- 01.12.2009, 20:00:15
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Japan ist die nächste Gefahr - von Jochen Hahn
So billig war Kapital noch nie - es druckt sich wie von selbst
Wien (OTS) - Dubai ist "Sand von gestern". Zumindest an den Börsen
scheint der Schock aus den Emiraten vorerst verdaut. Natürlich ist
das monetäre Ausmaß der Ausfälle in Dubai in ihrer Systemrelevanz
weltweit vernachlässigbar.
Das wirklich Besorgniserregende ist aber, dass das Finanzsystem immer
noch derart fragil ist, dass ein Fall "Dubai" überhaupt passieren
kann.
Überdeckt wurde diese Tatsache am Dienstag dafür durch eine neue Flut
an frischer Liquidität aus Japan. Die Bank of Japan (BoJ) spülte rund
zehn Billionen Yen ins System und schaffte die Möglichkeit für
Drei-Monats-Darlehen mit einem Zinssatz von 0,1 Prozent. Damit will
die BoJ einen weiteren Exodus des US-Dollars gegenüber der
japanischen Währung verhindern und der wieder aktuellen Deflation
Herr werden.
Japan und die USA liefern sich damit einen Wettlauf in ihrer
Niedrigzinspolitik. Die Folge ist aber auch ein neues Ausmaß an Carry
Trades. Aufgrund der Nullzinspolitik in den USA hat der Dollar
nämlich den Yen als Währung Nummer eins in dieser Kategorie abgelöst.
Die seit März haussierenden Börsen führten zu einer neuen Dimension
an Risikoappetit, denn so billig war spekulatives Kapital noch nie -
es druckt sich wie von selbst.
Ablesbar sind die Folgen an steigenden Kursen rund um den Globus und
in allen Assetklassen. Sogar im "sicheren Hafen" Gold parkt mehr
Risikokapital denn je. Einen Schutz vor einer neuerlichen weltweiten
Finanzkrise gibt es daher nicht mehr.
Japan steckt dabei in einer ganz besonders kniffligen Zwickmühle. Um
dem unaufhaltsam aufwertenden Yen gegenüber dem Dollar nämlich Herr
zu werden, müssten die Börsen weltweit in den "Baisse-Modus"
übergehen, damit jegliche Carry Trade-Tendenzen verschwinden. Eine
derartige Entwicklung wird aber nur eintreten, wenn es zu einem "W" -
also einem neuerlichen Abgleiten der Weltwirtschaft in die Rezession
- kommt. Aber genau das wäre noch mehr Gift für die momentane
Exportschwäche Japans.
In weitere Folge müsste die Regierung in Tokio die Schuldenspirale
mit neuen Konjunkturpaketen noch mehr beschleunigen. Bei einer
Gesamtverschuldung von über 220 Prozent des Bruttoinlandsprodukts
haben derartige Maßnahmen aber ganz automatisch ein Ablaufdatum. Es
verwundert wenig, dass immer mehr Experten einen Zusammenbruch am
Markt für japanische Staatsanleihen in Aussicht stellen und so
mancher Marktteilnehmer sogar schon darauf wettet. Japan ist daher
wieder einmal ein Paradebeispiel für die unkontrollierbaren Folgen
ungezügelter Geldpolitik.
Der nächste Crash ist jedenfalls programmiert - und im Vergleich zu
Japan verkommt der Sandsturm in Dubai zu einem lauen Lüfterl.
Rückfragehinweis:
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