• 01.12.2009, 14:19:53
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Welt-Aids-Tag - SP-Stürzenbecher und SP-Reindl: Auch homophobe Manifestationen haben am Fußballplatz nichts verloren!

Offener Brief der beiden SP-Gemeinderäte an den Präsidenten von Rapid, Edlinger, und an den Präsidenten der Wiener Austria, Katzian

Wien (OTS/SPW-K) - Anlässlich des heutigen Welt-Aids-Tages
richteten die Wiener SP-Gemeinderäte Dr. Kurt Stürzenbecher und Mag.
Thomas Reindl im Zusammenhang mit homophoben Manifestationen von Fans
beider Klubs im Rahmen des jüngsten Derbys der Wiener
Fußballmannschaften von Rapid und Austria einen Offenen Brief an den
Präsidenten von SK Rapid, Rudolf Edlinger, und den Präsidenten von SK
Austria Wien, Wolfgang Katzian. Im Folgenden der volle Wortlaut des
Briefes:

Sehr geehrter Herr Präsident Edlinger!
Sehr geehrter Herr Präsident Katzian!

Vorausschicken möchten wir unserem Anliegen, dass wir begeisterte
Rapid- bzw. Austria-Fans sind und grundsätzlich die Fankultur beider
Mannschaften sehr schätzen. Auch wissen wir, dass ein Fussballstadion
kein sprichwörtliches Mädchenpensionat ist und die Sprüche dortselbst
- etwa in Bezug auf Schiedsrichter - natürlich nicht immer jene
Höflichkeitsstandards haben wie sie im allgemeinen menschlichen
Umgang üblich und erwünscht sind. Das heißt, es kann, was Sprüche und
Transparente betrifft, in einem gewissen Rahmen auf den
Fussballplätzen durchaus etwas härter zugehen.

Es hat aber der Fankultur in keiner Weise geschadet, dass in den
letzten Jahren erfolgreich rassistische Äußerungsformen und Sprüche
zurückgedrängt werden konnten und es kommen diesbezügliche
menschenverachtende Manifestationen nach unserem Wissensstand
erfreulicherweise kaum mehr vor. Das ist ein Gewinn für die
Fan-Kultur, macht den Besuch von Fussballspielen für breitere
Schichten attraktiv und gibt Raum für intelligentere Choreographien
und Darbietungen.

Was das letzte Derby von Rapid gegen Austria im Hannapi-Stadion am
22. November d.J. betrifft, sind wir sportlich gesehen naturgemäß
unterschiedlicher Auffassung (Rapid gewann 4:1). Wo wir zwei uns aber
eindeutig einer Meinung sind, ist Folgendes: Ebenso wie rassistische
und ausländerfeindliche Äußerungen auf unseren Fussballplätzen
weitestgehend der Vergangenheit angehören, sollte dies künftig auch
für homophobe, also antihomosexuelle Manifestationen gelten. Sowohl
die Sprechchöre in diese Richtung wie auch große Transparente mit
denen dem jeweils anderem Klub jeweils "Homosexualität" vorgeworfen
wurde, sind nicht nur von schlechtem Geschmack, sondern
diskriminieren Menschen auf verletzende Art und Weise und sind
eindeutig abzulehnen. Zurecht hat bei Hochziehen eines dieser
Transparente die andere Fangruppe in den Sprechchor "Ach ist dies
peinlich" eingestimmt. Nur hätte dies umgekehrt genauso gegolten.

Die bewusste Diskriminierung von gleichgeschlechtlich orientierten
Menschen am Fussballplatz stellt eine echte Menschenrechtsverletzung
dar und sollte überwunden werden. Wir sind uns durchaus bewusst, dass
sich manche Fans über den Charakter ihrer Handlung nicht viele
Gedanken gemacht haben und das ganze vielleicht sogar "lustig"
finden.

In diesem Sinn bieten wir gerne an, mit Ihrer Hilfe mit Ihren
Fan-Klubs in einen konkreten Dialog zu treten, wo wir diese
Problematik sachlich besprechen können.

Wie man auch beim obigen Derby gesehen hat: Die Fan-Kultur ist zum
einen so beeindruckend und europaweit beispielgebend, dass das gute
Bild insgesamt nicht durch Manifestationen getrübt werden soll, die
diskriminierend und menschenrechtsverletzend sind.

Wir senden diesen offenen Brief am heutigen Welt-Aids-Tag ab, an
welchem es darum geht, für diese Geißel der Menschheit Bewusstsein zu
schaffen und Maßnahmen dagegen zu fördern. Dazu passt es, dass wir
uns alle bewusst werden, dass Homophobie und Diskriminierung von
gleichgeschlechtlich orientierten Menschen nirgends mehr einen Platz
haben dürfen, auch nicht am Fussballplatz.

Mit freundlichen Grüßen

Landtagsabgeordneter Gemeinderat Mag. Thomas Reindl
Sportsprecher der Wiener SPÖ; Fan und Mitglied von Austria Wien

Landtagsabgeordneter Gemeinderat Dr. Kurt Stürzenbecher
Antidiskriminierungssprecher der Wiener SPÖ, Fan und Mitglied von
Rapid.
(Schluss)

Rückfragehinweis:
SPÖ Klub Rathaus, Presse
Franz Schäfer
Tel.: (01) 4000-81923

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