- 11.11.2009, 11:59:45
- /
- OTS0158 OTW0158
Ein Jahr nach Regierungsantritt: Was hat die Politik unternommen, um die Diabetesversorgung in Österreich zu verbessern? - BILD

Wien (OTS) - Anlässlich der Nationalratswahl 2008 wandte sich die
Österreichische Diabetesgesellschaft (ÖDG) in einem offenen Brief an
die politisch Verantwortlichen aller Parteien und forderte eine
Verbesserung der unzureichenden Diabetesversorgung in Österreich. Die
Gesundheitssprecher von SPÖ, ÖVP, LIF und Grüne sowie das
Bundesministerium für Gesundheit haben geantwortet und ihr Engagement
in Aussicht gestellt. Was geschah inzwischen?
Anlässlich des Weltdiabetestages am 14. November 2009 fragte die
ÖDG vor einigen Wochen nach: bei Bundeskanzler Werner Faymann, Herrn
BM für Gesundheit Alois Stöger, den Gesundheitssprechern der Parteien
und den Landesräten und Landesrätinnen für Gesundheit. Gefordert
wurde eine Darstellung der versprochenen Maßnahmen zur Verbesserung
der Situation der geschätzten 600.000 DiabetikerInnen in Österreich.
Ein Jahr danach
Die Situation hat sich weiter verschärft. Erhebungen des
vergangenen Jahres haben gezeigt, dass in Österreich nicht 500.000,
sondern bereits geschätzte 600.000 DiabetikerInnen leben, wovon
170.000 (!) von ihrer Krankheit nichts wissen. Die Versorgung der
PatientInnen und die Betreuungssituation sind in Österreich, gemessen
am europäischen Standard, weiter unzureichend. Die Entwicklung des
Disease Management Programms "Therapie aktiv" geht äußerst schleppend
voran. Von den politischen Forderungen konnte, nicht zuletzt dank
jahrelanger Überzeugungsarbeit der ÖDG, nur die Verankerung des
oralen Glukosetoleranztests im Mutter-Kind-Pass erzielt werden.
Sämtliche anderen Probleme in der Prävention (z.B. Therapie von
Übergewicht und Adipositas), der Betreuung (z.B. zu geringe
Bewilligung von Blutzuckerstreifen; Schikanen bei Verordnung
innovativer Medikamente) und der Forschung (keine Mittel für
unabhängige Studien) sind weiterhin als ungelöst zu betrachten.
Stellungnahmen
Der Bundesminister Alois Stöger, die Gesundheitssprecherin der SPÖ
und jener des BZÖ sowie der Landeshauptmann aus Oberösterreich, die
Landesräte und Landesrätinnen aus Vorarlberg, dem Burgenland,
Kärnten, der Steiermark, Salzburg und die Stadträtin für Gesundheit
aus Wien haben auf das ÖDG-Schreiben reagiert und ihre Standpunkte
und Maßnahmen in punkto Diabetesversorgung und Prävention dargelegt.
Bundesminister Stöger ist sich der steigenden Prävalenz von
Diabetes bewusst und misst daher vor allem der Diabetes Prävention
und strukturierten Betreuung einen besonders hohen Stellenwert zu. So
präsentierte der Minister Anfang 2009 einen aktuellen
Ernährungs-Bericht und setzte erste einheitliche
Koordinierungsmaßnahmen in der Gewährung von Blutzuckerstreifen. Im
Rahmen einer Initiative des Gesundheitsministeriums wird aktuell an
der Erstellung eines Nationalen Aktionsplanes Ernährung und an
Initiativen zum Thema zielgerichteter Bewegung gearbeitet.
Zur unterschiedlichen Gewährung von Blutzuckerstreifen hat das
Ministerium die Sozialversicherungsträger ersucht die Unterschiede zu
erheben und eine koordinierte Vorgangsweise zu etablieren.
Schwerpunkte in den Ländern
Das Disease Management Programm (DMP) "Therapie Aktiv - Diabetes
im Griff" wurde bereits in allen Bundesländern außer Kärnten und dem
Burgenland implementiert. Der Kärntner LR für Gesundheit, Dr. Peter
Kaiser erklärte dies durch das fehlende Einverständnis der
Sozialversicherungsträger. Der burgenländische LR Dr. Peter Rezar
teilte mit, dass das Programm Therapie Aktiv durch das Programm der
Diabetesbetreuung "Modell Burgenland" gänzlich ersetzt werde. In
Oberösterreich wird gerade der Umstieg vom Programm
"Diabetikerbetreuung Oberösterreich" auf das Therapie Aktiv Programm
geplant und in Vorarlberg wurde das Programm im Mai diesen Jahres
beschlossen. Bislang sind ca. 80 bis 90 Betreuungsärzte und 140
Patienten im Programm eingeschrieben. In der Steiermark läuft das
Programm bereits seit 2 Jahren. 99 Ärzte und Ärztinnen und ca. 2.500
Patienten nehmen daran teil. Die Evaluierung des Programms hat
gezeigt, dass eine statistisch signifikante Verbesserung in der
langfristigen Blutzuckereinstellung erzielt werden konnte. Von
Salzburg werden Ergebnisse des als randomisierte Studie laufenden
Therapie Aktiv Programms mit 92 Ärzten und knapp 1500 Patienten bei
der ÖDG-Jahrestagung 2009 präsentiert.
Im Frühsommer 2009 wurde eine Empfehlung des Gesundheitsministeriums
zum DMP veröffentlicht.
Informationsveranstaltungen werden in allen genannten
Bundesländern sowohl als Präventionsmaßnahmen wie als Maßnahmen zur
Verbesserung der Betreuungssituation angeführt. Besondere
Schwerpunkte werden dabei auf Kinder wie auch MigrantInnen gelegt.
Neue Diabetesambulanzen wurden in Vorarlberg, Salzburg und Wien
eingerichtet. In der Steiermark wurden vier Fußambulanzen eröffnet
und in Hallein/Salzburg wird ein Rehabilitationszentrum eingerichtet.
Die SPÖ-Gesundheitssprecherin Dr. Sabine Oberhauser betont
ebenfalls, dass die Erstellung nationaler Gesundheitsziele - auch im
Bereich Diabetes - und die Etablierung eines Disease-Management
Programms im Regierungsprogramm vereinbart ist. Die SPÖ wolle
gemeinsam mit Bund, Ländern und Sozialversicherungsträger Lösungen in
der Diabetesprävention und -behandlung finden und mit allen
Beteiligten den Dialog suchen.
Eine grundsätzliche strukturelle Systemänderung hinsichtlich der
Diabetesversorgung in Österreich fordert auch der
BZÖ-Gesundheitssprecher Dr. Wolfgang Spadiut.
Erste Schritte
Die Österreichische Diabetes Gesellschaft begrüßt die Einschätzung
des Bundesministers, dass die Diabetes Prävention und strukturierte
Behandlung ein gesundheitspolitisches Schwerpunktthema darstelle,
sowie seine Zusage, in den nächsten Wochen und Monaten verstärkt
Gespräche mit allen betroffenen Systempartnern zu führen. Die Brisanz
des Themas wird auch nicht zuletzt durch die zahlreichen
Einzelinitiativen auf Länderebene deutlich. Trotzdem geht die
Verbesserung der Betreuung von Diabetes PatientInnen nur schleppend
voran und können die gesetzten Maßnahmen nur als erste Schritte
gesehen werden.
Bedauerlich ist, dass Bundeskanzler Werner Faymann und die
Gesundheitssprecher der ÖVP, der Grünen und der FPÖ sowie die
Bundesländer Niederösterreich und Tirol keine Stellungnahme zu
gesetzen Maßnahmen in der Diabetesversorgung abgegeben haben.
Weltdiabetestag, 14. November
Anlässlich des Weltdiabetestags wird, wie schon in den Jahren
davor, als sichtbares Zeichen die Hofburg in Wien blau beleuchtet.
Außerdem werden auf Initiative der ÖDG die Alte Erzbischöfliche
Residenz in Salzburg und das Lentos Museum in Linz in blauem Licht
erstrahlen (Bildmaterial unter www.oedg.org/presse oder bei
[email protected]).
Weitere Informationen unter http://www.worlddiabetesday.org/
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM/Original Bild
Service, sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at
Rückfragehinweis:
Martschin & Partner
Mag. Jasmin Haider
Albertgasse 1a, 1080 Wien
Telefon: 01 409 77 20 DW 30
Mail: [email protected]
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | ODG






