• 09.11.2009, 15:23:57
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Kardinal Schönborn bekräftigt Ablehnung des Kreuz-Urteils

Wiener Erzbischof in TV-Sendung "Orientierung": "Kreuz verstößt nicht gegen weltanschauliche Neutralität des Staates" - Christliche Kirchen respektieren "Mehrheits-Regel"

Wien, 09.11.2009 (KAP) Kardinal Christoph Schönborn hat in der
ORF-Sendung "Orientierung" seine ablehnende Haltung zum Kreuz-Urteil
des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte bekräftigt. Er sehe
darin ein "Fehlurteil", von dem er hoffe, das es keinen Bestand
haben werde, sagte der Wiener Erzbischof: "Es ist keine
Beeinträchtigung der Freiheit des Anderen, wenn Menschen ihre
religiöse Identität in der Öffentlichkeit zum Ausdruck bringen".

Das Kreuz in den Klassenzimmern verstoße in Österreich nicht gegen
die weltanschauliche Neutralität des Staates, unterstrich der
Kardinal. Der Staat akzeptiere damit, dass sich eine klare Mehrheit
der Bürger zur christlichen Religion bekenne: "Dass dem auch im
öffentlichen Raum Rechnung getragen wird, ist völlig legitim".

Schönborn appellierte, die wahre Bedeutung des Kreuzes stärker
wahrzunehmen. Aus dem Leben Christi heraus sei es "ein Zeichen der
Erlösung, des Heils, der Vergebung und ein Zeichen des Friedens
statt der Gewalt, des Gewaltverzichts statt der Rache". Das Kreuz
stehe zudem für die christlichen Wurzeln Europas.

Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker warnte in der
"Orientierung" davor, das Kreuz zu einem "bloß kulturellen Symbol"
zu entkräften. Damit wäre aus evangelischer Sicht der Inhalt des
Kreuzes "nicht mehr so gegeben wie es sein sollte", so Bünker. Das
Straßburger Urteil dürfe jedoch nicht dazu führen, dass Religion
privatisiert und aus dem dem öffentlichen Bereich hinausgedrängt
wird.

Kein Problem mit den Kruzifixen in den Klassenzimmern hat auch Carla
Amina Baghajati, die Medienreferentin der Islamischen
Glaubensgemeinschaft in Österreich. "Der Ort Schule birgt eine echte
Chance, Kinder und Jugendliche auf ein Leben in einer immer mehr von
Pluralismus gekennzeichneten Gesellschaft vorzubereiten - und
Religion gehört da einfach dazu", sagte sie in der TV-Sendung.
Gleichzeitig verwahrte sich Baghajati gegen das Ansinnen, das
Kreuz-Urteil als Anstoß für eine "Leitkultur"-Debatte zu nehmen:
"Wenn ich das Kreuz anerkenne als etwas, dass in Österreich
historisch eine Platz hat, heißt das noch lange nicht, dass ich das
Kreuz zu meiner Leitkultur mache". Dies verhindere einen "Dialog auf
gleicher Augenhöhe".

Christliche Kirchen respektieren "Mehrheits-Regel"

Kardinal Schönborn erinnerte im ORF-Interview an die geltende
Gesetzeslage in Österreich, wonach in allen Klassenräumen vom
Schulerhalter ein Kreuz anzubringen ist, wenn die Mehrzahl der
Schüler einem christlichen Religionsbekenntnis angehört. Nach diesen
Bestimmungen müsse auch dann vorgegangen werden, wenn Christen nicht
in der Mehrheit sind, wie dies etwa in einigen Wiener Schulen der
Fall sei, so Schönborn: "Wenn dort eine nichtchristliche Mehrheit
wünscht, dass kein Kreuz in der Klasse ist, ist das auch zu
respektieren". Auch für den lutherischen Bischof Bünker gilt in
diesem Fall: "Für Christen ist es immer eine gute Tugend zu sagen:
besser eine Einschränkung zu erleiden, als anderen eine
Einschränkung zuzufügen".

(ende)
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