OTS0106   26. Nov. 2009, 10:46

Wehsely/Beck: AIDS 2010 gesundheitspolitisch wichtig für Wien

Leichter Anstieg bei neudiagnostizierten HIV-Infektionen


Das Motto des 22. Internationalen Welt-AIDS-Tages
lautet "Universal Access and Human Rights". Damit soll darauf
hingewiesen werden, dass der globale Kampf gegen HIV/AIDS nur
erfolgreich sein kann, wenn alle Menschen Zugang zu Prävention,
Behandlung und Medikamenten haben und die Menschenrechte respektiert
werden. Im Jahr 2008 haben sich weltweit 2,7 Millionen Menschen mit
dem Humanen Immunschwächevirus (HIV) angesteckt. Allerdings ist in
den letzten Jahren sowohl die Zahl der HIV-Neuinfektionen (-17
Prozent) als auch die Zahl der AIDS-Todesfälle (-5 Prozent) gesunken,
berichten die Vereinten Nationen. Von den 60 Millionen Menschen, die
sich bisher mit HIV infiziert haben leben heute noch etwa 33,4
Millionen. In Österreich wird es im Jahr 2009 im Vergleich zum
Vorjahr vermutlich wieder einen leichten Anstieg (+5 Prozent) der
neudiagnostizierten HIV-Infektionen geben.****

Dennis Beck, Obmann der Aids Hilfe Wien: "Hochgerechnet auf das
ganze Jahr sind 2009 in Wien ca. 297 HIV-Neuinfektionen, also um etwa
24 mehr als im Vorjahr, und österreichweit ca. 523
HIV-Neuinfektionen, also um 18 mehr als 2008, zu erwarten."
Gesundheits- und Sozialstadträtin Mag.a Sonja Wehsely: "Hinter jeder
Statistik zu HIV und AIDS stehen Schicksale und Lebensgeschichten.
HIV und AIDS sind für die betroffenen Menschen massive persönliche
Einschnitte in die Lebensqualität - und leider auch oft Geschichten
von langen Leidenswegen. Daher ist es gesundheitspolitisch wichtig,
HIV und AIDS zu thematisieren und bei jeder Gelegenheit die
Notwendigkeit von safer sex zu betonen."

"Safer sex ist kein Spielverderb. Safer sex ist ein Bekenntnis
zu Lebensqualität", betont die Stadträtin. Die Diagnose "HIV positiv"
ändert das Leben der Betroffenen, auch wenn HIV/AIDS heute
behandelbar ist. Denn behandelbar bedeutet nicht heilbar, und
HIV-positive Menschen werden nach wie vor häufig diskriminiert.
Wehsely ist von der zentralen Wichtigkeit des Kampfes gegen das
"soziale AIDS" überzeugt: "Jahrzehnte lang ist bekannt, wie man sich
anstecken kann - und wie nicht. Das Wissen darüber hat aber das
Stigma HIV oder AIDS noch nicht beseitigt. Haltung besiegt
Stigmatisierung, nicht bloßes Wissen."

Wiltrut Stefanek, Gründerin der Selbsthilfegruppe "PULSHIV",
Mitbegründerin des Netzwerks "Frauen und AIDS" und seit 1996
HIV-positiv, bestätigt ebenfalls, dass immer noch überängstlich,
manchmal sogar hysterisch reagiert wird. "Die einzige Chance,
Vorurteile in der Gesellschaft abzubauen und offen mit der
HIV-Infektion umgehen zu können, ist es, klare Forderungen
aufzustellen", ist Stefanek überzeugt. Gefordert werden unter anderem
ein bundsweites Antidiskriminierungsgesetz, das ein Verbot der
Diskriminierung auf Grund von HIV einschließt, sowie gesetzliche
Regelungen für den Arbeitsbereich.

Vor allem durch den Verlust des Arbeitsplatzes geraten viele
Betroffene in einen Teufelskreis von Schwierigkeiten. Beck: "Einer
der Hauptaufgabenbereiche der Aids Hilfe Wien ist die
sozialarbeiterische Betreuung HIV-infizierter Menschen und deren
Angehöriger. Im Jahr 2008 wurden von den SozialarbeiterInnen im Aids
Hilfe Haus 1.133 Beratungsgespräche mit 279 Personen geführt. Viele
unserer KlientInnen haben finanzielle Probleme. Rund ein Drittel
bezieht kein Einkommen oder eines unter 710 Euro, ein weiteres
Drittel hat ein monatliches Einkommen zwischen 710 und 900 Euro."

HIV-Schnelltest, Syphilis- und Hepatitis-Screening

Seit 1985 kann man sich bei der Aids Hilfe in Wien anonym und
kostenlos auf HIV testen lassen. Seit diesem Sommer wird im Aids
Hilfe Haus nun - ebenfalls anonym - ein HIV-Schnelltest angeboten
(Preis: 26 Euro). Personen, die sich für diesen entscheiden, bekommen
ihr Testergebnis am gleichen Tag zurück, sofern es negativ ist. Liegt
allerdings ein reaktives Ergebnis vor, muss auf ein endgültiges
Resultat länger gewartet werden, denn ein solches reicht nicht aus,
um zu beurteilen, ob eine HIV-Infektion vorliegt. Es muss eine
weitere Blutprobe entnommen und für Bestätigungstests ins Labor
geschickt werden.

"Die Wartezeit bis zur endgültigen Klärung, ob nun tatsächlich
eine Infektion mit HIV vorliegt oder nicht, kann für die betroffenen
Personen verständlicherweise sehr belastend sein", erklärt Philipp
Dirnberger, MSc, Geschäftsführer der Aids Hilfe Wien und betont
daher: "Aus diesem Grund kann der HIV-Schnelltest nicht
uneingeschränkt empfohlen werden. Es ist vorab im Beratungsgespräch
zu klären, wie die Person gegebenenfalls mit der Wartezeit umgehen
kann."

Im Aids Hilfe Haus wurden von 21. August bis 31. Oktober 2009
190 HIV-Schnelltests durchgeführt. Von diesen erbrachte ein einziger
ein reaktives Ergebnis. Der dadurch erforderlich gewordene Labortest
zeigte, dass keine Infektion mit HIV vorlag.

AIDS 2010 in Wien

"Die 18. Welt-AIDS-Konferenz - AIDS 2010 - findet von 18. bis
23. Juli 2010 in Wien statt. Alle zwei Jahre treffen rund 25.000
RepräsentantInnen von Interessenvertretungen und NGOs, Betroffene und
ExpertInnen aus aller Welt zusammen, um aktuelle Entwicklungen zum
Thema HIV und AIDS zu diskutieren. Wissenschaftliche Debatten werden
ebenso ihren Raum haben wie politische Forderungen in Richtung
Teilhabe und Entstigmatisierung", berichtet Wehsely und ist
überzeugt: "Die riesige Veranstaltung in Wien wird uns helfen, das
Thema HIV/AIDS im Jahr 2010 wieder stärker in den Blickpunkt des
öffentlichen Interesses zu rücken." Wien steht 2010 in einer Reihe
mit Städten wie Barcelona (2002), Bangkok (2004), Toronto (2006) und
Mexico City, wo die bislang letzte Konferenz 2008 abgehalten wurde.

AIDS 2010 sei aber auch für den Kongressstandort Wien von
größter Bedeutung, betont die Stadträtin. Der Großraum Wien und
Umgebung profitiert von etwa 100.000 Übernachtungen. Derzeit geht man
von einem Gesamtbeitrag zum österreichischen Bruttoinlandsprodukt von
45 Millionen Euro durch die Konferenz aus.

Red Ribbon Award

Im Vorfeld der International AIDS Conference 2010 starten die
AIDS-Hilfen Österreichs demnächst einen Kunst- und Medienwettbewerb
für Jugendliche. Im Hinblick auf das Motto der Konferenz, "Rights
Here, Right Now", bei der Menschenrechte ein zentrales Thema sein
werden, wurde für den vom Unterrichtsministerium und dem Fonds
Gesundes Österreich unterstützten Red Ribbon Award der Slogan
"Solidarität steht jeder/m" gewählt. Dirnberger: "Ab Mitte Jänner
wird der Red Ribbon Award österreichweit intensiv in Schulen und im
außerschulischen Bereich beworben werden. Wir hoffen auf rege
Beteiligung und freuen uns schon auf viele Einreichungen in den
unterschiedlichen Kategorien." (Schluss) me

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0106 2009-11-26 10:46 261046 Nov 09 NRK0010 0980



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Dr.in Sigrid Ofner
Öffentlichkeitsarbeit Aids Hilfe Wien
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