• 30.10.2009, 11:53:35
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Denkstatt fordert -40% Treibhausgase bis 2020

9 Mrd Tonnen CO2 an heißer Luft könnten den Post-Kyoto Klimaschutz gefährden

Wien/Brüssel (OTS) - Anlässlich der Verhandlungen der Europäischen
Regierungschefs zur Festlegung der europäischen Position für die
Klimaschutzverhandlungen in Kopenhagen fordert das
Beratungsunternehmen denkstatt ein höheres Klimaschutzziel als bisher
von der EU angeboten. Bis zum Jahr 2020 sollten die Industrieländer
inklusive der EU ihre Treibhausgasemissionen
um mindestens 40% reduzieren. "Der bisherige Hauptgrund für nur minus
30% Prozent waren die angeblich hohen Kosten für die Erreichung
dieses Zieles" betont denkstatt Klimaexperte Erwin Mayer. Eine
aktuelle Untersuchung von Point Carbon zeigt aber, dass über 9
Milliarden Tonnen CO2 an "heißer Luft" in der Kyoto-Periode übrig
bleiben und im Falle des erlaubten Ansparens ("banking") für die
Folgeperioden höhere Klimaschutzziele leichter und kostengünstiger
erreichen lassen. Sog. "Heiße Luft" ist in den osteuropäischen
Staaten nach dem Zusammenbruch der Planwirtschaften entstanden.
CO2-intensive Betriebe wurden geschlossen, ohne weitere Investitionen
in den Klimaschutz wurden so die bereits zugeteilten
Emissionsrechte zum Verkauf frei. "Entweder werden die bis 2012 nicht
verbrauchten staatlichen Emissionsrechte der osteuropäischen Staaten
wie z.B. von Russland, Ukraine und Tschechien gestrichen und ein
Reduktionsziel von -35% vereinbart, oder das Ansparen der
Emissionsrechte für die Post-Kyoto Periode bleibt erlaubt und es
werden -40% für alle Industriestaaten vereinbart", rechnet Mayer vor.
Bei einem Klimaziel-Angebot der EURegierungschefs unter diesen
Vorgaben wird das EU- und G20-Ziel einer maximalen Erwärmung von
2GradC nicht zu erreichen sein.

Der Hintergrund dieser denkstatt-Forderungen sind neueste
wissenschaftliche Berechnungen des Weltklimarates, dass selbst eine
CO2-Konzentration in der Atmosphäre von unter 450 ppm eine geringe
Wahrscheinlichkeit bietet, bei einer Erwärmung von unter 2GradC zu
bleiben. Deswegen sollte laut dem IPCC der obere Rand der noch im AR
4 (4. Sachstandsbericht 2007) geforderten Bandbreite von -25 bis -40%
Treibhausgase bis 2020 als Ziel in Kopenhagen definiert werden.

Dazu kommt, dass sich der Umgang mit AAUs (Asigned Amount Units),
den bisher gratis vergebenen Emissionsrechten für Staaten des
Kyoto-Protokolls, als einer der größten Stolpersteine auf dem
Verhandlungsweg nach Kopenhagen darstellt. Sie können entweder
Klimaschutzziele verwässern oder auch zum Ausstieg der
osteuropäischen Länder aus dem Klimaschutz führen. Zwei aktuelle
Untersuchungen, von Point Carbon aber auch von der britischen
Emissionshandel-NGO sandbag, sowie von Ecofys im Auftrag der
deutschen Bundesregierung zeigen, dass ohne spürbare
Kostenbelastungen für die europäische Wirtschaft die Klimaschutzziele
für Europa und auch für den EU-ETS Sektor deutlich ambitionierter
ausfallen können. Mayer setzt auf einen Gesinnungswandel bei Kanzler
Faymann und Umweltminister Berlakovich: "Angesichts dieser neuen
Zahlen wäre es umso erfreulicher, wenn sich Österreich mit einer
eigenständigen Position von -40% Treibhausgase bis 2020 für
Kopenhagen als Vorreiter im europäischen Klimaschutz profiliert".

Rückfragehinweis:
Mag. Erwin Mayer, Klimaexperte denkstatt GmbH
mobil: 0664 - 270 04 41
mail: [email protected]

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