• 24.11.2009, 12:30:12
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Strom aus der Heizung

Wien (OTS) - Moderne Heizsysteme sind bereits in der Lage, nicht
nur den Wärmebedarf zu decken, sondern auch elektrischen Strom zu
erzeugen, der im Eigenheim und eingespeist ins Stromnetz genutzt
werden kann. Internationale ExpertInnen präsentieren am
24. November 2009 in der Industriellenvereinigung die bestehenden und
zukünftige Lösungen, deren Potenziale bzw. die notwendigen
politischen Rahmenbedingungen. Veranstaltet wird das Symposium von
der Österreichischen Energieagentur und der Vereinigung
Österreichischer Kessellieferanten.

In Sachen Energieeffizienz verfolgen Wissenschaft und Industrie
dieselben Ziele, wie die Österreichische Energieagentur und die
Vereinigung Österreichischer Kessellieferanten (VÖK) heute auf einem
gemeinsamen Symposium demonstrierten. In Zukunft ist die Heizung neu
zu definieren: Sie soll nicht nur Wärme und Warmwasser bereitstellen,
sondern gleichzeitig auch Strom produzieren. Fernseher, Computer und
Kühlschrank mit der eigenen Heizung betreiben zu können, erhöht auch
die Unabhängigkeit und führt in die für die Zukunft prognostizierte
notwendige Selbstversorgung und Energieautarkie.

"Es fließt viel Steuergeld in Form von Förderungen in die
thermische Sanierung von Gebäuden und gleichzeitig auch in den Ausbau
der Nah- und Fernwärmenetze. Wenn die Häuser aber immer weniger Wärme
brauchen, müsste Fernwärme um ein Vielfaches weiter transportiert
werden. Dies ist weder ökologisch noch ökonomisch vertretbar",
kritisiert Dr. Elisabeth Berger von der VÖK. Sie sieht die Zukunft
viel mehr bei Heizanlagen die gleichzeitig Strom und Wärme mit
geringen Verteilverlusten produzieren.

"Dies kann die Energieeffizienz im Heizungsbereich um zumindest
10% steigern", pflichtet ihr Dr. Fritz Unterpertinger von der
Österreichischen Energieagentur bei. "Die Erhöhung der
Energieeffizienz ist insgesamt ein ambitioniertes Ziel: Durch eine
konsequente Umsetzung von Effizienzmaßnahmen in allen Sektoren könnte
insgesamt mit 7-10 TWh annähernd die Hälfte der zukünftig nötigen
Strommenge eingespart werden. Jede einzelne Maßnahme dafür zählt."

"Alle effizienten technologischen Möglichkeiten für Heizsysteme
sollten ausgeschöpft werden. Da bietet sich die Wärmekraftkopplung
sicherlich als ein Baustein der künftigen Energieerzeugung an."
Unterpertinger betont, dass durch die enorme Zahl an Heizsystemen im
gesamten Gebäudebestand die zusätzliche Nutzung für die
Stromerzeugung ein erhebliches Potenzial darstellt, das
wetterunabhängig die Stromgewinnung aus Sonnenstrahlung und Wind
ergänzen kann .

Die Industrie hat bereits alltagstaugliche Lösungen entwickelt:
Seit 2003 gibt es bereits serienreife erd- und flüssiggasbetriebene
Mini-BHKWs auf Basis von Ottomotoren mit einer Leistung ab 1,3 kW
elektrisch.

Seit 2008 gibt es holz- und pelletsbefeuerte Mikro KWKs (
Kraft-Wärme-Kopplung ab 1 kW elektrisch ) auf Basis von
Stirlingmotoren. Demnächst wird ein Gaswandgerät mit Stirlingmotor
auf den Markt gebracht. Namhafte Firmen widmen sich in einem
Konsortium der Entwicklung von Freikolben-Stirling-Micro-KWK-Anlagen.

Für größere Objekte wie Gewerbebetriebe und Mehrfamilienhäuser
werden bereits heute von einigen Mitgliedern der VÖK Mini BHKWs (ab
30kW elektrisch) für jeden gängigen Energieträger angeboten.

Noch nicht absehbar ist die Markteinführung der Brennstoffzelle:
Seit 2002 laufen groß angelegte Feldversuche in denen u.a. mehr als
60 Anlagen europaweit zu einem virtuellen Kraftwerk
zusammengeschlossen wurden. Die Weiterentwicklung von
Niedertemperatur- und Hochtemperaturanlagen läuft im Rahmen des
"Leuchtturmprojektes Callux" der deutschen Bundesregierung. Dieses
Projekt könnte den nächsten großen technologischen Sprung darstellen,
serienreif wird die Brennstoffzelle jedoch nach vorsichtigen
Schätzungen frühestens in einigen Jahren sein.

Bereits jetzt kann jedoch mit einer Mikro KWK rund die Hälfte des
elektrischen Eigenverbrauches eines Durchschnittshaushalt produziert
werden - wenn die Heizung läuft, dann produziert sie den Strom
gleich mit! Eine bestechende Lösung!

Damit dies so rasch wie möglich auch Realität werden kann, sollte
eine Markteinführungsprämie als "Anschubfinanzierung" beschlossen -
wie bereits vom WIFO im Jahr 2005 angeregt - oder eine gesonderte
steuerliche Abschreibungsmöglichkeit geschaffen werden. Der
eingespeiste Strom muss fair abgegolten werden. "Wärmegeführte
Anlagen produzieren den Strom primär in der Heizperiode, da ist er
besonders "wertvoll" - und dies sollte sich auch in den
Einspeisetarifen niederschlagen" fordert die VÖK.

"Kommt die EU Richtlinie zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden,
wie jetzt in Vorbereitung, muss ab 2019 jedes neu errichtete Gebäude
den eigenen Energiebedarf selbst decken können, Strom aus der Heizung
kann ein Schritt sein, dieses Ziel zu erreichen", hält Unterpertinger
von der Österreichischen Energieagentur fest.

Rückfragehinweis:

Dr. Elisabeth Berger 
   Vereinigung Österreichischer Kessellieferanten (VÖK)
   Tel. +43 664/21 20 151
   [email protected]
   http://www.heizungs.org
   
   Mag.iur. Heinrich Sigmund 
   Österreichische Energieagentur - Austrian Energy Agency 
   Tel. +43-1-586 15 24-101 
   Fax +43-1-586 15 24-340 
   [email protected] 
   http://www.energyagency.at

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