• 27.11.2009, 14:23:39
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"Wir machen weiter" - 20 Jahre Diakonie Flüchtingsberatung in Traiskirchen

Christine Hubka: Dynamik, die nicht zu bremsen war - Michael Chalupka: Wollen, dass Rechtsstaatlichkeit herrscht

Traiskirchen (OTS) - Ende August hatte das Innenministerium die
Finanzierung der Diakonie Flüchtlingsberatungsstelle in Traiskirchen
eingestellt. "WIr machen weiter" - unter diesem Motto feierte die
evangelische Beratungsstelle am Freitag ihr 20jähriges Bestehen. "Es
ist eine schwierige Situation für uns, aber wir machen weiter, weil
wir nicht aufhören können", sagte der Leiter des Diakonie
Flüchtingsdienstes, Christoph Riedl.

Den Grund für das weitere Engagement sieht Diakoniedirektor Michael
Chalupka nicht nur in der Tradition Österreichs als Land, das
Flüchtlingen Schutz gibt. Anfangs seien in Traiskirchen Pfarrerin
Christine Hubka, die spätere Leitern der Beratungsstelle Gertrude
Hennefeld oder der Mitarbeiter der ersten Stunde, Shukri Krunz, für
diese Tradition eingestanden. Heute liege es in den Händen der
Zivilgesellschaft, diese Arbeit aufrecht zu erhalten. "Wir lassen uns
diese Tradition durch politische Umstände nicht aus der Hand nehmen",
so der Diakoniechef beim Festakt im Traiskirchner Rathaus. Erst das
Engagement Ehrenamtlicher und die Spenden schafften die Möglichkeit,
diese unabhängige Beratungstätigkeit fortzuführen, "auch wenn es
schwieriger wird". Letztlich gehe es auch um den Schutz der
Verfassung. "Wir wollen, dass in unserem Land Rechtsstaatlichkeit
herrscht, weil uns Menschen anvertraut sind. Das ist unser Auftrag,
der von Jesus Christus kommt und nicht von einem Mnisterium",
unterstrich der Diakoniedirektor.

Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker betonte, dass "die
gesamte evangelische Kirche" hinter der Arbeit in Traiskirchen stehe.
Aus einer lokalen Initiative der damaligen Pfarrerin Christine Hubka,
die 1988 die Kirchentür für Flüchtlinge geöffnet hatte, sei eine
gesamtkirchliche Aufgabe gewachsen. Die evangelische Kirche sei
geprägt von Flüchtlingen, in der Geschichte der Kirche seien viele
Mitglieder selber zu Flüchtlingen geworden. Die Sorge um Flüchtlinge
sei elementarer Teil der biblischen Botschft. "Ich wundere mich, dass
ein Land, dass so auf seine christliche Tradition pocht, wenn es etwa
um Symbole geht, in Aufruhr ist, wenn ein Panda übersiedelt wird.
Gleichzeitig nimmt man aber hin, dass eine gut integrierte junge Frau
abgeschoben werden soll."

Der Traiskirchner Bürgermeister Ferdinand Knotzer gratulierte der
Beratungsstelle zu ihrem Jubiläum und sprach sich für den
"menschlichen Weg der Mitte aus". "Wir haben uns immer gewehrt, wenn
die Unterbringung der Asylwerber unmenschlich wurde", so der
Bürgermeister, der sich mehr Solidarität von anderen Gemeinden
wünscht: "Wenn jede Gemeinde eine Familie zu integrieren versuchte,
wären viele Probleme gelöst."

Von den Anfängen des evangelischen Engagements in Traiskirchen
berichteten Christine Hubka, Gertrude Hennefeld, Shukri Krunz und
Michael Bubik. "Damals, 1988, lagen Menschen, junge, alte, ganze
Familien, tagelang auf der Straße", erinnerte sich Hubka, deren
Pfarrhaus sich direkt neben der staatlichen Einrichtung für
AsylwerberInnen befand: "Mit dem Öffnen unserer Tore haben wir eine
Dynamik geöffnet, die nicht zu bremsen war".

Gertrude Hennefeld, die im Mai 1989 dann Leiterin der neu gegründeten
Beratungsstelle wurde und gemeinsam mit Hubka 1993 für ihr Engagement
den Bruno Kreisky Preis erhielt, sprach von "Versuchen auf uns
politischen Druck auszuüben, wir waren Sand im Getriebe". "Gemeinsam
erreicht man mehr", sagte Anny Knapp, Obfrau der Asylkoordination
Österreich in dem von Kurt Lauermann moderierten Gespräch. Christoph
Steinwendtner vom Flüchtingsdienst warnte vor weiteren
Verschärfungen, die durch dass neue Gesetz drohten: "Die
Verschärfungen treffen immer die falschen". "Wir brauchen einen
Bewusstseinswandel", betonte Christoph Riedl, "und eine Politik, die
zu einem differenzierten Sprachgebrauch findet". Hilfe suchende
Menschen seien "einem System ausgeliefert, in dem sie sich nicht
zurechtfinden". Michael Bubik appellierte an die Kirchen, angesichts
des beginnenden Wiener Wahlkampfes "klarzumachen, dass nicht auf dem
Rücken jener Menschen, gegen die gehetzt wird, Wählerstimmen gewonnen
werden dürfen".

Bei dem Festakt, den ein Ensemble der Johann Sebastian
Bach-Musikschule umrahmte, erzählten ehemalige Flüchtlinge von ihrem
Aufenthalt im Lager Traiskirchen und der Hilfe, die sie durch die
Diakonie erfahren hatten. Heute studiert die ursprünglich aus
Afghanistan stammende Marjam Rassouliar an der Universität Wien und
lernt gerade ihre siebente Fremdsprache. Sonja Chatschatrian musste
2001 aus Armenien flüchten. Heute arbeitet die frühere Lehrerin als
Pflegehelferin, "weil ich so wieder etwas von dem zurückgeben kann,
was ich hier an Positivem erfahren habe".

Rückfragehinweis:
epdÖ
Dr. Thomas Dasek
Tel.: Tel.: 0664 22 395 11
mailto:[email protected]
http://www.evang.at

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