• 21.11.2009, 14:20:07
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"Die Presse am Sonntag": Schüssel und Plassnik bis zuletzt im Rennen

EU-Topjobs: Dänen und Osteuropäer waren für Ex-Kanzler. Aber Faymann will nichts gehört haben. VON REGINA PÖLL.

Brüssel (OTS) - Wolfgang Schüssel hatte durchaus Chancen, der neue
Ratspräsident der EU zu werden. Noch am Montag sind die Vertreter
Dänemarks und mehrerer osteuropäischer Staaten hinter ihm gestanden,
wie jetzt in EU-Kreisen bekannt wurde. Sie sollen für Schüssel
gewesen sein, weil er viel Regierungserfahrung hat und den EU-Vorsitz
2006 souverän führte. Die Nachbarländer schätzten seinen Einsatz für
den Osten. Doch beim EU-Gipfel am Donnerstag in Brüssel wählten die
Staats- und Regierungschefs in einer Art Minimalkonsens den
belgischen Premier Herman Van Rompuy als Ratspräsident, neue
"EU-Außenministerin" wurde die Britin Catherine Asthon. Beide sind
international kaum vernetzt und wenig bekannt.
Dabei hätte als "EU-Außenministerin" auch Ex-Ministerin Ursula
Plassnik (ÖVP) bis kurz vor dem Gipfel Chancen gehabt, wie es heißt.
Dann nämlich, wenn doch die Christdemokraten den "Außenminister"
gestellt hätten und die Sozialdemokraten dafür den Ratspräsidenten.
Der bisherige "Hohe Vertreter", Javier Solana, hat sich dem Vernehmen
nach sogar noch besorgt erkundigt, an welche Adresse man Plassnik
denn die Jobunterlagen für den "Außenminister" schicken könne, sollte
es mit dem Posten für sie erst werden.
Der Einsatz für die Österreicher war offenbar nicht groß genug, etwa
aus Frankreich gab es Widerstände gegen Schüssel, weil er im Jahr
2000 die Haider-FPÖ in die Regierung geholt hatte.
SPÖ-Kanzler Werner Faymann hat die Besetzung der neuen EU-Jobs
maßgeblich mitbestimmt. Mit dem dänischen Chef der
EU-Sozialdemokraten, Poul Rasmussen, und dem Spanier José Zapatero
bildete er das Trio, das mit den EU-Christemokraten das Personalpaket
für den Gipfel vorbereitete. "Der Kanzler war mit den
sozialdemokratischen Kandidaten beschäftigt", sagte eine Sprecherin
des Kanzlers rückblickend der "Presse am Sonntag". "Über die
Kandidaten Plassnik und Schüssel hat er ehrlich nichts gehört, weder
auf sozialdemokratischer noch auf Regierungsebene." Der Kanzler sei
für die beiden nicht in die Offensive gegangen, weil er "keine Chance
für sie" gesehen habe.
Noch nicht einmal für seinen Vorgänger und Genossen Alfred Gusenbauer
als "Außenminister" warf sich Faymann ins Zeug, obwohl Gusenbauer im
Kreis der EU-Sozialdemokraten für seine EU-Kompetenz geschätzt wird.
"Gusenbauer war in den höheren Kreisen nie wirklich im Gespräch", so
Faymanns Sprecherin: "Nicht bei Zapatero, Rasmussen, Brown oder
Merkel."

Rückfragehinweis:
Die Presse
Chef v. Dienst
Tel.: (01) 514 14-445
mailto:[email protected]
www.diepresse.com

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