- 09.11.2009, 08:54:53
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Schweinegrippe: Die Angst vor dem Krampus - von Wolfgang Unterhuber
Medizinisch gesehen ist die Panik blanker Unsinn
Wien (OTS) - Die Österreicher sind diesen Herbst im Stress.
Zunächst stehen sie stundenlang Schlange, weil sie wegen des
Wintereinbruchs ihre Autoreifen wechseln müssen. Und ab heute heißt
es Warten bei den sogenannten Impfstraßen der Magistrate, weil man
dort gegen die Schweinegrippe geimpft werden kann. Wir leben im
Zeitalter der Hysterie! Im Wochentakt wird der Bürger mit Warnungen
vor Stürmen, Hochwasser, Schneemassen, Spekulanten und Studenten
überhäuft. Die Warnung vor allen möglichen Viren passt da gut ins
Bild. Jetzt müssen wir uns also vor der Schweinegrippe fürchten.
Glaubt man vereinzelten Medien, kommt sie wie die mittelalterliche
Pest über uns und wird uns für unser Freveltum bestrafen.
Rein medizinisch gesehen ist die Panik vor der Schweinegrippe ein
kompletter Unsinn. Sie ist bisher weltweit nämlich mild verlaufen.
"Schutz ja, Panik nein", titelt das WirtschaftsBlatt heute. Das
trifft auch die Stimmung in den Unternehmen. Gerade von solchen, die
in Osteuropa engagiert sind. Natürlich gehört es dazu, sich auf einen
Worst Case vorzubereiten. Aber von einem solchen sind wir noch
meilenweit entfernt. Es besteht also nicht der geringste Grund,
hektisch Impfstraßen aufzusuchen. Besser ist es, cool abzuwarten.
Noch dazu, da die Impfstoffe, die dort verabreicht werden, gar nicht
langfristig getestet werden konnten. So gesehen ist die Impfaktion
ein gelungener Versuchstest. Das verführt Verschwörungstheoretiker
immer wieder zur Annahme, dass die Pharmaindustrie die Schweinegrippe
gleichsam in einer konspirativen Aktion absichtlich in die Welt
gesetzt hätte.
Faktum ist zwar, dass die Impfstoffhersteller mit der Hysterie ein
gutes Geschäft machen, aber ansonsten gilt es, die Kirche im Dorf zu
lassen. Bleibt noch der mögliche volkswirtschaftliche Schaden, der
durch die Schweinegrippe ausgelöst werden könnte. Dieser könnte laut
Experten im Extremfall allein in Österreich in die Milliarden gehen.
Aber auch hier muss man die Relationen sehen. Schon eine nor male
Grippewelle sorgt im Tourismus und in der Gastronomie für starke
Einbußen.
Was also bleibt, ist eine virtuelle Aufregung, die sich genauso
wieder legen wird wie die Angst vor der Vogelgrippe. Der heimischen
Politik muss an dieser Stelle noch ein Kompliment gemacht werden. Sie
hat bisher ruhig und sachlich reagiert und sich von der
Boulevard-Panik nicht treiben lassen. Warten wir also gespannt auf
die nächste Warnung. Demnächst steht ja der Krampus vor der Tür.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Tel.: Redaktionstel.: (01) 60 117/305
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