• 02.11.2009, 14:56:54
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Gedenkveranstaltung für Carsten Peter Thiede in Wien

Der Papyrologe, Historiker und anglikanische Priester war durch sein Eintreten für die Frühdatierung des Neuen Testaments weltweit bekanntgeworden - Kardinal Schönborn hält Predigt in der anglikanischen "Christ Church", erstmals anglikanische Vesper im Stephansdoms

Wien, 02.11.2009 (KAP) Für den vor fünf Jahren verstorbenen
deutschen Papyrologen und Historiker Carsten Peter Thiede findet am
4./5. November in Wien eine große Gedenkveranstaltung statt. Thiede,
ein aus Deutschland stammender anglikanischer Priester, löste in der
Fachwelt, aber auch im interessierten Publikum durch seine
Forschungen über eine Frühdatierung insbesondere des
Matthäus-Evangeliums großes Aufsehen aus. Kardinal Christoph
Schönborn war mit Thiede sehr verbunden. Er wird am Mittwoch, 4.
November, beim "Choral Evensong" (anglikanische Vesper) um 17.30 Uhr
in der anglikanischen "Christ Church" in der Jauresgasse die Predigt
halten. Zum Abschluss der Gedenkveranstaltung wird am 5. November um
17 Uhr erstmals im Stephansdom eine anglikanische Vesper stattfinden.

Ort der Vorlesungen der Gedenkveranstaltung am 5. November ist der
Stephanisaal im Curhaus (1010 Wien, Stephansplatz 3). Kardinal
Schönborn wird um 9 Uhr die Einführung halten, die Referenten sind
der Papyrologe Hans Förster ("Carsten Peter Thiede als Forscher und
Papyrologe"), der für Kontinentaleuropa zuständige anglikanische
Bischof von Gibraltar, Geoffrey Rowell ("Die 'Essays on Miracles'
von John Henry Newman im kritischen Kontext"), die methodistische
Theologin Margaret Barker ("Tempeltheologie") und der anglikanische
Bischof von Durham und herausragende Neutestamentler Tom Wright
("Die historische Verlässlichkeit des Neuen Testaments"). Bischof
Wright sagt unumwunden: "Die biblischen und die historischen
Arbeiten von Carsten Peter Thiede haben einen entscheidenden Beitrag
geleistet, das Vertrauen in die historische Verlässlichkeit des
Neuen Testaments neu zu untermauern. Das daraus resultierende
Vertrauen in die Texte sollte die Kirche für ihren Missionsauftrag
in einer konfusen Welt animieren. Historische Verlässlichkeit
bedeutet nicht, dass die Kirche sich jetzt zurücklehnen und weiter
machen kann wie bisher".

Carsten Peter Thiede wurde am 8. August 1952 in Berlin geboren; er
starb nach einem Herzinfarkt am 14. Dezember 2004 in Paderborn. Er
lehrte zuletzt als Professor für Umwelt- und Zeitgeschichte des
Neuen Testaments an der Staatsunabhängigen Theologischen Hochschule
(STH) in Basel und hatte einen Lehrauftrag an der
Ben-Gurion-Universität des Negev in Beer-Sheva.

In Westberlin als Sohn eines Beamten aufgewachsen, studierte Thiede
Vergleichende Literaturwissenschaften und Geschichte. 1976 ging er
nach Oxford, wo er anfing, sich für neutestamentliche Papyri zu
interessieren. Dort trat er auch der anglikanischen Kirche bei.

Ab 1978 lehrte er in Genf Literatur, behielt jedoch enge
Verbindungen zu Oxford und England, wo er 1982 auch heiratete. Nach
seiner Heirat lebte er in London. Anfang der neunziger Jahre zog er
nach Paderborn, wo er in der Forschung arbeitete und bei den
britischen Truppen als Laienseelsorger und später als erster
deutscher Militärkaplan der britischen Armee tätig war. In dieser
Zeit wurden auch seine drei Kinder Miriam, Emily und Frederick
geboren.

Zu Weihnachten 1994 wurde Thiede einer breiten Öffentlichkeit
bekannt, als die "Times" auf der Titelseite das Resultat eines
Artikels aus seiner Feder veröffentlichte, den er zuvor in der
Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik publiziert hatte: Thiede
hatte Papyrusfragmente des Matthäusevangeliums, die 1901 in
Oberägypten entdeckt wurden und im "Magdalen College" in Oxford
aufbewahrt werden, aus paläographischen Gründen auf die sechziger
Jahre des 1. Jahrhunderts datiert. Diese Neudatierung des
sogenannten Papyrus 64, den die frühere Forschung auf 200 n.Chr.
angesetzt hatte, wird von einigen Paläographen und Papyrologen
kritisiert. Ähnliches gilt für eine frühere Veröffentlichung Thiedes
zu den Textfunden von Qumran, in der er argumentierte, eines der
kleinen Papyrus-Fragmente aus der Höhle 7 von Qumran enthalte
Textpassagen des Markus-Evangeliums.

(ende)
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