• 12.11.2009, 12:49:10
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Ärztekammer befürchtet baldiges Aus von Lehrpraxen in Österreich

Politik seit Jahren untätig - Dorner: "Die Fördermittel sind unzureichend und lächerlich"

Wien (OTS) - "Die Lehrpraxis und ihre Finanzierung ist von der
Politik die letzten Jahre sträflich vernachlässigt und mit großem
Desinteresse bestraft worden", kritisiert der Präsident der Wiener
und der Österreichischen Ärztekammer, Walter Dorner. Er
prognostiziert der Lehrpraxisausbildung damit "ein baldiges Ende in
Österreich".

Der Hintergrund für die aktuelle Misere: Bislang hatten
Jungmediziner, die einen Teil ihrer Turnusausbildung in einer
Ordination ("Lehrpraxis") absolvieren, Anspruch auf ein Honorar von
lediglich knapp 1000 Euro. Das war zwar für den Ordinationsinhaber
leistbar, für den Turnusarzt aber keineswegs zumutbar. Dorner: "Es
ist inakzeptabel, wenn junge Akademiker zwischen 25 und 35 Jahren
nach einem aufwendigen und anstrengenden Studium für ein Gehalt von
unter 1000 Euro im Monat arbeiten und damit vielleicht noch eine
Familie erhalten müssen."

Deshalb hat die Österreichische Ärztekammer einem Kollektivvertrag
für Turnusärzte in Ordinationen zugestimmt, der ein Gehalt zwischen
1300 und 2600 Euro für 30 Stunden wöchentlich, gestaffelt nach dem
Ausbildungsgrad, vorsieht. Das wiederum ist für die meisten
Ordinationen aufgrund der knapp bemessenen Kassenhonorare nicht mehr
finanzierbar, weswegen bereits kurz nach Veröffentlichung des
Kollektivvertrags viele Ordinationsinhaber erklärten, zukünftig keine
Turnusärzte mehr in ihrer Ordination ausbilden zu wollen (können).

Er verstehe den Unmut vieler niedergelassener Kolleginnen und
Kollegen über den ab 1. Jänner 2010 geltenden Kollektivvertrag für
Lehrpraxen, meint Dorner. Aber so wie bisher hätte es auch nicht
weitergehen können.

Voller Idealismus in der Ausbildung

"Seit einer halben Ewigkeit" habe die Ärztekammer immer wieder
Versuche unternommen, die Frage der Finanzierung mit dem Bund und den
Ländern vernünftig zu regeln. "Die Fördermittel sind absolut
unzureichend und lächerlich", kritisiert der Ärztekammerchef.

Auch der Politik müsse es im Hinblick auf die zukünftige
Patientenversorgung eigentlich ein Anliegen sein, die Arztausbildung
durch die Integration der Lehrpraxisausbildung - wie in ganz Europa
üblich - zu finanzieren. Denn damit würde man "noch besser und
praxisnahe ausgebildete junge Ärztinnen und Ärzte" erhalten.

Es gehe hier um junge Menschen, die "voller Idealismus an ihre Arbeit
gehen", so Dorner weiter. Dies müsse aber auch finanziell
berücksichtig werden.

Für den Fall, dass sich die Politik nicht rasch entschließt, die
Lehrpraxen in Österreich intensivst zu unterstützen, zeichnet Dorner
für die Zukunft ein düsteres Bild: "Dann wird es über kurz oder lang
keine Lehrpraxen in Österreich mehr geben." (kmc)

Rückfragehinweis:
Ärztekammer für Wien - Pressestelle
Dr. Hans-Peter Petutschnig
Tel.: (++43-1) 51501/1223, 0664/1014222, F:51501/1289
mailto:[email protected]
http://www.aekwien.at

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