OTS0265 / 23.10.2009 / 18:40 / Channel: Politik / Aussender: Kleine Zeitung
Stichworte: Innenpolitik / Pressestimmen / Vorausmeldung


"Kleine Zeitung" Kommentar: "Von Säugling und Saibling: Die Elternschulpflicht muss her" (Von Frido Hütter)

Utl.: Ausgabe vom 24.10.2009 =


   Graz (OTS) -    In den letzten Tagen war wieder viel von Schule
die Rede. Viele Lehrer wünschen sich, unbotmäßiges Verhalten im
schlimmsten Fall sanktionieren zu dürfen. Die Schüler wünschen sich
das naturgemäß weniger. Aus Eltern-Kreisen wiederum drang die
Forderung, auch lasche Lehrer in irgendeiner Form abstrafen zu
können.
Merken Sie es schon? Da wird nach allen Seiten gefordert, mit einer
Ausnahme: Die Eltern blieben bisher weitgehend freigestellt. Das muss
sich ändern.
Die Rede ist hier nicht von jenen Eltern, die ihre Kinder durchs
schulische Leben begleiten, die Kontakt mit den Lehrern pflegen und
sich im Schulforum nützlich machen. An sie sind die folgenden Zeilen
definitiv nicht gerichtet.
Gemeint sind all jene, die mit ihren Kindern auch die Verantwortung
für diese in der Schule abgeben, die trotz Aufforderungen zu keinem
Lehrergespräch zu bewegen sind. Eltern, die die Schule für eine
pädagogische Reparaturanstalt der von ihnen verschuldeten Defekte
halten. Laut Auskunft von Pädagogen sind das gar nicht so wenige und
zumeist just jene, deren bis dato wenig erzogene Kinder in der Schule
die größten Anpassungsschwierigkeiten haben. Und kein Lehrer hat die
Möglichkeit, eine Kooperation zu erzwingen.
Kurze Abschweifung: Wenn Sie hierzulande fischen wollen, müssen Sie
sich erst einer behördlichen Prüfung stellen. Sie lernen eine Menge
über Tierschutz, Wasserrecht, artgerechte Behandlung der Fische etc.
Erst nach erfolgreich abgelegtem Examen erhalten Sie die
Berechtigung, mit einer Angel an den Bach zu treten.
Hat schon irgendjemand etwas von einer verpflichtenden Kurzausbildung
für werdende Eltern gehört? Von so einer, die darauf schließen lässt,
dass dem Staat neben dem Saibling auch der Säugling schutzwürdig
erscheint? Sicher nicht.
Eltern sind Amateure, die oft mit gutem Willen, aber wenig Wissen
agieren. In öffentliche Obhut geraten sie erst, wenn es zu spät ist,
wenn Kinder verwahrlost, verletzt, verraten sind. Damit es klar ist:
Es geht nicht um mehr Staat, es geht um mehr Bildung. Und die muss
halt in manchen Fällen staatlich erzwungen werden - siehe
Schulpflicht für Kinder. 
Die Kooperation mit den Lehrern könnte übrigens beflügelt werden,
indem man die Schulpflicht auf die Eltern ausweitet, ihr Erscheinen
nach Aufforderung gesetzlich festmacht und diverse Beihilfen und
Vergünstigungen erst gewährt, wenn diese Schulpflicht erfüllt wird.
Klingt einfach. Wäre es auch. Der Mutter-Kind-Pass hat auf ähnliche
Art schon gut funktioniert.****
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