• 18.01.2010, 10:00:26
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Elisabeth Orth von ORF-Hörspiel-Jury zur "Schauspielerin des Jahres 2009" gewählt

Wien (OTS) - Elisabeth Orth wurde von der ORF-Hörspiel-Jury zur
"Schauspielerin des Jahres 2009" gekürt. Die Ehrung wird im Rahmen
der "Langen Nacht des Hörspiels" am 19. Februar im Wiener
ORF-RadioKulturhaus stattfinden.

Seit 1997 wählt eine Fachjury aus ORF-Hörspielregisseurinnen und
-regisseuren die Schauspielerin oder den Schauspieler des Jahres.
Diesmal fiel die Wahl auf Elisabeth Orth, eine der großen Stimmen des
Radios. Die Ehrung der "Schauspielerin des Jahres 2009" wird einer
der Höhepunkte der "Langen Nacht des Hörspiels" am 19. Februar im
RadioKulturhaus sein, die Laudatio hält der Vorstandsdirektor der
Österreichischen Kontrollbank und langjährige Kunstminister Rudolf
Scholten.

Sie ist, ohne Frage, eine österreichische Institution. Elisabeth
Orth, die am 8. Februar ihren 74. Geburtstag feiert, hat als
Schauspielerin alles erreicht und alles gespielt, was das seriöse
Fach zu bieten hat. Zurzeit probt sie "Quai West" von Bernard-Marie
Koltès, Premiere ist im Februar. Dem Burgtheater hält Elisabeth Orth
- nach Lehr- und Wanderjahren in Köln, München und Ulm - seit mehr
als 40 Jahren die Treue. Und noch einer anderen Institution ist
Elisabeth Orth über Jahrzehnte treu geblieben: dem Radio. Ihr erstes
Hörspiel hat sie 1958 aufgenommen. Rund fünfzig weitere, darunter
Stücke von Christa Wolf und Hilde Spiel, von Andreas Okopenko und
Eberhard Petschinka, von Sophokles und Grillparzer, Nestroy,
Schnitzler und George Bernhard Shaw, sollten folgen. Das bislang
letzte Hörspiel, ein Zweipersonenstück des Schweizer Autors Jürg
Amann, wurde erst im Juni 2009 in Ö1 gesendet. Elisabeth Orth gibt
darin eine alternde Operndiva, die, begleitet von ihrer Zofe (Bibiana
Zeller), mit dem Zug ein letztes Mal nach Wien, dem Ort ihrer
Triumphe, reist. Ebenfalls 2009 war sie als "Frau Matzner" in dem
Joseph-Roth-Zweiteiler "Die Geschichte von der 1002. Nacht" zu hören.
2009 las sie auch, gemeinsam mit ihren Sohn, dem Schauspieler
Cornelius Obonya, eine Serie von Reportagen und Feuilletons von
Joseph Roth, die auch als Ö1-Doppel-CD erschienen sind. Orth hat im
Lauf von Jahrzehnten Ö1 unzählige Male ihre Stimme geliehen. Sie hat
Texte und Radiogeschichten gelesen und ist als Lyrikinterpretin
Stammgast in der "Holden Kunst".

Elisabeth Orth, die älteste Tochter des Schauspielerpaares Paula
Wessely und Attila Hörbiger, fand erst nach einigen Umwegen ihren Weg
auf die Bühne. Als sie sich nach Jobs als Filmcutterin und
Dramaturgieassistentin schließlich doch entschied Schauspielerin zu
werden, war ihr bald klar, dass sie sich nicht mit der Hypothek des
Namens Hörbiger belasten wollte. Da Elisabeth ein langer Vorname sei,
müsse - befand ihre Mutter - ein kurzer, knalliger Nachname her. Man
entschied sich für den Familiennamen der Großmutter mütterlicherseits
- Orth. Nach Lehr- und Wanderjahren in Köln, München und Ulm
debütierte die heutige Kammerschauspielerin 1965 in Schillers "Kabale
und Liebe" am Wiener Burgtheater, wenige Jahre später wurde sie
Ensemblemitglied. In den 1990-er Jahren verließ sie Wien noch einmal,
um unter der Leitung von Regisseurin Andrea Breth an der Berliner
Schaubühne zu arbeiten. Manchmal, sagt Elisabeth Orth, müsse sie
einfach "die Wiener Marmelade aus den Ganglien kriegen". Und mit Wien
und Österreich ist die Tochter von Paula Wessely und Attila Hörbiger
tatsächlich schwer behangen. Attila Hörbiger, ihr Vater, war
NSDAP-Mitglied, Paula Wessely, die Mutter, begrüßte den Anschluss
Österreichs ans Deutsche Reich und spielte in dem NS-Propagandafilm
"Heimkehr" eine Hauptrolle. Als sie den Film zum ersten Mal gesehen
habe, sagt Elisabeth Orth, traf er sie mit "voller Wucht". "Speiübel"
sei ihr gewesen, dennoch wollte sie ihre Eltern nicht durch
Nachfragen zu Ausreden zwingen. Also schrieb sie ein Buch über sie.
Es erschien 1976 unter dem doppeldeutigen Titel: "Märchen ihres
Lebens - Meine Eltern Paula Wessely und Attila Hörbiger". Schweigen -
und das ist wohl eine unmittelbare Folge ihrer familiären
zeitgeschichtlichen Verstrickungen - war Elisabeth Orths Sache nie.
Sie engagiert sich gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit, war
eine der Sprecherinnen beim "Lichtermeer" 1993 und ist bis heute
Präsidentin der "Aktion gegen den Antisemitismus in Österreich".
Immer wieder präsentiert sie Texte von politisch Verfolgten, widmet
sich zeitgenössischer Lyrik von Erich Fried, Ingeborg Bachmann oder
Friederike Mayröcker und schrieb dreizehn Jahre lang regelmäßig
Kommentare für die katholische Wochenzeitung "Die Furche", in denen
sie ihr Verhältnis zu Österreich und seiner Geschichte öffentlich
machte.

Am 19. Februar wird Orth als "Schauspielerin des Jahres 2009" im
RadioKulturhaus geehrt und folgt damit bisher Ausgezeichneten wie
Rudolf Wessely, Michou Friesz, Martin Schwab, Bibiana Zeller, Peter
Simonischek, Peter Matic, Andrea Clausen, Erwin Steinhauer oder Chris
Pichler. Nähere Informationen zum Programm von Österreich 1 sind
abrufbar unter http://oe1.orf.at. (ih)

Rückfragehinweis:
ORF Radio Öffentlichkeitsarbeit
Isabella Henke
Tel.: (01) 501 01/18050
mailto:[email protected]

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/1260

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