- 24.10.2009, 14:41:56
- /
- OTS0040 OTW0040
"Anliegen der Pfarrgemeinden weltweit stärker in den Blick nehmen"
Kardinal Schönborn zog Bilanz der 1. Wiener Diözesanversammlung im Rahmen des Vorgangs "Apostelgeschichte 2010" - Festlicher Sendungsgottesdienst zum Abschluss der Diözesanversammlung
Wien, 24.10.2009 (KAP) Kardinal Christoph Schönborn plädiert dafür,
die Bedeutung der Pfarrgemeinden weltweit stärker in den Blick zu
nehmen. Bei der 1. Wiener Diözesanversammlung im Rahmen des Vorgangs
"Apostelgeschichte 2010" seien zahlreiche Sorgen und Anliegen im
Blick auf die Pfarrgemeinden zum Ausdruck gebracht worden, hielt der
Kardinal am Samstagvormittag vor den Delegierten im Wiener
Stephansdom fest. Er werde verstärkt mit Bischöfen der Weltkirche
das Gespräch über diese Themen und den Austausch über die Anliegen
und Erfahrungen der Pfarrgemeinden suchen.
In Richtung der Delegierten sagte Schönborn: "Ich kann nicht
Reformen versprechen, die viele sich wünschen, die aber nicht in
meiner Hand liegen". Es sei aber ein berechtigter Wunsch, "dass es
über diese Anliegen einen verstärkten Austausch gibt".
Bei der Diözesanversammlung waren im Blick auf die Zukunft der
Pfarren die Zugangsbedingungen zum Priestertum, die Frage der "viri
probati" (der Priesterweihe für bewährte verheiratete Männer) oder
der neuen Leitungsmodelle für Pfarrgemeinden mehrfach thematisiert
worden.
In seiner ersten Bilanz der Delegiertenversammlung sagte Schönborn,
er nehme es für sich als Auftrag mit, noch bewusster auf das zu
schauen, was in der Kirche "Schmerz oder Leidensdruck" verursache,
aber auch auf das, was an Neuem wachse. Die Versammlung habe
deutlich gemacht, "wie viel in unserer Diözese von so vielen
getragen und gelebt wird". Bewusstes Augenmerk sollten die Gläubigen
in der Erzdiözese Wien auf die Sorge um die wachsende Zahl an
Notleidenden legen, betonte der Kardinal und dankte für alles, was
schon jetzt an vielfältiger karitativer Hilfe durch die Pfarren
geleistet wird.
Als besonderes Anliegen nannte der Wiener Erzbischof, dass die
Gotteshäuser "offengehalten werden" und die Pfarren gastfreundlich
sind. Menschen, die neu in eine Pfarre kommen oder sich für die
Kirche interessieren, dürften nicht das Gefühl haben, "allein zu
bleiben". Jede Pfarre sollte daher eine Art "Welcome-Service" haben.
Die Versammlung habe ihm auch gezeigt, dass es notwendig ist,
"bewusster von Angesicht zu Angesicht über den Glauben zu sprechen",
auch mit den Menschen in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und
Kultur. Und er wolle Jugendliche "noch mehr und direkter darauf
ansprechen, ob sie nicht einen geistlichen Beruf ergreifen wollen",
so Schönborn.
Erneut stellte der Kardinal klar, dass es in der Erzdiözese Wien
keine Auflösung von Pfarren und keine Schließung von Kirchen geben
wird. Es werde aber überlegt, Gotteshäuser anderssprachigen
katholischen Gemeinden oder auch orthodoxen Gemeinden zu überlassen
oder sie mit ihnen zu teilen. "Es geht nicht um schließen, sondern
um teilen", hob der Wiener Erzbischof hervor.
Generell plädierte Schönborn dafür, die anderssprachigen Katholiken
im Bereich der Erzdiözese stärker in den Blick zu nehmen. Unter
ihnen fänden sich viele Jugendliche, die bereits in Österreich
geboren und aufgewachsen sind und auch die österreichische
Staatsbürgerschaft besitzen. "Sie sind unsere Mitkatholiken",
dennoch seien sie noch zu wenig im Bewusstsein der Kirche von Wien
verankert, stellte der Kardinal fest.
"Atmosphäre des Aufeinanderhörens"
Der Wiener Erzbischof dankte den Delegierten für die "Atmosphäre der
Geschwisterlichkeit und des Aufeinanderhörens", die die Versammlung
geprägt habe. Auf diese Weise sei in Offenheit ein gemeinsamer Weg
in die Zukunft möglich. Ausdrücklich dankte Schönborn auch den
Kirchenbeitragszahlern, die vieles, was die Kirche tut, durch ihre
Beitragsleistung ermöglichen.
Die drei territorialen Bischofsvikare der Erzdiözese Wien - Prälat
Karl Rühringer, P. Amadeus Hörschläger und Prälat Matthias Roch -
kündigten an, den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen den
Pfarren ausbauen zu wollen. Das Bemühen um Offenheit und
Gastfreundschaft müsse verstärkt werden. Auch gelte es, die Freude
des Glaubens besser zu zeigen. "Wir verkünden die Frohe Botschaft
und nicht das Kirchenrecht", betonte P. Hörschläger.
In den Wortmeldungen einzelner Delegierter fanden sich u.a.
Forderungen nach gezielteren Angeboten für Jugendliche, nach
stärkerem Zugehen auf Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, nach
mehr Engagement für das Gespräch mit Ausgetretenen sowie nach
Einbeziehung von Flüchtlingen und Migranten.
Den Abschluss der ersten der insgesamt drei vorgesehenen
Diözesanversammlungen bildete ein festlicher Sendungsgottesdienst im
Stephansdom. P. Johannes Lechner betonte in seiner Predigt, nicht
Konflikte zwischen "Konservativen" und "Liberalen" seien das Problem
in der Kirche. Zum einen seien "liberal" und "konservativ" keine
biblischen Kategorien. "Liberale" wollten, "dass etwas weitergeht",
und "Konservative" wollten das Wertvolle aus der Tradition bewahren.
Probleme verursachten jene, die "aggressiv" auftreten, und jene, die
sich nur "lau" und halbherzig für ihren Glauben einsetzen.
Am Ende des Gottesdienstes überreichte Kardinal Schönborn drei
modern gestaltete gläserne Monstranzen an die drei Bischofsvikare.
Die Monstranzen werden durch die Pfarrgemeinden "pilgern". Gestaltet
wurden die Monstranzen vom niederösterreichischen Künstler Heinz
Ebner, der auch schon für jene Monstranz verantwortlich zeichnete,
die am ersten Tag des Papstbesuchs 2007 bei der Eucharistischen
Anbetung in der Kirche am Hof zum Einsatz gekommen war.
Von Ebner stammten auch Kelch und Patenen, die am Samstag beim
Sendungsgottesdienst von Kardinal Schönborn verwendet wurden. Die
Bibel, mit der Kardinal Schönborn zur Eröffnung der
Diözesanversammlung am Donnerstagnachmittag in den Stephansdom
eingezogen war, ist von einem gläsernen Einband umhüllt, der
ebenfalls von Ebner gestaltet wurde.
(forts. mgl.)
nnnn
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | KAT






