• 02.12.2009, 10:55:35
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Caritas Bahnhofsozialdienst am Südbahnhof schließt nach über 100 Jahren

Landau: "Nicht die Augen vor sozialen Brennpunkten verschließen"

Wien (OTS) - Nach über 100 Jahren sozialen Engagements muss die
Servicestelle der Caritas am Wiener Südbahnhof mit 2. Dezember 2009
ihren Betrieb beenden. "Der Bau des neuen Hauptbahnhofs erfordert
einen Abriss der alten Räumlichkeiten, auch für das soziale
Engagement am Südbahnhof fährt heute der letzte Zug ab. Doch die
Menschen in Not am Bahnhof werden weiterhin Hilfe und Unterstützung
brauchen - egal ob am Bahnhof Meidling oder am neuen Hauptbahnhof,
denn Bahnhöfe sind weltweit soziale Brennpunkte", betont
Caritasdirektor Michael Landau.

Der Abschied der Caritas wird jedoch nur auf Zeit sein, denn die
Gespräche für eine Caritaseinrichtung am Hauptbahnhof verlaufen
positiv. Landau zeigte sich erfreut über die gute Zusammenarbeit mit
der Stadt Wien, der ÖBB und der Polizei. Die Vorbereitungen für eine
neue soziale Einrichtung am künftigen Hauptbahnhof laufen auf
Hochtouren. "Ein neuer Hauptbahnhof mit supermoderner Architektur
wird strahlen und glänzen, und das ist für alle Reisenden ein Gewinn.
Er darf uns aber nicht blenden und niemand darf die Augen vor den
anstehenden sozialen Aufgaben verschließen. Die Weichen für das
soziale Angebot am Hauptbahnhof müssen jetzt richtig gestellt werden,
damit der soziale Fahrplan eingehalten wird!", so Landau. Die Caritas
fordert daher konkret neben einem mobilen Streetwork- Angebot direkt
am neuen Hauptbahnhof ein Tagesbetreuungszentrum für Menschen in Not.
Am Bahnhof Meidling wäre ein Gesamtkonzept als Übergangslösung für
die hilfesuchenden Menschen wichtig. "Hier sollte dringend alles auf
Schiene gebracht werden. Das mobile Streetwork-Angebot SAM und der in
Meidling Halt machende Suppenbus der Caritas sind wichtige Angebote,
aber sie werden nicht alles auffangen können - es braucht auch bei
einem Provisorium ein Gesamtkonzept und dieses fehlt, zumindest
derzeit noch", so Landau.

Soziale Einrichtungen auf Bahnhöfen haben eine lange Tradition,
die aus Sicht der Caritas beibehalten werden muss. In Wien wurden im
Jahr 1905 die ersten Bahnhofsmissionen gegründet. Sie waren
Anlaufstelle für junge Frauen vom Land, die in der Großstadt Arbeit
suchten. Nach dem zweiten Weltkrieg waren die Bahnhöfe Zentren der
Flüchtlingsbetreuung und Familienzusammenführung. Das Angebot
umfasste Notunterkünfte, Ausspeisungen und medizinische
Grundversorgung. Die Arbeit verlagerte sich von der Betreuung
Reisender auf die Versorgung von Menschen in sozialen Notsituationen.
In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts startete der
Bahnhofsozialdienst mit diplomierten SozialarbeiterInnen mit
professioneller Beratung und Versorgung.

Seit rund 15 Jahren wurde die Caritas Servicestelle am Wiener
Südbahnhof von rund 30 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern geführt. Jährlich wurden rund 1.200 Gäste in 2.600
ehrenamtlichen Stunden betreut und 6.000 Mittagessen ausgegeben.
Neben anderen Caritas-Angeboten wie dem P7-Wiener Service für
Wohnungslose als Wohnungslosendrehscheibe in Nachfolge des Bahnhof
Sozialdienstes, der Jugendnotschlafstelle a_way am Westbahnhof und
dem Betreuungszentrum Gruft bot die Servicestelle Südbahnhof eine
verlässliche und kontinuierliche Hilfe für Menschen in Not. Von
Montag bis Samstag kamen bis zuletzt Gäste - wohnungslose Menschen
aus Österreich, aber auch entwurzelte Menschen aus anderen Ländern -
für ein warmes Essen, Gesprächsgelegenheit, Informationen über
weiterführende Unterstützung und physische und vor allem seelische
und emotionale Zuwendung.

Rückfragehinweis:
Caritas der Erzdiözese Wien
Mag.(FH) Klaus Schwertner, Pressesprecher
Tel.: +43 (0)1/878 12-221 od. +43 (0)664/848 26 18
mailto:[email protected]
www.caritas-wien.at

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