• 12.10.2009, 10:16:00
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Allgemeinmedizin: Schlüssel zum effizienten Gesundheitssystem (1)

Erfolgreiches Modell der Arztprüfung wird zehn Jahre alt - Expertenrunde diskutierte Zukunft der Allgemeinmedizin

Wien (OTS) - Die zukünftige Rolle der Allgemeinmedizin und ihre
Bedeutung als Schlüsselfach der medizinischen Grundversorgung in
Österreich sowie die hohen Ansprüche an die Aus- und Weiterbildung
standen im Zentrum einer Enquete der österreichischen akademie der
ärzte, die aus Anlass des zehnjährigen Bestehens der Prüfung "Arzt
für Allgemeinmedizin" vergangenes Wochenende in Wien statt fand.
Referenten aus dem In- und Ausland diskutierten die derzeitige Lage
und kommende Herausforderungen in der Ausbildung des
Medizinernachwuchses. Übereinstimmende Meinung war, dass die
Arztprüfung nach der Turnusausbildung eine zentrale Säule zur
Erarbeitung der allgemeinmedizinischen Themenstellungen sei. In
Zukunft gelte es, den Beruf des Allgemeinmediziners attraktiver zu
gestalten, um den Medizinernachwuchs sicherzustellen. Zentrales
Anliegen bleibe eine funktionierende Lehrpraxis.

Seit 1999 meldeten sich rund 7.720 Kandidatinnen und Kandidaten zur
Arztprüfung an, knappe 94 Prozent haben bestanden. "Das
Ausbildungsniveau in Österreich kann dem internationalen Vergleich
standhalten. Gerade für die Allgemeinmedizin sind ein breites Wissen
und ein umfassender Gesamtblick notwendig. Das neue Medizinstudium
und die anschließende praktische Ausbildung gewährleisten eine solide
Grundlage für den selbständigen Arztberuf. Die Arztprüfung stellt auf
seine wesentlichen Aspekte und Anforderungen ab. Sie ist seit zehn
Jahren ein wichtiger Baustein für die hohe medizinische Qualität in
den Ordinationen", erklärte der Präsident der Österreichischen
Ärztekammer (ÖÄK), Walter Dorner.

Allgemeinmedizin am Scheideweg?

Hausärztinnen und -ärzte fungieren als Lotsen im Gesundheitssystem.
Sie begleiten ihre Patienten über viele Jahre oft Generationen
überschreitend und kennen daher die Familienanamnese und das soziale
Umfeld. Der Präsident der mit der Durchführung der Arztprüfung
betrauten österreichischen akademie der ärzte, Wolfgang Routil, gibt
jedoch zu bedenken, dass die Allgemeinmedizin am Scheideweg stehe:
"Wird sie ein eigenes Fach oder definiert sie nur ein Basisprofil für
eine eigenverantwortliche ärztliche Tätigkeit, das beruflebenslang
durch aktuelles medizinisches Wissen und patientenbezogene
Erfahrungen - also learning by doing - zu komplettieren ist? Bleibt
die Hausarztmedizin mit der persönlichen Patientenbegleitung oder
kommt die Zentrumsmedizin mit standardisierten Abläufen und
wechselnden Kontakten zum medizinischen Ansprechpartner?" In der
Ausbildung nehme die Lehrpraxis eine unverzichtbare Stellung ein. Die
Bandbreite der allgemeinmedizinischen Aufgaben könne nur durch das
persönliche Erleben wirklich verständlich gemacht werden, so Routil.

Hausärzte als Gesundheitsmanager

Eine gute allgemeinmedizinische Ausbildung sei und bleibe der
Schlüssel für ein effizientes Gesundheitssystem, bekräftigte
Univ.-Prof. Andreas C. Sönnichsen von der Paracelsus Medizinische
Privatuniversität. Daher brauche die Allgemeinmedizin Top-Mediziner,
die dasselbe soziale Standing bekämen wie Fachärzte. "Die Hausärzte
müssen in Zukunft als Koordinatoren fungieren, um Mehrfachdiagnostik
und unverträgliche Therapiekombinationen zu verhindern. Sie werden
damit zu Gesundheitsmanagern." Eine effiziente Primärversorgung spare
dem System außerdem Kosten. In der Langzeitbetreuung von chronisch
und polymorbiden Kranken bildeten Hausärzte die Schnittstelle und
seien für ein echtes Disease-Management verantwortlich. "Denn im
Mittelpunkt der Behandlung steht immer die Lebensqualität der
Patientinnen und Patienten", so Sönnichsen. (Forts.)

Rückfragehinweis:
Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer
Mag. Martin Stickler
Tel.: 01/513 18 33 - 14

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