- 05.11.2009, 19:49:59
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Das derzeitige Uni-System ist ungerecht und nicht effizient" (von Ernst Sittinger)
Ausgabe vom 06.11.2009
Graz (OTS) - Vielleicht stellen sich die protestierenden
Studenten den Uni-Betrieb so vor: "Tausende Forscher präsentieren
ihre besten Experimente - live und kostenlos." So steht es im
Werbeprospekt für die Lange Nacht der Forschung. Die findet morgen
Abend an Hochschulstandorten im ganzen Land statt und soll Lust auf
wissenschaftliches Arbeiten machen.
Was das mit den Studentenprotesten zu tun hat, liegt auf der Hand:
Unsere Gesellschaft ist darauf angewiesen, das Potenzial ihrer
klügsten Köpfe zu nützen. Nicht die rauchenden Schlote, sondern die
rauchenden Köpfe sichern unseren Wohlstand von morgen. Deshalb müssen
wir alles tun, um beste Bedingungen für Lehre und Forschung zu
garantieren.
Bis hierher dürfte Konsens herrschen. Der Stellenwert der Bildung
wird von keiner Seite ernsthaft in Frage gestellt. Deshalb kann man
auch jedem Hochschüler, der "bessere Studienbedingungen" verlangt,
freudig zustimmen. Das Problem ist nur, dass es völlig
unterschiedliche Vorstellungen darüber gibt, was "gute" Bedingungen
für die Universitäten sind.
Das Gros der protestierenden Studenten wünscht sich Studienfreiheit
zum Nulltarif - es soll also jeder alles studieren können und die
besten Lehrmittel zur Verfügung haben. Das mag aus der individuellen
Biografie des Einzelnen verständlich sein. Volkswirtschaftlich ist es
aber das teuerste, ungerechteste und am wenigsten effiziente System.
Wer das nicht glaubt, braucht sich nur aktuell die Zustände an den
Universitäten ansehen. Die besondere Tragik der Proteste besteht ja
darin, dass man gegen die (tatsächlich untragbaren) Folgen des freien
Uni-Zugangs protestiert, an diesem freien Zugang aber festhält. Man
will also die Ursache behalten, aber deren Wirkung loswerden.
Bei der aktuellen Staatsverschuldung müsste jedem Hochschüler klar
sein, dass er sein Studium sowieso selbst bezahlt - entweder heute
mit Gebühren oder morgen mit einer noch höheren Steuerlast. Doch im
Kern geht es nicht ums Geld, sondern um die Lenkung der gewaltigen
Studentenströme. Der Staat braucht dringend ein Gesamtkonzept, das
für jedes Fach eine vernünftige Größenordnung an Hörern festlegt.
Die Unis wiederum brauchen Möglichkeiten, frühzeitig die Eignung
ihrer Hörer zu testen. Das ist unbequem und kann im Einzelfall
ungerecht sein. Aber noch ungerechter ist der status quo: Wer einen
Platz im Hörsaal ergattert, hat Glück. Und wer die Aufnahmeprüfung an
der Fachhochschule nicht schafft, geht an die Universität
studieren.****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
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