• 17.12.2009, 17:00:14
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"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Das Versagen der Kontrollore" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 18.12.2009

Wien (OTS) - Geben Sie Ihren Träumen eine Chance. So lautet seit
Jahr und Tag der Werbeslogan der Kärntner Hypo Alpe Adria. Er hatte
offenbar nicht nur für den verstorbenen Landeshauptmann Jörg Haider
Gültigkeit, der sich von der Hypo seine politischen Träume
finanzieren ließ.
Auch Finanzmarktaufsicht und Nationalbank haben den Träumen geglaubt.
Vor einem Jahr haben sie der Bank offiziell bescheinigt, dass sie
"not distressed", also "nicht notleidend" ist. Heute putzen sich
beide Institutionen mit gleich lautenden Rechtfertigungen ab. Sie
haben "alle damals vorliegenden Informationen berücksichtigt" und sie
haben sich an die von der EU definierten Kriterien gehalten.
Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny legte diese Woche noch eins
drauf: "Die Aufseher können nicht alles wissen, sie sind ja nicht die
Manager."
Das ist zwar prinzipiell richtig, aber trotzdem unbefriedigend.
Völlig unbeachtet geblieben ist dabei, dass es nicht nur eine
staatliche Bankenaufsicht, sondern auch einen Aufsichtsrat gibt. Der
müsste die Manager laut Aktiengesetz "angemessen" kontrollieren.
Bei der Hypo Alpe Adria haben die Spatzen (und nicht nur die bösen
Mitbewerber) vom Dach gepfiffen, dass die Bank in Südosteuropa
riskante Finanzierungen vornimmt. Da wären bohrende Fragen und
sorgfältige Kontrollen angemessen gewesen. Die notwendigen Fragen
wurden nicht gestellt oder nicht beantwortet. Sollten die Manager den
Aufsichtsrat angelogen haben, wäre das ein Fall für die Gerichte.
Gespannt darf man sein, wie die Aufsichtsräte der gleichfalls unter
Problemen leidenden Volksbanken AG agieren. Der Sektor wirbt
unverdrossen mit dem Slogan "Volksbank mit V wie Flügel", und
Generaldirektor Gerald Wenzel beteuert, dass "die Bank gesund ist und
sich sicher nicht nochmals beim Bund um Staatshilfe anstellen wird".
Hoffentlich stimmt wenigstens letzteres. Ungeprüft darauf verlassen
sollten sich die Aufsichtsräte nach den jüngsten Erfahrungen in
anderen Instituten aber nicht.

Rückfragehinweis:
Vorarlberger Nachrichten, Chefredaktion, Tel.: 0664/80588382

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