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"Die Presse am Sonntag"-Leitartikel: Besetzt doch endlich alle Universitäten! von RAINER NOWAK
"Die Presse am Sonntag"-Ausgabe vom 1.11.2009
Wien (OTS) - Die Besetzer des Audimax schenken uns endlich wieder
die perfekte Erregung. Ihre realistischeren Kollegen der anderen Unis
sollten sich dem Protest schnell anschließen - mit eigenen
Forderungen?
Was ist schlimmer? Wenn man als demonstrierender Student von "Krone"
und Freunden als marxistischer Chaot mit kriminellem Potenzial
beschimpft wird, oder wenn einen Peter Pilz besucht und das
gemeinsame Foto (mit StudentInnen) in einer Zeitung erscheint? In der
"Krone". Die Wahl fällt schwer.
Beide Seiten müssen den Demonstranten dankbar sein. Endlich gibt es
ein Thema, bei dem keiner sinnlos differenzieren muss, sondern sogar
in einem Rausch, wie ihn das Audimax noch nicht erlebt hat, weiß, wo
er zu stehen hat. Die Schlachtrösser linker Proteste, deren Namen
jeder "Falter"-Leser gebetsartig flüstern kann, waren schon alle bei
den Besetzern. Solidarisch natürlich.
Und die Bürgerlichen von nah - also etwa vom Juridicum - und fern -
wie den anarchistenfreien Landeshauptstädten - geraten fast in
kriegerische Erregung, wenn es um die Kosten für Schmierereien und
zerbrochene Scheiben an der Uni geht. Oder um deren entgangene
Mieteinkünfte. Dabei hat die Besetzung des Auditorium Maximum mehr
mit Wissenschaft zu tun als die Kabarettprogramme und
Osterinsel-Diavorträge, die dort sonst abends veranstaltet werden.
(Was das gute Recht einer unterfinanzierten Uni ist.)
Selbstverständlich sind die meisten Ziele des Audimax-Blocks nicht
undämlich. Neben der Forderung nach Umverteilung und einem Ende jedes
Leistungsdenkens fehlt nur die Einführung des Weltfriedens auf ihrer
Charta.
Aber die Studenten haben absolut recht: Ihre Studienbedingungen sind
katastrophal und eine Schande für ein Land, in dem jeder
Lokalpolitiker den Wert der Forschung beschwört. Dagegen zu
demonstrieren ist ihr gutes Recht. Zumal dieselben Kritiker, die die
Uni-Besetzung als Vorboten eines Kommunistenputsches sehen, die
Studenten gern wegen ihrer politischen Feigheit höhnen. Nein, die
Basis-Spaß-Fraktion aus dem Audimax macht wenigstens etwas. Die
Tatsache, dass sie gegen die Studiengebühren, die ihre universitäre
Situation verbessern und die Besserverdiener (und deren Kinder)
treffen würden, demonstrieren, ist schwer zu begreifen. Die SP-Spitze
brauchte eine Woche, bis sie aufgab; die Gebührenabschaffer stellten
sich dann hinter die Demonstranten. Das ähnelt jenen Deutschen, die
vor dem Numerus clausus geflohen sind und nun gegen
Studienbedingungen demonstrieren, die sie mit ihrer eigenen
Inskription verschlimmern.
Warum nehmen sich nicht andere ein Beispiel an den Audimax-Besetzern?
Die habituell reifen Funktionäre der Jungen Volkspartei könnten ihrem
Seniorenchef die Meinung sagen. Die Hochschülerschaft der
Wirtschaftsuniversität könnte ihre Mensa besetzen und für
Steuersenkung Stimmung machen. Die Juristen könnten sich in ihren
Hörsälen gegen den Bruch des Generationenvertrags versammeln. Muss ja
nicht gleich eine Demo sein. Warum überlassen alle die Bühne ihren
linken Kollegen?
Und nur nebenbei: Wenn der überforderte Rektor der Uni wirklich etwas
gegen die Besetzer, die so viel Geld kosten, unternehmen wollte:
Einfach das Wlan abdrehen! Von Heizung und Strom nicht zu reden.
Rückfragehinweis:
Die Presse
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