• 25.01.2010, 17:05:53
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Wiener Zeitung: Leitartikel von Walter Hämmerle: "Alte Probleme für die Neue"

Ausgabe vom 26. Jänner 2010

Wien (OTS) - Gegensätzlicher können Erwartungshaltungen gar nicht
sein, mit denen Beatrix Karl, die neue Wissenschaftsministerin, noch
vor ihrem Amtsantritt konfrontiert wird: So fordert der Physiker
Anton Zeilinger, einer der ganz wenigen Spitzenforscher, über die
Österreich verfügt, eine "Fortsetzung des Kurses der Vorgänger",
während die grün-rote Hochschülerschaft keinen Zweifel daran lässt,
dass sie sich einen "radikalen "Kurswechsel" in der
Universitätspolitik erwartet. Der Verband Sozialistischer Studenten
spricht angesichts der Neuen schlicht von "Provokation" und die
ehemaligen Uni-Besetzer planen, die heutige Angelobung Karls per
"Schreitherapie" zu stören.

Willkommen in der traurigen Realität der österreichischen
Universitätsdebatte, in der Traum und Realität vom Leben, Lernen und
Forschen ungeschützt aufeinander prallen!

Das ist - leider, muss man sagen - ein selbst gewähltes Schicksal.
Natürlich sind unsere Universitäten finanziell unterdotiert, aber
kein anderes Land macht es sich aufgrund ideologischer Vorgaben
selbst so schwer. Dass Studenten in Österreich gratis und - bis auf
wenige, der reinen Not geschuldete Ausnahmen - ohne jegliche
Zugangsbeschränkungen studieren können, ist weder sozial gerecht noch
volkswirtschaftlich vor den Steuerzahlern zu verantworten.
Tatsächlich gibt es auch keinen einzigen Experten von Rang, der
solches behaupten würde; das tun nur Politiker, die sich in der Not
des Wahlkampfs und auf die Studenten als Wähler schielend auf diese
beiden Themen geworfen haben. An Modellen, wie die Kosten eines
Studiums sozial gerecht und volkswirtschaftlich sinnvoll zwischen
Gesellschaft und Studierenden aufgeteilt werden können, mangelt es
nicht. Nur an der Bereitschaft der in Österreich Verantwortlichen,
ihren Kopf aus dem Sand zu ziehen.

Beatrix Karl hat angesichts dieser Ausgangsbedingungen beschränkten
Handlungsspielraum. Grundsätzliches wird sich daran wohl erst nach
den nächsten Wahlen 2013 ändern. Mangelverwaltung wird deshalb ihr
ständiger Begleiter sein. Und bei den Studenten steht sie ohnehin
bereits auf verlorenem Posten.

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