• 12.01.2010, 13:16:04
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Erzdiözese Wien: Katholikenzahl blieb 2009 stabil

Wien (OTS) - Anstieg der Kirchenaustritte wurde durch Zustrom von
Katholiken unter den Immigranten und höhere Geburtenfreudigkeit der
Sonntagsmessbesucher ausgeglichen - Steigerung der
Kirchenaustrittszahl war Phänomen der ersten Jahreshälfte 2009

In der Erzdiözese Wien ist die Katholikenzahl im Jahr 2009 stabil
geblieben, obwohl es mehr Kirchenaustritte gab. Zum 1. Jänner 2010
wurden in der Erzdiözese Wien 1,301.570 Katholiken registriert, um
ein Prozent weniger als am 1. Jänner 2009. Dies geht aus den
vorläufigen Zahlen hervor, die am Dienstag veröffentlicht wurden.
Dass die Katholikenzahl trotz eines Anstiegs der Kirchenaustritte um
rund 28 Prozent in der Erzdiözese Wien annähernd gleich geblieben
ist, sei auch auf den Zustrom von Katholiken unter den Immigranten -
und auf die höhere Geburtenfreudigkeit der Sonntagsmessbesucher -
zurückzuführen, so der Pressesprecher der Erzdiözese Wien, Erich
Leitenberger.

Jeder Kirchenaustritt sei für die Kirche als Gemeinschaft sehr
schmerzlich, betonte Leitenberger: "Es ist, wie wenn sich jemand von
der Familie trennt". Umso erfreulicher sei es aber, wenn die meisten
Menschen gerade auch in schwierigen Zeiten ihrer Kirche die Treue
halten - und 2009 sei für die Kirche in Österreich ein schwieriges
Jahr gewesen.

Bewährt habe sich der im Oktober 2007 eingeführte Modus, der eine
dreimonatige kirchliche Bedenkfrist nach der Erklärung des
Kirchenaustritts vor der staatlichen Behörde vorsieht. Nicht wenige
Menschen hätten im Vorjahr ihren Schritt nochmals überdacht, von
einem Kirchenaustritt schließlich abgesehen und ihre Entscheidung
widerrufen.

2009 sei sehr deutlich geworden, dass es für den Kirchenaustritt
zwar konkrete Anlässe gibt, die eigentlichen Ursachen aber sehr viel
tiefer liegen, so Leitenberger. Wer nie oder fast nie mit dem
kirchlichen Leben in Berührung kommt und sich so von der
Glaubensgemeinschaft entfremde, trete eher aus, wenn die Kirche
negativ in die Schlagzeilen kommt. Aus diesem Grund bemühe sich die
Kirche in der Erzdiözese Wien in den letzten Jahren zunehmend, aktiv
auf die Menschen zuzugehen, um mit ihnen ins Gespräch über "Gott und
die Welt" zu kommen.

Eine Rolle bei der Entwicklung der Austrittszahlen spiele, so
Leitenberger weiter, auch die gravierende Finanz- und
Wirtschaftskrise. Die Kirche spüre so wie andere Institutionen, die
einen Solidarbeitrag ihrer Mitglieder einheben, den Druck jener, die
zunehmend jede finanzielle Ausgabe kritisch hinterfragen. Der
Pressesprecher verwies in diesem Zusammenhang auf die Verdoppelung
der steuerlichen Absetzbarkeit des Kirchenbeitrags von 100 auf 200
Euro. Das sei für viele eine große Erleichterung. Auf diese Weise
würdige der Staat auch die vielfältigen Leistungen der Kirche in den
Bereichen Seelsorge, Soziales, Entwicklungshilfe, Bildung und Kultur.
Diese Leistungen würden weitgehend durch den Kirchenbeitrag
ermöglicht und kämen letztlich allen zu Gute.

In der Erzdiözese Wien wurden im Vorjahr 16.527 Kirchenaustritte
registriert, um 3.593 mehr als 2008. Die Zunahme war im
niederösterreichischen Anteil der Erzdiözese prozentuell stärker als
in Wien-Stadt. In Wien-Stadt nahmen die Austritte um 24,72 Prozent
zu, im Vikariat Unter dem Manhartsberg um 25,83 Prozent und im
Vikariat Unter dem Wienerwald um 38,52 Prozent. Die starke Zunahme
der Kirchenaustritte war auf die erste Jahreshälfte 2009
zurückzuführen. Seither hat sich die Kurve wieder stark abgeflacht,
im Oktober 2009 gab es sogar um 11,30 Prozent weniger Austritte als
im Vergleichsmonat des Jahres 2008.

Erfreulich sei, dass es im Vorjahr in der Erzdiözese Wien auch zu
einer positiven Entwicklung bei der Zahl der Neu- und Wiedereintritte
gekommen sei, so Leitenberger. Demnach sind (vorläufige Zahl) im
Vorjahr in der Erzdiözese Wien 1.084 Personen in die katholische
Kirche neu oder wieder eingetreten;
im Vergleich dazu belief sich die vorläufige Zahl für 2008 auf 1.028
Personen. Insgesamt wurden 2008 schließlich 1.439 Neu- und
Wiedereintritte gezählt. Mit einer ähnlichen Steigerung kann auch für
das Jahr 2009 gerechnet werden, wenn bis Mitte März alle
Nachmeldungen aus den Pfarren der Erzdiözese Wien vorliegen. (forts
mgl)

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