- 18.01.2010, 19:49:44
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Es gibt leider kein Geld, um noch mehr Gold zu fördern" (Von Frido Hütter)
Ausgabe vom 19.01.2010
Graz (OTS) - Stellen Sie sich Folgendes vor: Irgendwo im
Bereich der Österreichischen Bundesforste wird Gold gefunden. Das
kleine Klümpchen wandert in die Zentrale, dem Finder wird gratuliert.
Sonst geschieht nichts.
Kurz Zeit später tritt ebendort abermals Gold zutage, ein ziemlich
schwerer Nugget ist es diesmal. Doch das Ritual wiederholt sich,
Ablage, Gratulation. Aus.
Stimmen werden laut, die Bundesforste mögen doch eine professionelle
Exploration in Betracht ziehen. Die Antwort lautet, das könne man
sich leider nicht leisten, aber man habe den Förstern ohnedies
aufgetragen, in dieser Region besonders aufmerksam zu sein.
Und prompt fördert diese Aufmerksamkeit gleich zwei massive
Goldklumpen zutage. Einen im Bach, einen am Ufer. Im Ministerium wird
ein größerer Safe aufgestellt, die Gratulationen fallen besonders
herzlich aus. - Und sonst geschieht weiterhin nichts. Begründung:
kein Geld.
Kein Geld für mehr Gold. Eine Schildbürger-Story? Nein, ein Modell
dessen, wie sich die österreichische Regierung in Sachen Film
verhält.
Seit einigen Jahren erbeuten heimische Filmkünstler mit ihren Werken
in Serie die wichtigsten internationalen Preise und außer ein paar
Glückwünschen und ein paar Euros wurde nichts dafür eingesetzt.
Eine halbwegs kreative Regierung müsste sich nach dieser
Anerkennungsorgie zusammensetzen und die nötigen Konsequenzen
beratschlagen. Statt es der Kulturministerin zu überlassen, ob sie
noch die eine oder andere Million umschichten kann, müssten
wenigstens die Ressorts Finanzen, Wirtschaft, Kultur und vielleicht
sogar Infrastruktur gemeinsam einen Weg erarbeiten, der den
künstlerischen Erfolgen ökonomische Nachhaltigkeit beschert. Hier
geht es um eine neue Standortgründung.
Frankreich, Heimat von Europas erfolgreichster Filmindustrie,
investiert pro Kopf zehnmal so viel Förderung wie Österreich.
Deutschland (und auch Ungarn) zahlen Produktionsfirmen 20 Prozent der
belegten Ausgaben zurück, wenn sie im Lande drehen usw. usf.
Nichts von alldem hier: So wie man nie auf die Idee gekommen war, die
alte, von den Nazis verjagte Film-Elite wieder zurück- zubitten, so
gleichgültig steht man auch der neuen Champions-Liga gegenüber. Und
das in einer Zeit, die nach audiovisuellen Produkten giert. Und das
in einer Welt, in der man nur durch Exzellenz überlebt.
Aber vielleicht sind die Signale der großen Welt noch nicht am
kleinen Ballhausplatz angekommen.****
Rückfragehinweis:
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