- 18.11.2009, 13:27:04
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Tradition mit Groß-Ausstellungen: Geschichte des Wiener Künstlerhauses
Aktuelle Wien Museum-Schau über "30er Jahre" schließt an Reihe bedeutender historischen Ausstellungen an
Wien (OTS) - Zwei Jahre vor seinem 150-Jahr-Jubiläum im Jahr 2011
steuert das Künstlerhaus nach einigen Turbulenzen in den letzten
Jahren wieder selbstbewusst seinen eigenen Kurs. Als Standort für das
"Haus der Geschichte" stand es bis 2007 ebenso zur Diskussion, wie
jüngst als museumspolitische Variante für die Kunsthalle oder als
Kooperationspartner des Wien-Museum: Alles - für`s erste - vorbei,
die 460 Mitglieder des in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts
bedeutendsten Ausstellungshauses für bildende Künstler bereiten sich
unter dem Titel "Metamorphosen" auf ihr Jubiläumsjahr vor, während
das Wien Museum bis März 2010 zur Groß-Ausstellung "Kampf um die
Stadt" einlädt.
Für nicht wenige ist das seit vielen Jahren eingerüstete Haus
neben dem Musikverein vor allem mit den großen kulturhistorischen
Ausstellungen der 80er Jahre verbunden. Hans Holleins "Türken vor
Wien"-Ausstellung (1983) mit vorgebauten überdimensionalen Feldzelt
oder "Traum und Wirklichkeit" (1984), ebenso wie die "Alt-Wien"-Schau
des Wien-Museum von 2004 oder die im Euro-Jahr 2008 stattgefundene
"herz:rasen"-Schau sind in Erinnerung geblieben. Der heute, Mittwoch,
eröffneten "Kampf um die Stadt"-Schau wird es nicht anders gehen.
Laut Peter Bogner, der seit 2002 als Geschäftsführer das
Künstlerhaus vertritt, ist das Haus bis heute eine "ungeheuer
kraftvolle Kunstmaschine", die nicht nur Fremd-Ausstellungen zeigt,
sondern, neben diversen Mitglieder-Ausstellungen, seit den 90er
Jahren in den Bereichen Architektur, Mode, Neue Medien aktiv ist.
Aufgrund der vielfältigen Verschränkungsmöglichkeiten vor Ort - vom
Kino über Theater bis zum Off-Space - bietet der Historismusbau
Möglichkeiten wie ein kleines "Centre pompidou" (Bogner). Präsident
ist seit 2006 Joachim Lothar Gartner, dessen Wiederwahl Ende November
in der großen Künstlerversammlung bestätigt werden könnte. August
Sicard von Siccardsburg (Amtszeit: 1861/62) und der
Historismus-Malerfürst Hans Markart (Amtszeit:1880-1882) stehen am
Anfang der Präsidentenliste, vor Gartners Antritt im November 2006
übte der Architekt Manfred Nehrer zehn Jahre lang das Amt aus.
Das "wichtigste Ausstellungshaus der Republik" (Bogner) mit
seinen 2000 Quadratmetern Ausstellungsfläche diente lange Zeit als
repräsentativer Rahmen diverser (Wiener Festwochen) Ausstellungen. In
Zukunft sieht sich das selbst verwaltete Haus mit seiner
wechselvollen Geschichte - die von Kaiserhaus, Adel und Bürgertum
besuchten Kunstverkaufsausstellungen gehören ebenso dazu, wie die
Gründung der Secession rund um Gustav Klimt als Abspaltung vom
"satuierten Kunstbetrieb" und die "Entartete Kunst"-Schau der Nazis
im Mai 1939 - vor allem am "Kunstplatz Karlsplatz" um. Die Wortmarke,
deren Erfindung Mitglieder des Hauses beisteuerten, hat für Bogner
großes Zukunftspotential. Neben dem Museumsquartier "kann der
Kunstplatz Karlsplatz mit Künstlerhaus, Musikverein, Wien Museum,
project space und Technischer Universität durchwegs reüssieren."
Das Künstlerhaus entstand 1861 durch den Zusammenschluss zweier
Künstlervereine. Nach Plänen von August Weber wurde das Gebäude
zwischen 1861 und 1868 errichtet. Erweiterungen und Umbauten
erfolgten unter anderem durch Andreas Streit, Friedrich Schachner
und Julius Deininger. Die bekannten Künstlerstatuen an der
Außenfront, die unter anderem Leonardo da Vinci und Rubens zeigen,
entstanden zwischen 1877 und 1913. Nach dem Zweiten Weltkrieg,1949,
kam das Künstlerhauskino dazu, 1974 auch eine Theaterbühne.
Über drei Jahrzehnte vertraten die Mitglieder des Künstlerhauses
als Berufsvereinigung die Interessen aller bildenden Künstler. Die
"Secessionisten" rund um Gustav Klimt leiteten 1897 den langsam
zurückgehenden Einfluss der Berufsvereinigung ein, der nach 1950 zum
völligen Machtverlust führte. Die "Gesellschaft bildender Künstler
Österreichs, Künstlerhaus" wurde zu einem unter vielen
Künstlervereinigungen. Neben seinen berühmten
Gschnas-Feierlichkeiten, die bis in die 60er Jahre gepflegt wurden,
beherbergte das Haus am Karlsplatz zur Jahrhundertwende auch eine
Schützengilde mit eigener Schießstätte im Haus (1874-1940), einen
Billardclub (1882-ca. 1955) wie auch einen Radfahrerverein
(1895-1911). Bis in die 80er Jahre verfügte das Künstlerhaus auch
über eine ansehnliche Kunstsammlung mit Werken von Markart, Klimt und
Schiele. Berühmt waren auch die Künstlerhaus-Preise, die etwa an Hans
Markart (1875), Franz Defregger (1885) oder Carl Moll (1896) gingen.
Heute verfügt das Haus noch über einige Rembrandt-Grafiken. 1996 wäre
beinahe die Kunstsammlung Essl für 99 Jahre ins Künstlerhaus
eingezogen. Die Mitglieder lehnten aber ab, sodass Essl 1999 in
Klosterneuburg sein eigenes Museum errichtete.
Infos zum laufenden Programm auch unter: www.k-haus.at .
(Schluss) hch
Achtung: Zu dieser Meldung ist demnächst eine
Bildberichterstattung geplant. In einer OTS-Aussendung wird auf die
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