- 20.10.2009, 11:20:56
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ÖAMTC/ÄKVÖ-Symposium: Straßenraumgestaltung muss Verkehrssicherheit erhöhen, darf aber nicht Verwirrung stiften
Reizüberflutung und andere unerwünschte Nebenwirkungen von verkehrsberuhigenden Maßnahmen
Wien (OTS) - Verkehrsberuhigende Gestaltungselemente im
Straßenraum - immer in guter Absicht errichtet - haben
Nebenwirkungen. Diese wirken sich nicht nur positiv auf Umwelt,
Mensch und Fahrzeug aus. Im Rahmen eines gemeinsamen Symposiums von
ÖAMTC und ÄKVÖ (Ärztliche Kraftfahrvereinigung Österreichs) haben
heute namhafte Referenten verkehrsberuhigende Maßnahmen kritisch
unter die Lupe genommen.
Ziel der Verkehrsberuhigung ist es, Unfälle zu vermeiden sowie
Lärm-, Luftschadstoff- und Verkehrsbelastung zu senken.
"Zusammengefasst können diese Ziele als mehr Lebensqualität
bezeichnet werden", sagt Roman Michalek, Leiter der
Mobilitätszentrale Burgenland. Doch die dafür eingesetzten Maßnahmen
- Verkehrschilder, Ampeln, bauliche Maßnahmen, Beleuchtung etc. -
haben nicht selten unerwünschte Nebeneffekte.
"Bodenschwellen beispielsweise, die zwar eine
Geschwindigkeitsreduktion bewirken, tragen nicht zur erwünschten
Lärmsenkung oder Verbesserung der Luftbelastung bei", erklärt
ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang. Durch das Abbremsen des Autos vor
Schwellen, fallweise nahezu bis zum Stillstand, und das folgende
Beschleunigen steigen der Verbrauch und damit die Emissionen
eklatant. "Auch der Lärm ist durch Schwellen deutlich höher,
einerseits durch die Beschleunigung nach der Schwelle, andererseits
durch das Überfahrgeräusch auf der Schwelle", sagt der ÖAMTC-Experte.
Eine repräsentative ÖAMTC-Umfrage unter 500 Teilnehmern zeigt zudem,
dass Fahrbahnaufdoppelungen Potenzial für Ärger in sich tragen. 50
Prozent der Befragten geben an, sich schon oft bis sehr oft über
Fahrbahnschwellen geärgert zu haben. Besonders Menschen, die öfter
mit Bodenschwellen konfrontiert sind, äußern sich negativ, nämlich:
Großstädter, Ostösterreicher, Vielfahrer, Ältere und Personen, die
mit Kindern in einem Haushalt leben. Der Allgemeinmediziner Raimund
Saam regt überhaupt ein Umdenken hinsichtlich Betonschwellen an, weil
diese für Menschen mit vorbeschädigter Wirbelsäule zum Problem werden
können. Saam fordert die Bevorzugung von Gummischwellen bzw.
Schwellen mit akustischem Warnton.
Negativ auf den Verkehrsteilnehmer kann sich auch ein Überangebot
an verkehrsberuhigenden Maßnahmen auswirken. "Menschliches
Fehlverhalten im Straßenverkehr rührt oft daher, dass die Wichtigkeit
der Informationen, die permanent auf den Verkehrsteilnehmer
'einprasseln', falsch gereiht wird", erklärt
ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger. So ziehen optisch
markante Dinge die Aufmerksamkeit auf sich, während optisch weniger
auffällige, aber wichtige Objekte nicht wahrgenommen werden. Es
sollten nur wenige, einheitliche Elemente zur Verkehrsbeeinflussung
eingesetzt werden, die optisch auffällig gestaltet sind. Das gibt den
Verkehrsteilnehmern die Chance, ein Signal rasch zu begreifen und
dementsprechend richtige Handlungen zu setzen.
Der Wiener Unfallforscher Ernst Pfleger tritt unter der Erfüllung
bestimmter Anforderungen für verkehrsberuhigende Maßnahmen ein: "Eine
optimale Straßenraumgestaltung erhöht die Verkehrssicherheit, weil
sie Interaktionen sichtbar und dadurch Konflikte bewältigbar macht".
Oftmals scheitern die Verkehrsteilnehmer aber an der Reizüberflutung,
die sich ihnen durch die Fülle der Informationen -Verkehrschilder,
Ampeln, bauliche Maßnahmen, Beleuchtung etc. - ergibt. "Die Anzahl
der Informationen muss reduziert, wenn bestimmte wesentliche
Anforderungen nicht erfüllt werden", sagt Pfleger. Die
Wahrnehmbarkeit soll deutlich über der Wahrnehmbarkeitsschwelle
liegen, wesentliche Informationsinhalte müssen rechtzeitig erkennbar
sein. Die Zeit zum Erkennen von Informationen muss ausreichend sein -
"oder es muss die Anzahl der Informationen reduziert werden", sagt
Pfleger.
ÖAMTC-Jurist Martin Hoffer interpretiert die gerne zitierte
"Schwelle" nicht nur als Fahrbahnaufdoppelung, sondern als jede Art
von Barriere oder Hindernis, die die Fortbewegung oder Kommunikation
behindert. Kreisverkehre, Durchfahrtssperren durch ganze Ortschaften,
Parkraumvernichtung u. Ä. sind Hindernisse - auch wenn sie offiziell
für gut befunden und in bester Absicht eingeführt worden sind. "Doch
wer entscheidet, was gut ist oder wer die Guten sind?", hakt Hoffer
nach. Als Autofahrer ist man meistens in der Position des
"Schlechten" zu finden, der sich gegängelt und bestraft fühlt.
Hoffers Zukunftsvisionen sehen freilich anders aus. "Das Ziel ist ein
sich selbst erklärender Straßenraum", erklärt der ÖAMTC-Jurist.
Niemand sollte sich mutwillig behindert oder gebremst fühlen.
Angedeutete Schwellen und sanfte Verkehrsleiteinrichtungen sind
besser als harte Stöße und strenge Verbote.
Rückfragehinweis:
ÖAMTC-Öffentlichkeitsarbeit, Eva Käßmayer, Tel.: +43 (0) 1 711 99-1218, mailto:[email protected], http://www.oeamtc.at
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