber noch
immer nichts unternommen wurde, um ihnen das Handwerk zu legen. Das
ist ein schweres moralisches Defizit. In der Konsequenz leidet
darunter nicht nur der Glaube an die freie Marktwirtschaft, sondern
auch der Glaube an die freie, offene, demokratische Gesellschaft.
Dieser fehlende Glaube geht vor allem von denen aus, die durch die
aktuelle Krise zu Schaden gekommen sind. Das sind die Millionen
Arbeitnehmer, die ihre Jobs verloren haben und hunderttausende
Unternehmen, die an den Rand des Abgrunds getrieben werden. Es ist
die Pflicht der Politik und der Wirtschaft, diesen Menschen wieder
Hoffnung zu schenken. Höchste Zeit für neue, saubere Spielregeln in
der Wirtschaft.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Tel.: Redaktionstel.: (01) 60 117/305
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