• 13.10.2009, 10:00:24
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  • OTS0056 OTW0056

ÖDG: Kündigung des DMP "Therapie aktiv" durch die NÖ. Ärztekammer verhindert Verbesserung der Diabetesversorgung.

Die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) schlägt Alarm

Wien (OTS) - In Österreich leben ca. 600.000 DiabetikerInnen, von
denen vermutlich 170.000 noch nichts von ihrer Krankheit wissen.
Diese PatientInnen sind ohne kompetente Betreuung in hohem Maße
gefährdet, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, bzw. zu
erblinden oder dialysepflichtig zu werden. Die Behandlung des
Diabetes, welche nicht nur die Blutzuckereinstellung, sondern auch
die Therapie von Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck und
Fettstoffwechselstörungen umfasst, ist sehr komplex und
zeitaufwendig. So bedarf der Diabetiker einer strukturierten Schulung
und sollte sich regelmäßigen Untersuchungen und Kontrollen
unterziehen. Diese Versorgung ist derzeit in der Praxis des
niedergelassenen Arztes für Allgemeinmedizin oder Innere Medizin ohne
begleitende Unterstützung sehr schwer durchführbar. Aus diesem Grund
wurde das Disease Management Programm (DMP) "Therapie aktiv"
entwickelt, um den ÄrztInnen ein kompetentes Netzwerk zur Betreuung
ihrer DiabetikerInnen zur Verfügung zu stellen.

"Therapie aktiv" wurde gemeinsam mit Vertretern des Ministeriums
für Gesundheit, des Hauptverbands der Österreichischen
Sozialversicherungen, der ÖDG, der Österreichischen Ärztekammer sowie
anderer an der Diabetesbetreuung beteiligter Fachverbände entwickelt
und mitgetragen. Die Österreich-weite Umsetzung wird mit großem
persönlichem Aufwand durch Vertreter dieser Gruppen betrieben und
erleidet durch die unverständliche Kündigung des Vertrags seitens der
Nö. Ärztekammer eine wesentliche Behinderung.

Die vom Präsidenten der Nö. Ärztekammer Dr. Christoph Reisner
angegebenen Gründe für diese Kündigung sind in keiner Weise
nachvollziehbar und entbehren jeder fachlichen Grundlage. Es handelt
sich bei diesem Modell keineswegs - wie in der Aussendung der Nö.
Ärztekammer behauptet - um eine Zerstückelung von Einzelfächern,
sondern ganz im Gegenteil um ein umfassendes Betreuungsmodell. Es
geht hier nicht um die Förderung eines Spezialistentums, sondern um
eine strukturierte Diabetikerbetreuung im Rahmen der Grundversorgung,
wie sie derzeit auf Grund der herrschenden Gegebenheiten nicht
möglich ist. Das DMP entmündigt in keiner Weise die behandelnden
Ärzte, sondern bietet ihnen eine Hilfestellung bei der komplexen
Betreuung ihrer PatientInnen. Zudem fördert es die
Eigenverantwortlichkeit der PatientInnen, welche in die Vorgabe von
Zielvereinbarungen eingebunden sind. Der angesprochene
Administrationsaufwand ist jedoch für die Qualitätskontrolle und
Messung der Ergebnisqualität unabdingbar und stellt auch neben der
Schulung die Basis für die Honorierung dar. Keineswegs kann der
Wegfall des DMP von seinem Konzept her durch eine Adaptierung von
Leistungspositionen aufgewogen werden.

Die ÖDG hat zudem keine Kenntnis von Daten zur behaupteten guten
Betreuungsqualität der DiabetikerInnen in Niederösterreich im
derzeitigen System. Bekannt ist aber der erschwerte Zugang von
DiabetikerInnen zu Diabetesambulanzen, bei deren Anzahl
Niederösterreich bundesweit auf dem letzen Platz liegt. Hier ist
sicherlich noch Raum für Verbesserungen, die sich durch die
Etablierung des DMP "Therapie aktiv" ergeben würden.

Die ÖDG als wissenschaftliche Fachgesellschaft der
Diabetes-ExpertInnen sieht sich als Anwältin der DiabetikerInnen in
Österreich und wertet eine derartig unqualifiziert argumentierte
Kündigung eines von allen an der Diabetesbetreuung beteiligten
Gruppen mitgetragenen Programms als schweren Rückschlag für die
Verbesserung der Versorgung der DiabetikerInnen in Niederösterreich.
Wir fordern daher die NÖ. Ärztekammer auf, diese unverständliche
Entscheidung zu revidieren und im Sinne der PatientInnen - so wie
die anderen Ärztekammern - konstruktiv an der Etablierung des DMP
"Therapie aktiv" mitzuarbeiten.

Rückfragehinweis:

Ao. Univ. Prof. Dr. Bernhard Ludvik
   (Präsident der ÖDG)
   Österreichische Diabetes Gesellschaft
   Währingerstr. 76/ 13
   1090 Wien
   Tel: 0043 (0) 650 77 03378
   Fax: 0043 (1) 264 5229
   www.oedg.org

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | ODG

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