- 29.10.2009, 15:33:59
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Gedenken an Provikar Carl Lampert
Veranstaltungen in Vorarlberg, Oberösterreich und Polen erinnern an den Vorarlberger Bischof-Stellvertreter, der vor 65 Jahren von den Nationalsozialisten ermordet wurde
Feldkirch-Stettin, 29.10.2009 (KAP) Mit Gedenkveranstaltungen in
Oberösterreich, Vorarlberg und Polen erinnert die katholische Kirche
in den kommenden Wochen an Provikar Carl Lampert. Der Provikar war
für die kirchliche Verwaltung Vorarlbergs verantwortlich; er wurde
am 13. November 1944 in Halle an der Saale mit zwei weiteren
Mitgliedern des sogenannten "Stettiner Priesterkreises" von den
NS-Henkern getötet. Lampert ist der ranghöchste Priester, der im
sogenannten "Großdeutschen Reich" ermordet wurde.
Mit einer Lesung aus den eindrucksvollen Briefen, die Lampert in der
Haft geschrieben hatte, wird am 8. November ab 16 Uhr in der
Pfarrkirche Ohlsdorf in Oberösterreich des Märtyrers gedacht. Der
junge Komponist Florian Zaunmayr hat zu den Briefen und Gedichten
unter dem Motto "Die Liebe aber stirbt nie" Musik komponiert, die
junge Ohlsdorfer Musiker unter der Leitung von Klaus Pesendorfer
vortragen werden. Der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer feiert zum
Abschluss der Gedenkveranstaltung - die von der
Jägerstätter-Biografin Erna Putz organisiert wird -einen
Gottesdienst in der Ohlsdorfer Kirche.
Das Katholische Bildungswerk Vorarlberg lädt in Erinnerung an
Lampert wieder zur "Carl-Lampert-Gedenkwoche". Sie steht heuer im
Zeichen der Auseinandersetzung mit den familiären Formen der
Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus. Eckpunkte sind
familienbiografische Gespräche mit Angehörigen von NS-Opfern im
Bregenzer Gymnasium Gallusstraße am 9. November um 19 Uhr und die 6.
Provikar-Lampert-Akademie unter dem Titel "Die Last der Erinnerung.
Nationalsozialismus im Familiengedächtnis" am 14. November von 10
bis 13 Uhr in Hittisau.
Am 13. November findet in der Pfarrkirche Dornbirn St. Martin ein
Gedenkgottesdienst zum 65. Todestag von Provikar Lampert statt. Am
10. November wird in einer Gedenkveranstaltung in der Pfarrkirche
Feldkirch-Tisis an P. Alois Grimm SJ erinnert. Der Jugendseelsorger
und Lehrer in Feldkirch erlitt ein ähnliches Schicksal wie Carl
Lampert. Er wurde von der Gestapo wegen "Wehrkraftzersetzung"
verhaftet und im September 1944 in Brandenburg zum Schafott geführt.
"Gefährlichster Mann im Klerus"
Carl Lampert wurde 1894 in Göfis geboren und 1918 zum Priester
geweiht. Nach einigen Jahren als Kaplan in Dornbirn und
Studienjahren in Rom wurde Lampert von Bischof Paulus Rusch zum
Provikar (Bischof-Stellvertreter) der damaligen Apostolischen
Administratur Innsbruck-Feldkirch ernannt. Mit der Machtergreifung
der Nationalsozialisten sah sich auch die katholische Kirche in
Tirol und Vorarlberg repressiven Maßnahmen ausgesetzt. Der
offensichtlich geistesgestörte NS-"Gauleiter" Franz Hofer wollte
Tirol als ersten "klösterfreien Gau" errichten.
Als "gefährlichster Mann innerhalb des Klerus" wurde Lampert dreimal
verhaftet und 1940 für Monate im KZ Dachau inhaftiert. Nach der
Entlassung folgten Bespitzelung und Beschattung. Lampert wurde
"gauverwiesen" und nach Stettin verbannt. Durch einen
Gestapo-Spitzel wurde er in eine angebliche "Spionage-Affäre"
verwickelt und gemeinsam mit den Mitgliedern des "Stettiner
Priesterkreises" im Februar 1943 verhaftet.
Am 13. November 1944 wurde der Provikar in Halle an der Saale
gemeinsam mit dem Kaplan Herbert Simoneit und dem Oblatenpater
Friedrich Lorenz enthauptet. Zeitgleich wurden weitere drei
Zivilisten und fünf Soldaten hingerichtet.
Im polnischen Szczecin (Stettin) erinnern Erzbischof Andrzej Dziega
und der Berliner Kardinal Georg Sterzinsky am 13. November um 18 Uhr
bei einem Gedenkgottesdienst in der Propsteikirche St. Johannes der
Täufer an die Opfer des "Falls Stettin".
(ende)
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