- 20.12.2009, 19:06:53
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Eine effiziente Weltregierung werden wir nie haben" (Von Nina Koren)
Ausgabe vom 21.12.2009
Graz (OTS) - Kopenhagen zeigt, dass Klimaschutz nicht von
Gipfeln abhängen darf.
Nach Klimaforschung und Klimagipfel sind wir in einer neuen Phase
angekommen: dem Klima-Kater. So schlimm ist er, dass am Tag nach dem
Scheitern von Kopenhagen sich einige Politiker wie Obama und Merkel
bemüßigt fühlten, von einem "Durchbruch" zu sprechen, um den nun
anschwellenden Klimafatalismus zu dämpfen.
Doch das Scheitern zu beschönigen, macht es nicht besser. Man könnte
es stattdessen nutzen, die bisherigen Ansätze zu hinterfragen.
In Kopenhagen wurde erstmals unter Teilnahme von 192 Staaten auf
Regierungsebene versucht, globale Probleme global zu lösen. Das ist
die abgedroschene Phrase, die doch beschreibt, was in den nächsten
Jahrzehnten auf uns zukommt. Erderwärmung, Wirtschaftskrise,
Migrationsdruck: Es braucht gemeinsame Beschlüsse und gemeinsames
Handeln.
Doch der Gipfel hat eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie
schwierig es ist, sich zu einigen, wenn der Eine eine Demokratie
vertritt und von seiner Kongressmehrheit abhängig ist, der Andere
eine Diktatur anführt und sich von außen nichts dreinreden lassen
will, und überhaupt fast alle finden, dass ihre eigenen Interessen
viel wichtiger sind als die Flutwelle in Tuvalu.
Eine Weltregierung, die die globalen Probleme effizient löst, werden
wir nie haben.
Ist also alles sinnlos? Das Scheitern der Politik stellt die Frage
nach der Verantwortung jedes Einzelnen, seinen Lebensstil
umzustellen. In den Umfragen sind immer alle dafür; in der Realität
überwiegt die SUV-Fraktion über die Bahn-Fraktion und der Ruf, die
Politik sollte doch endlich was machen. Doch die wird schon wissen,
warum sie es nicht wagt, ihrer Bevölkerung trotz der
Umfragebekenntnisse mehr Veränderung und Einschnitte zuzumuten.
Wenn der Klimaschutz funktionieren soll, brauchen wir Lösungen, die
politisch durchführbar und wirtschaftlich klug sind. Elektroantrieb
und Solarzellen müssen so billig sein, dass jeder ihnen freiwillig
den Vorrang vor Öl und Kohle gibt.
Erst dann, wenn mit grüner Technologie mehr Geschäft zu machen ist
als mit Öl, wird der Kampf gegen den Klimawandel Erfolg haben. Dafür
kann die Politik mit Investitionen in die Forschung und
entsprechender Gesetzgebung ganz ohne Großgipfel die Weichen stellen.
Letztendlich werden die armen Länder, denen in Kopenhagen Milliarden
an Hilfe zugesagt wurden, mit diesem Geld Knowhow und Technologie
kaufen.
Wer als Erster umsteigt, wird als Erster zu den Gewinnern zählen.
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Rückfragehinweis:
Redaktion Steiermark
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