- 25.01.2010, 18:30:11
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Aus der Post ist noch viel herauszuholen - von Robert Lechner
Die Ausdünnung klassischer Airlines ist ein abschreckendes Beispiel
Wien (OTS) - Für jede Gemeinde eine Poststelle. So lautet
zumindest das neue Motto, auf das sich der größte Logistikkonzern des
Landes und die wichtigsten Interessenvertreter von Wirtschaftskammer
bis Gemeindebund verständigt haben. Dass auf Österreich jetzt
insgesamt 2357 Postämter oder Post-Partner zukommen, davor braucht
sich niemand zu fürchten. Die Idee wird so nie umgesetzt werden.
Erfrischend an dem Thema und an der Strategie des neuen
Generaldirektors Georg Pölzl ist aber, dass das Management offenbar
einiges an Ressourcen investiert, um die Post nicht weiter
krankzujammern. Die Lage ist ohnehin schwierig genug. In einem Jahr
wird der Markt für Briefe unter 50 Gramm für alternative Anbieter
geöffnet, womit das letzte Postmonopol zwar dank der einen oder
anderen Zusatzbestimmung noch nicht ganz fällt, aber gehörig ins
Wanken gerät. Gleichzeitig dämpft die weiterhin angespannte
Wirtschaftslage das Geschäft mit Paketen, was der Division per Ende
des dritten Quartals ein operatives Minus brachte. Ähnlich sieht es
im Bereich Filialnetz aus.
Wer angesichts dieses Umfeldes lediglich auf einen strikten Sparkurs
setzt, wird spätestens beim nächsten Aufschwung feststellen, dass
dieser ohne die Post stattfindet. Hungrige Konkurrenten werden dann
längst wichtige Teile der Märkte besetzt haben. Die Ausdünnung der
klassischen Fluggesellschaften durch immer mehr Streckenkürzungen und
Kündigungen könnte der Post als abschreckendes Beispiel dienen.
Während AUA und Co. so schwach wie nie dastehen, brummt das Geschäft
bei Air Berlin und deren Österreich-Ableger Niki.
Für viele Beobachter ist es ohnehin ein Rätsel, warum ein Konzern,
der die Chance hat, täglich bei allen Haushalten und Unternehmen
eines Landes anzuklopfen, überhaupt Probleme haben kann. Gerade im
Zeitalter des E-Commerce müsste es doch möglich sein, eine
Vertriebsmannschaft von 13.000 Leuten, über die die Post mit ihren
Briefträgern verfügt, erfolgreicher einzusetzen. Was spricht dagegen,
dass Briefträger die oft exzellente Gesprächsbasis zu ihren Kunden
nützen, um auch andere Produkte anzubieten? Banken, Versicherungen,
aber auch andere Handelsunternehmen müssten sich doch eigentlich auf
solche Gelegenheiten stürzen. Offenbar war die Post bisher zu
unflexibel oder zu uninteressiert, um solche Kooperationen
einzufädeln.
Insofern ist es gut für das Unternehmen, dass jetzt utopische Ziele
in puncto Standort-Ausbau gewälzt werden. Wenn dahinter kein - wie
von manchen befürchtetes - Ablenkungsmanöver steckt, lässt das darauf
hoffen, dass sich die Post künftig stärker ihrer Chancen bewusst
wird. Ein Konzept, von dem Mitarbeiter, Kunden und Anleger
profitieren könnten.
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
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