• 17.11.2009, 18:30:11
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Schauen Sie nach Kärnten, Herr Ackermann! - von Alexis Johann

Vermutlich wäre Jörg Haider nach Libyen gereist

Wien (OTS) - Wer Klagenfurt auf der Loiblpass-Bundesstraße
verlässt, der merkt an Blumen, Kerzen und parkenden Autos, dass
Kärnten noch immer um Jörg Haider trauert. Gerade jetzt. Hätte er das
Schwert in die Hand genommen und den gordischen Knoten, der die
Zukunft der Hypo Group Alpe Adria umschnürt, zerschlagen? Offenbar
reißt sich jetzt niemand darum, die Bank zu retten, weil zu
befürchten ist, dass es sich um ein Fass ohne Boden handelt.
Vermutlich wäre Haider nach Libyen gereist, um die notwendige
Finanzspritze zu besorgen.

Nehmen Kärntner die Sonnenbrille ab, erkennen sie, dass das die
Probleme noch verschlimmern würde. Das Land braucht einen
Sanierungskurs, dramatische Sparmaßnahmen, eine Rücknahme der üppig
verteilten Sozialtransfers. Wiener sollte das, was im Süden passiert,
vor der eigenen Zukunft, die jetzt im Wahlkampf geschrieben wird,
warnen. Aber Kärnten wird sein Budget nur sanieren, wenn es dazu vom
Bund gezwungen wird. Insofern ist es nur richtig, wenn Finanzminister
Josef Pröll die Taschen verschlossen hält. So lange, bis der Landtag
den Zukunftsfonds für die Zukunft der Hypo umgewidmet hat.

Wir sollten die Geschichte der Bank aber auch Josef Ackermann
erzählen. Dieser meint, dass "die Gesellschaft am Ende akzeptieren
muss, dass der Staat in systemischen Bankenkrisen der Aktionär der
letzten Instanz bleibt".

Da Ackermann als Chef der internationalen Bankenvereinigung spricht,
hat das Gesagte Gewicht. Dem wäre gar nichts entgegenzusetzen, würde
Ackermann nicht davon ausgehen, dass die Steuerzahler gemeinsam mit
den Banken einen vorbeugenden Krisenfonds speisen sollen. Der
Aktionär der letzten Instanz wird damit zum Idioten der ersten
Stunde. Öffentliche Sicherheitspolster verführen Banken dazu, Risiko
zu externalisieren und Profite zu internalisieren.

Herr Ackermann, schauen Sie mit uns nach Kärnten: Die Politik gab der
Bank viel Handlungsspielraum, fragte wenig und half, wo sie konnte.
Die lange Leine sollte sicherstellen, dass sich Kreativität
entfaltet, um die Eigentümervertreter mit Kleingeld zu versorgen. Das
Geld sollte Kärntner erfreuen, Wiener beeindrucken, Kritiker
besänftigen. Wahlen sollten zu Festpielen werden. Mit dem Land im
Rücken konnte die Hypo Mitbewerber aus dem Feld schießen sowie
fragwürdige Auslandsdeals abschließen.

Erst Jahre später bemerkten die Prüfer der Oesterreichischen
Nationalbank, dass Risiko und Ertrag in keinem günstigen Verhältnis
standen. Für mehr als die Hälfte aller beantragten Kredite gab es
keine Stellungnahme des Risikomanagements. Sie wollen das nicht, Herr
Ackermann!

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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