Wien (OTS) - Lokalaugenschein dieser Tage am Rande eines
England-Besuchs in Cambridge. Tausende Studenten aus aller Herren
Länder prägen den malerischen Ort, es herrscht eine geschäftig
konzentrierte, aber akademisch entspannte Atmosphäre.
Wer es hierher schafft, hat eine Riesenhürde bereits hinter sich:
Ein makelloses Abschlusszeugnis und eine gelungene schriftliche und
mündliche Selbstdarstellung, warum man reif für eine der besten
Universitäten der Welt ist. Eine klassische Zugangshürde, die seit
Jahrzehnten dazu beiträgt, dass Cambridge sein hohes Niveau trotz
harter Konkurrenz erfolgreich verteidigt. Wie im ganzen
angelsächsischen Raum ist eine jährliche Uni-Gebühr fällig, die - je
nach College - ein Mehrfaches der heimischen Studiengebühren
ausmacht.
Dafür haben die Studierenden paradiesische Arbeitsbedingungen, von
denen österreichische Studiosi nur träumen können: Maximal zwölf
Studenten pro Kurs; einen Professor als persönlichen Betreuer, der
einmal die Woche die Arbeitsfortschritte durchgeht. Wer es in
Großbritannien nicht nach Cambridge oder Oxford schafft, sucht sich
eine Uni mit niedrigeren Anforderungsbedingungen, aber ähnlichem
Ausbildungskomfort.
Die angelsächsische Uni-Welt ist das totale Kontrastprogramm zum
heimischen Uni-Alltag, gegen den die Studenten jetzt zu Recht den
Aufstand proben. Dort gibt es kein Gerangel um einen freien Platz auf
dem Boden im Audimax und sinnlose Massenvorlesungen vor 3000
Mitstudenten.
Die beiden Eckpfeiler für das hohe Niveau und die komfortabel
ausgestatteten Studienplätze heißen Zugangshürden und
Studiengebühren.
Bei den Zugangshürden hat zur Überraschung seiner eigenen Partei
Werner Faymann eine Kehrtwendung vollzogen. Auch an der Abkehr vom
gebetsmühlenartigen Nein zu Studiengebühren wird auf Dauer kein Weg
vorbeiführen - sofern sich der Kanzler nicht Jahr für Jahr mit dem
Bettlerhut bei den Regierungskollegen um eine Millionenspende für die
Unis anstellen will.
Modelle, damit Studiengebühren nicht zu einer neuen sozialen Hürde
werden, sind längst erfunden. Selbst nach Cambridge schaffen es auch
Studenten aus einfachen Verhältnissen, wenn der außerordentliche
Notendurchschnitt passt. Die hohe Studiengebühr wird mittels
Stipendium erlassen, für die Lebenshaltungskosten gibt es einen
Kredit.
Österreichs Unis benötigen, da hat der Kanzler recht, als erstes
Notpflaster unbestritten mehr Geld. Was es danach aber dringend
braucht, ist ein nachhaltiger Systemumbau. Denn das Festhalten an der
Massenuni, in der alle das gleiche Recht auf eine immer gleich
schlechter werdende Bildungsleistung haben, erzeugt jenen Frust, der
sich dieser Tage an unseren Unis massenhaft entlädt. Es wird am Ende
kein österreichisches Cambridge herauskommen können. Aber etwas mehr
akademische Kultur nach angelsächsischem Vorbild haben sich die
Studierenden dringend verdient.
Rückfragehinweis:
KURIER, Innenpolitik
Tel.: (01) 52 100/2649
innenpolitik@kurier.at
www.kurier.at
*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER
INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***
OTS0283 2009-11-03/16:05
031605 Nov 09
PKU0001 0413