OTS0068 / 28.01.2010 / 10:07 / Channel: Wirtschaft / Aussender: Arbeiterkammer Oberösterreich
Stichworte: Arbeiterkammer / Arbeitsmarkt / Betriebsräte / Krise / Oberösterreich


Betriebsräte während der Krise: Druck steigt, aber Bedeutung auch =


   Linz (OTS) - Zum zweiten Mal führte das Institut für Sozial- und
Wirtschaftswissenschaften (ISW) der AK Oberösterreich eine große
Betriebsrätebefragung durch. Die Ergebnisse sind bemerkenswert: "Die
Krise fordert die Betriebsräte enorm, der Druck auf sie steigt",
stellt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer fest. "Gleichzeitig gewinnen
sie aber spürbar an Bedeutung - als Krisenmanager und Schutzschild
der Beschäftigten."    
   An der zweiten Betriebsrätebefragung des ISW im September 2009
haben 661 Betriebsratsvorsitzende aus ganz Oberösterreich
teilgenommen. Auch dieses Mal war die Einschätzung der betrieblichen
Mitwirkung der Betriebsräte ein Schwerpunkt der Befragung. Die erste
Befragung fand im Dezember 2008 statt.
   Mit steigendem Leistungsdruck und
Personalabbau/Beschäftigungssicherung waren im Krisenjahr 2009 die
meisten Betriebsräte befasst (62 bzw. 60 Prozent der Befragten).
Steigender Leistungsdruck stellt in allen Betrieben, egal ob sie von
der Krise betroffen sind oder nicht, ein wichtiges Thema der
Betriebsratsarbeit dar.
   Die Antwort auf die Frage nach dem größten Problem fällt eindeutig
aus: Sie lautet Personalabbau/Beschäftigungssicherung 
(33 Prozent der Befragten). Aber auch der steigende Leistungsdruck
(15 Prozent) und die Veränderung der Arbeitszeit durch die
Arbeitgeberseite (11 Prozent) hatten viele Nennungen. "Bedenklich
ist, dass die Behinderung der Betriebsratsarbeit durch den
Arbeitgeber von immerhin sieben Prozent als größtes Problem genannt
wird", betont Kalliauer. In vielen Fällen ist der Spielraum der
Betriebsräte derzeit auf die Krisenbewältigung eingeengt.  
   Die Betriebsräte kamen im Krisenjahr 2009 stärker unter Druck: 44
Prozent der Befragten gaben an, der Arbeitgeberseite Zugeständnisse
gemacht zu haben. Bei der Betriebsrätebefragung 2008 waren es 30
Prozent. Am häufigsten mussten Zugeständnisse bei der Arbeitszeit,
bei den betrieblichen Sozialleistungen sowie bei Lohn- und
Gehaltsbestandteilen gemacht werden.
   Durch die Krise ist die Rolle des Betriebsrats aufgewertet worden.
Ein Drittel der Befragten berichtet von einem Bedeutungsgewinn,
weniger als fünf Prozent sehen einen Bedeutungsverlust. "Wenn es dem
Unternehmen wirtschaftlich schlecht geht, kommen die Leute stärker
auf den Betriebsrat zu", berichtet Günther Gallistl,
Angestelltenbetriebsratsvorsitzender der Firma DSM Fine Chemicals
Austria in Linz.
   Weil laut Befragung Betriebsräte ohne freigestellte Mitglieder
ihre Aufgaben und Rechte oft nur ungenügend wahrnehmen können,
verlangt AK-Präsident Kalliauer deren gesetzliche Stärkung. Seine
Hauptforderung: "Die Freistellungsgrenze für Betriebsräte - derzeit
mehr als 150 Beschäftigte - sollte herabgesetzt werden: Sinnvoll wäre
eine anteilige Regelung, also eine Teilfreistellung je nach Zahl der
Beschäftigten."
Rückfragehinweis:
   Arbeiterkammer Oberösterreich, Kommunikation
   Tel.: (0732) 6906-2182
   presse@akooe.at
   http://www.arbeiterkammer.com
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OTS0068    2010-01-28/10:07
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