- 21.10.2009, 13:45:25
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AMA: Milchwirtschaft kann verstärkt mit Gentechnikfreiheit punkten
Petschar: Weitere Maßnahmen zur Marktentlastung notwendig
Pörtschach (OTS/aiz) - "Die Signale am europäischen Milchmarkt
sind derzeit wieder positiv. Für eine Trendwende sind aber noch
weitere Maßnahmen auf EU-Ebene notwendig", erklärte heute der
Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM) und
Geschäftsführer der Kärntnermilch, Helmut Petschar, beim
AMA-Milchforum in Pörtschach, Kärnten. Der Absatz von Milchprodukten
im heimischen Handel präsentiere sich insgesamt relativ stabil,
berichtete der Geschäftsführer der AMA Marketing, Stephan Mikinovic.
Er zeigte sich mit Petschar darüber einig, dass die heimischen
Molkereien künftig vor allem mit Frische, Qualität und Herkunft
punkten können. Nachdem im ersten Halbjahr 2010 die gesamte Palette
österreichischer Milchprodukte auf kontrollierte Gentechnikfreiheit
umgestellt sein wird, werde man auf den In- und Auslandsmärkten
verstärkt mit diesem Merkmal zu punkten versuchen, so Petschar.
Milchabsatz im Handel stabil - ESL-Milch gewinnt dazu
Die im heimischen Lebensmittelhandel gekauften Mengen an
Milchprodukten sind derzeit insgesamt relativ stabil, berichtete
Mikinovic. Zieht man das jeweils 2. Trimester (Mai bis August) der
Jahre 2008 und 2009 als Vergleichszeitraum heran, so ist sogar eine
leichte Steigerung erkennbar. Der Pro-Kopf-Verbrauch an Konsummilch
(Trinkmilcherzeugnisse inklusive Joghurt und Sauermilch) war im Jahr
2008 mit 80,4 kg so hoch wie nie zuvor. Allerdings hat es in diesem
Segment deutliche Verschiebungen gegeben: Die klassische Frischmilch
verliert seit Jahren, ihr Anteil ist auf 49% gesunken, im
europäischen Vergleich ist er aber immer noch sehr hoch. Klarer
Sieger in diesem Match ist die länger haltbare ESL-Milch, die schon
fast ein Drittel des Gesamtmarktes (32%) ausmacht. Leicht erholt hat
sich mit einem Marktanteil von 19% die Haltbarmilch.
Die österreichischen Konsumenten geben jährlich pro Kopf im
Schnitt EUR 39,- im Handel für Trinkmilch aus. An der Spitze im
Bundesländervergleich liegen dabei die Kärntner mit mehr als EUR
45,-.
Käse-Konsum steigt wieder
Erfreulich ist laut Mikinovic, dass der Käse-Konsum wieder steigt:
Mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 19,4 kg im Jahr 2008 hat
sich dieser Wert schon fast dem Rekord von 2003 (19,5 kg) angenähert.
"Dieser Trend hält an, im 2. Trimester 2009 wurde klar mehr Käse
verkauft als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Rund EUR 73,- gibt
ein Österreicher dafür aus, die Tiroler liegen mit fast EUR 84,- an
der Spitze", erläuterte der Marketingexperte.
Frische und Herkunft bleiben wichtigste Kaufargumente
Damit sich die österreichische Milchwirtschaft auf den immer
härter umkämpften In- und Auslandsmärkten weiterhin gut behaupten
könne, müsse sie sich mehr denn je auf ihre Stärken konzentrieren,
waren sich Mikinovic und Petschar einig: "Der günstige Preis ist zwar
für jeden zweiten Konsumenten ein wichtiges Kaufargument, aber bei
Weitem nicht das einzige. In einer Fessl-GfK-Umfrage vom November
2008 haben 73% der Befragten die Frische der Ware als oberstes
Kriterium genannt, gefolgt von der heimischen Herkunft mit 64%",
berichtete Mikinovic. Als drittes wesentliches Kaufkriterium könne
die kontrollierte Gentechnikfreiheit zu einem Wettbewerbsvorteil der
heimischen Molkereien - insbesondere auch auf den Auslandsmärkten -
werden, unterstrich Petschar. Hier verfüge Österreich in Europa
gewissermaßen über ein Alleinstellungsmerkmal.
Statt ständiger Preisdiskussionen mehr über Wert der Milchprodukte
reden
Petschar, der vor Kurzem zum neuen VÖM-Präsidenten gewählt wurde,
sieht die kompromisslose Fortführung der österreichischen
Qualitätsstrategie als richtiges Zukunftskonzept für die Molkereien.
"Wir haben in Österreich dazu die Voraussetzungen mit unserer
kleinteiligen, bäuerlichen Landwirtschaft. Unsere lückenlose
Nachvollziehbarkeit und Kontrolle garantieren, dass wir den
heimischen Konsumenten die besten Produkte anbieten können", so
Petschar. Die hohe österreichische Qualität und die schwierigen
Produktionsstrukturen in der heimischen Landwirtschaft bedingten
natürlich auch höhere Kosten. Daher seien "ständige Preisvergleiche
mit billigen Diskont-Lebensmitteln aus dem Ausland, die keinesfalls
unseren hohen Qualitätsstandards genügen, nicht zielführend und
gefährden auch heimische Wertschöpfung und Arbeitsplätze", warnte
Petschar. An den Handel appellierte er, diese Qualitätsstrategie
mitzutragen und sich - weg von einer reinen Preisdiskussion - mehr
auf das Hervorheben der Werte heimischer Milchprodukte zu
konzentrieren.
Strategie hat sich im Ausland bewährt
"Mit unseren hohen Qualitätsstandards ist es der österreichischen
Milchwirtschaft auch gelungen, die Wirtschaftskrise besser zu
meistern als viele andere Länder. Dies zeigen auch die Exportzahlen
des abgelaufenen Jahres, wo die Ausfuhren mit EUR 931 Mio. und der
positive Außenhandelssaldo von EUR 398 Mio. bei einem Exportanteil
von 44% weiter gesteigert werden konnten", gab Petschar zu bedenken.
Dabei setze die Branche vor allem auf den Export von konsumfertigen
Produkten, der Anteil an Verarbeitungsmilch sei stark gesunken.
Aufschwung durch weitere Marktentlastung ermöglichen
Dass es nunmehr Anzeichen für eine Erholung des internationalen
Milchmarktes gebe, sei erfreulich. Nun müsse es gelingen, diese
positive Entwicklung gezielt zu unterstützen, damit auch für die
Milchbauern wieder höhere Preise erlöst werden können. Von der
EU-Kommission erwarte er, dass sie Maßnahmen zur Marktentlastung
konsequent fortführt, sagte Petschar. Als Beispiele nannte er die
Intervention, den verstärkten Einsatz von Milchprodukten in der
Lebensmittelverarbeitung und in der Futtermittelwirtschaft sowie die
Exporterstattungen. Eine verbesserte Produktkennzeichnung solle
außerdem den Trend Richtung Imitationsprodukte wie etwa Analogkäse
bremsen.
(Schluss) kam
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