• 30.10.2009, 12:39:03
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Militärseelsorge thematisiert Tod von Soldaten im Einsatz

Europäische Militärseelsorger aus elf Ländern waren auf Einladung des "Instituts für Religion und Frieden" in Wien

Wien, 30.10.2009 (KAP) Die steigende Zahl von Soldaten, die bei
Auslandseinsätzen getötet werden oder verletzt und traumatisiert in
ihre Heimatländer zurückkehren, wird zunehmend zu einer
Herausforderung für die Streitkräfte europäischer Länder.
Militärseelsorger aus elf Staaten befassten sich nun bei einer
Enquete in der Wiener Landesverteidigungsakademie umfassend mit
dieser Entwicklung und der Rolle von Religion in der Begleitung
traumatisierter Soldaten und ihrer Angehörigen.

Unter dem Titel "Nie allein gelassen. Verwundung - Trauma - Tod im
Einsatz" berichteten Heeresärzte, Psychologen sowie Notfall- und
Militärseelsorger auf Einladung des von Bischofsvikar Msgr. Werner
Freistetter geleiteten kirchlichen "Instituts für Religion und
Frieden" von ihren Erfahrungen. Aufmerksame Zuhörer waren u.a. der
österreichische Militärbischof Christian Werner, der Vorsitzende der
Schweizer Bischofskonferenz, Bischof Norbert Brunner (Sion), der
französische Militärbischof Patrick Le Gal sowie zahlreiche
hochrangige Armee-Offiziere, darunter auch der österreichischen
Brigadier Rene Segur-Cabanac.

Der italienische Militärseelsorger Giuseppe Chizzali, der die
Carabinieri in Afghanistan pastoral betreut, berichtete von den
Möglichkeiten der Militärseelsorger, Soldaten auch spirituell und
ethisch auf die zu erwartenden Situationen im Einsatz vorzubereiten.
Während des Einsatzes selbst gehe es nicht um "große theologische
Gespräche", betonte Chizzali. Wichtig sei es, für Soldaten, die ein
persönliches Gespräch suchen, als Ansprechpartner verfügbar zu sein.
Besonders gefordert sei der Militärseelsorger zum Beispiel dann,
wenn Soldaten das Gefühl haben, dass sie einen Kameraden besser
beschützen hätten können oder müssen, so Chizzali.

Militärseelsorger müssten im Einsatz soweit wie möglich das Risiko
der ihnen anvertrauten Soldaten teilen, stellte Benoist Galvan fest.
Gleichzeitig sollten sie als gläubige und betende Soldaten
wahrnehmbar sein, sagte der französische Seelsorger, der einem
Bataillon Gebirgsjäger zugeordnet ist. Er verwies auf die große
Bedeutung angemessener Riten wie der Totenwache, wenn ein Soldat ums
Leben komme. Nach solchen tragischen Ereignissen gelte es, die
Erinnerung an den Verstorbenen zu bewahren sowie der Truppe
beizustehen, sie zu begleiten und wenn nötig zu trösten.

Religion ist wertvolle Hilfe

Erich Hitz, Notfallseelsorger und Militärpfarrer an der
Militärpfarre 1 beim Militärkommando Niederösterreich, sprach bei
der Enquete über das Verhältnis von Glaube und Trauma. Die
Bewältigung schwerer Traumatisierungen habe nicht nur körperliche
und psychische, sondern auch eine geistig-spirituelle Dimension, so
Hitz.

Religion könne bei der Begleitung traumatisierter Menschen eine
wertvolle Hilfe sein, sagte der Militärpfarrer. Zwar bleibe die
Frage nach dem Sinn des Leidens auch in christlicher Perspektive
letztlich ungelöst; Seelsorger könnten Soldaten aus dem Glauben
heraus aber das Gefühl menschlicher Nähe und Solidarität vermitteln.
Religion helfe den Traumatisierten, wieder Vertrauen aufzubauen und
es sei möglich, über das Leid hinausgehende Sinndimensionen des
Lebens zu eröffnen.

Der Leiter der Psychologischen Ambulanz des Wiener Heeresspitals,
Michael Mikas, sprach bei der Enquete über die psychologischen
Aspekte des Überbringens von Todesnachrichten. Zentral in dieser
Extremsituation sei, dass der Überbringer einer Todesnachricht im
Anschluss bei den Angehörigen bleibt, so Miklas. Der Betreuer dürfe
nicht bagatellisieren oder falsche Hoffnungen machen, sondern müsse
diese schwierigste Phase zusammen mit den Angehörigen durchstehen
und dabei auch die oft auftretenden Aggressionen und folgenden
Depressionen der Angehörigen aushalten.

Auch Helfer brauchen Hilfe

Die Psychologin Elisabeth Schneider vom Psychologischen Dienst der
Sicherheitsakademie des Innenministeriums erinnerte daran, dass auch
Einsatzkräfte, die verletzen Soldaten zu Hilfe kommen, Unterstützung
in der Bewältigung des Erlebten brauchen. Übliche Schutzmechanismen
wie Rationalisierungen oder "schwarzer Humor" versagten oftmals,
wenn Kinder oder Kollegen unter den Betroffenen sind, sagte
Elisabeth Schneider.

(ende)
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