• 19.11.2009, 19:00:11
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Ukraine hat nur noch zwei Optionen - von Michael Laczynski

Wenn Politik nicht zur Vernunft kommt, droht der Bankrott

Wien (OTS) - Was für uns eine absurde Vorstellung ist, stellt für
einen großen Teil der ukrainischen Bevölkerung die Rückkehr zur alten
Normalität dar: Seit heute ist in dem östlichen EU-Nachbarstaat - wie
schon zu Zeiten der Sowjetunion - der Zugang zu Devisen
eingeschränkt. Privatpersonen können also nicht mehr ihre Griwna nach
Belieben in Dollar, Euro oder Pfund tauschen, sondern unterliegen
gesetzlichen Limits. Wer sich mit dem Alltag im ehemaligen Ostblock
beschäftigt hat, weiß, was als nächstes zu erwarten ist: ein
Aufblühen des Schwarzmarkts, ein weiterer Wertverfall des
ukrainischen Geldes und goldene Zeiten für Besitzer der begehrten
Hartwährungen.

Die Griwna-Misere ist nur das vorläufig letzte Symptom einer
umfassenden Malaise. Den Rating-agenturen ist die Ukraine nicht mehr
wert als ein CCC, das ist die letzte Bonitätsstufe vor dem
Staatsbankrott (das Wörtchen Bonität ist in diesem Zusammenhang
eigentlich nicht mehr angebracht). Die Wirtschaft dürfte heuer um
13,5 Prozent schrumpfen, die Währungsreserven schmelzen dahin und
Russland droht mit einem Lieferstopp, falls die Gas-Rechnungen nicht
pünktlich beglichen werden. Doch anstatt an einem Rettungsprogramm zu
arbeiten, starren alle Beteiligten gebannt auf den politischen
Kalender: Ende Jänner wird ein neues Staatsoberhaupt gewählt. Und bis
der zu erwartende Machtwechsel über die Bühne gegangen ist, wird in
Kiew gar nichts passieren.

Die Bevölkerung hat sich mit diesem Staus quo arrangiert, die
Schattenwirtschaft wächst und wächst - die Ukrainer agieren zusehends
so, als ob es die Staatsgewalt gar nicht gäbe. Und warum sollten sie
ihre Vertreter ernst nehmen angesichts der Schnapsideen, die im
Vorfeld der Wahl grassieren? Die Wahlversprechen der Kandidaten sind
Schätzungen zufolge mehr als sechs Prozent des BIP schwer. Woher das
Geld kommen soll, ist angesichts eines Budgetdefizits von zehn
Prozent des BIP nicht abzusehen - vom IWF jedenfalls nicht. Denn der
Währungsfonds fordert im Gegenzug für Hilfskredite einen eisernen
Sparkurs ein.

DNach jetzigem Stand der Dinge hat die Ukraine nur zwei Optionen:
Entweder die Politiker reißen sich endlich zusammen oder wir erleben
kommendes Jahr den ersten Staatsbankrott in Europa seit der Weimarer
Republik.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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