• 15.01.2010, 17:51:50
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Kirchen feiern am 17. Jänner "Tag des Judentums"

Wien (OTS) - Metropolit Staikos zentralen Gottesdienst in der
rumänisch-orthodoxen Pfarrkirche in Wien-Simmering - Kardinal
Schönborn: "Wir können Jesus nicht am Judentum vorbei oder gar gegen
das Judentum finden"

Die Kirchen in Österreich feiern am Sonntag, 17. Jänner, den "Tag
des Judentums". An diesem Tag besinnen sich die Christen in
besonderer Weise auf ihre jüdischen Wurzeln. In Wien findet der
zentrale Gottesdienst zum "Tag des Judentums" um 18 Uhr in der
rumänisch-orthodoxen Pfarrkirche in Simmering (Simmeringer
Hauptstraße 161) statt. Der orthodoxe Metropolit Michael Staikos
leitet den Gottesdienst, Dechant Ferenc Simon hält die Predigt.
Kardinal Christoph Schönborn hat bei seiner Katechese im Stephansdom
am 10. Jänner neuerlich hervorgehoben: "Wir können Jesus nicht am
Judentum vorbei oder gar gegen das Judentum finden". Der Wiener
Erzbischof unterstrich die Bedeutung des Konzilsdokuments "Nostra
Aetate", das einen endgültigen Schluss-Strich unter die
Judenfeindschaft gezogen habe. Die vatikanische Kommission für die
religiösen Beziehungen zum Judentum habe dann 1985 mit ihren
"Hinweisen für eine richtige Darstellung des Judentums in der Predigt
und Katechese der katholischen Kirche" die Grundlage für die
Formulierungen im "Weltkatechismus" geliefert.

Kardinal Schönborn erinnerte an das aufsehenerregende Buch eines
der bedeutendsten jüdischen Gelehrten der Gegenwart, des
US-amerikanischen Rabbiners Jacob Neusner ("Ein Rabbi spricht mit
Jesus"). Der heutige Papst habe das Werk Neusners als "das
wichtigste Buch für den christlich-jüdischen Dialog" bezeichnet.
Neusner stelle sich vor, gleichsam an der Bergpredigt Jesu
teilzunehmen und dann im abendlichen Gespräch mit anderen Rabbinern
die Frage zu erörtern, ob die Lehre Jesu mit der Thora übereinstimme.
Das Ergebnis sei, dass die Lehre Jesu im großen und ganzen der Thora
entspricht. Und auf die entscheidende Frage, ob Jesus Neues gebracht
habe, finde Neusner die überraschende Antwort: "Ja, sich selber".
Der Wiener Erzbischof betonte in diesem Zusammenhang in seiner
Katechese: "Jesus ist Jude ganz und gar und doch ist da etwas Neues".

Ausdrücklich stellte Kardinal Schönborn fest, dass man sich von
manchen, vor allem in Mitteleuropa verbreiteten, stereotypen
Vorstellungen im Hinblick auf das Verhältnis von Judentum und
Christentum verabschieden müsse. So sei es nicht angebracht, die
Gesetzesfrömmigkeit des Judentums herabzusetzen. Diese Frömmigkeit
habe eine große Würde; am Fest "Simchat Thora" (dem
Thora-Freudenfest) werde in der Synagoge mit der Thora-Rolle getanzt.
Jesus habe aber klar gemacht, dass die "vollkommene Erfüllung des
Gesetzes" nur das Werk Gottes sein kann.

Im Hinblick auf den Prozess Jesu vor dem Hohen Rat zitierte der
Wiener Erzbischof die Konzilserklärung "Nostra Aetate" und den
"Weltkatechismus": Das Leiden Jesu könne "weder allen damals lebenden
Juden ohne Unterschied noch den heutigen Juden zur Last gelegt
werden". Die den Juden angelastete Kollektivschuld am Tod Jesu habe
im Lauf der Geschichte "unendliches Leid" über das jüdische Volk
gebracht, bedauerte Kardinal Schönborn. Erst mit "Nostra Aetate" sei
eine "lange tragische Geschichte" abgeschlossen worden. Und doch habe
die Kirche auch schon zuvor nicht gezögert, den Christen und deren
Sünden die Verantwortung für die Qualen Christi zuzuschreiben,
während die Christen diese Verantwortung allzu oft einzig den Juden
zugeschoben hätten. Der Wiener Erzbischof zitierte den "Römischen
Katechismus" von 1566: "Denn da unsere Sünden Christus den Herrn in
den Kreuzestod trieben, so 'kreuzigen' tatsächlich jene, die sich in
Sünden und Lastern wälzen, den Sohn Gottes aufs neue und treiben
ihren Spott mit ihm".

Rückfragehinweis:
Erzdiözese Wien, Öffentlichkeitsarbeit & Kommunikation
Erich Leitenberger
Tel. 01/515 52/35 91, E-Mail: [email protected]

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/10861

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