• 11.10.2009, 14:07:52
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Hoffnungszeichen für das Ökumenische Patriarchat

Bartholomaios I. sieht "langsame, aber stetige Schritte" in Richtung EU und Etablierung der Menschenrechte in der Türkei - Patriarch trifft noch im Oktober UN-Generalssekretär Ban Ki-Moon und US-Präsident Obama

Istanbul, 11.10.2009 (KAP) Vorsichtig optimistisch über die Zukunft
des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel in der Türkei ist
Patriarch Bartholomaios I. Im Gespräch mit den Teilnehmern einer
"Kathpress"-Journalistenreise nach Istanbul sprach Bartholomaios I.
von einigen kleinen Schritten, die ihn hoffen ließen, dass sich die
Situation für die Minderheiten in der Türkei langsam bessern werde.
Die Etablierung der Menschenrechte in der Türkei und die Schritte in
Richtung EU gingen sehr langsam, aber stetig voran. Zugleich stellte
Bartholomaios I. klar: Was immer auch passieren wird und mit welchen
Schwierigkeiten das Patriarchat auch immer konfrontiert wird, man
werde am Bosporus bleiben.

Wie der Ökumenische Patriarch sagte, habe es im Stiftungsrecht
einige Verbesserungen für die Kirchen im Land gegeben. Rechte, die
den Kirchen vor Jahren entzogen wurden, seien nun wieder vorhanden.
So etwa das Recht, Schenkungen anzunehmen. Früher sei es auch nicht
möglich gewesen, dass Metropoliten ohne türkische Staatsbürgerschaft
Mitglieder des Heiligen Synods des Patriarchats sind.

Aktuell verwies der Patriarch auf den sehr konstruktiven Besuch des
neuen griechischen Ministerpräsidenten Georgios Papandreou in der
Türkei am Freitag und die Unterzeichnung des türkisch-armenischen
Abkommens in Zürich. Beides Zeichen, dass Ankara einen Kurs der
politischen Entspannung fahren wolle. Vor allem die vielen
Auseinandersetzungen mit Griechenland, hauptsächlich bestimmt durch
den vermeintlich unlösbaren Zypern-Konflikt, hätten dem Patriarchat
sehr geschadet, da man zwischen die Fronten geraten sei, sagte der
Patriarch: "Die Zeche für den Konflikt haben wir bezahlt".

Bartholomaios I. ortete leichte Verbesserungen, was die Etablierung
der Menschenrechte in der Türkei betrifft und wies auch darauf hin,
dass sich die Stellung der Armee in den vergangenen Jahren ein wenig
gewandelt habe. So seien inzwischen Armeeangehörige auch
Zivilgerichten unterstellt und der Armeekommandant unterstehe dem
Ministerpräsidenten.

Die aufgezeigten Reformen, räumte Bartholomaios I. ein, seien für
Europa selbstverständlich, für die Türkei aber eine elementare
Herausforderung. Lob kam vom Patriarchen für die Regierungspartei
AKP. Diese sei die erste Regierungspartei, die sich für die Rechte
der Minderheiten einsetzt, auch wenn starke Kräfte im Land einen
anti-europäischen und minderheitenfeindlichen Kurs fahren würden.

Die Türkei brauche aber nicht nur Reformen von oben, sondern vor
allem auch einen Mentalitätswechsel, betonte der Patriarch: Immer
wieder versuche er im Gespräch mit Politikern die weit verbreitete
Einstellung zu entkräften, dass das Ökumenische Patriarchat gegen
die Türkei arbeite. Das Gegenteil sei der Fall. Letztlich sollte es
für die Türkei eine Auszeichnung und Ehre sei, das Ökumenische
Patriarchat im Land verankert zu wissen, so Bartholomaios I. Noch
werde diese Ansicht aber nur von wenigen politischen
Verantwortlichen und Intellektuellen geteilt, bedauerte der
Patriarch.

Wie Bartholomaios I. ankündigte, werde er die angesprochenen
politischen Fragen auch bei seiner kommenden Reise in die USA zur
Sprache bringen. Das Oberhaupt der Orthodoxie reist am 20. Oktober
in die Vereinigten Staaten und wird in New York und Washington u.a.
mit US-Präsident Barack Obama, UN-Generalssekretär Ban Ki-Moon,
US-Vizepräsident Joe Biden und Außenministerin Hillary Clinton sowie
Vertretern des US-Senats zusammentreffen.

Zuvor wird der Ökumenische Patriarch am 8. Symposion über "Religion,
Wissenschaft und Umwelt" teilnehmen, das in New Orleans stattfindet.
Innerkirchlicher Hauptanlass der Reise ist der 10. Jahrestag der
Amtseinführung von Metropolit Demetrios als Erzbischof der
orthodoxen Erzdiözese von Amerika. Weiters wird der Patriarch in
Washington an der Georgetown University und am "Center for American
Progress" (einem der führenden Think-Tanks der Vereinigten Staaten)
Vorträge halten.

Der Patriarch hob ausdrücklich das Engagement der US-Regierung für
die Sache des Ökumenischen Patriarchats hervor. Zuletzt hatte sich
beispielsweise Präsident Obama bei seinem Türkei-Besuch im April
diesen Jahres für die Wiedereröffnung des Priesterseminars und der
Theologischen Hochschule von Chalki ausgesprochen. Die einzige
Priesterausbildungsstätte des Patriarchats in der Türkei war 1971
von den Behörden geschlossen worden.

Während das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel in der Türkei
nur mehr für eine Restminorität zuständig ist, unterstehen
Bartholomaios I. in Griechenland, Westeuropa, Amerika, Australien
und Ostasien zahlreiche Diözesen. Die Bedeutung des Patriarchats
wird durch den offiziellen Besuch des Patriarchen in den USA
unterstrichen.

Versöhnung mit russischer Orthodoxie

Als Oberhaupt der Kirche von Konstantinopel hat Bartholomaios I.
Vorrechte für die Gesamtorthodoxie, die rund 350 Millionen Christen
umfasst. Diese Stellung wurde allerdings in den vergangenen Jahren
vor allem von Seiten der russisch-orthodoxen Kirche immer in Frage
gestellt.

Massive Verstimmungen zwischen Moskau und Konstantinopel gab es auch
deshalb, weil sich nach der politischen Wende in Osteuropa 1989 in
Nachfolgestaaten der Sowjetunion orthodoxe Landeskirchen bildeten,
die sich von der russisch-orthodoxen Kirche lossagten und dem
Ökumenischen Patriarchat unterstellten, beispielsweise in Estland
oder der Ukraine.

Wie der orthodoxe Metropolit von Austria, Michael Staikos, im
"Kathpress"-Gespräch sagte, hätten sich die Beziehungen zwischen
Konstantinopel und Moskau in den vergangenen Monaten wieder
verbessert: angefangen mit einem Kirchengipfel in Kiew im
vergangenen Jahr, wo Bartholomaios I. noch mit Patriarch Aleksij II.
zusammengetroffen war, bis zum jüngsten Antrittsbesuch des neuen
Patriarchen Kyrill I. im Phanar im Juli diesen Jahres.

Nach der Ordnung der orthodoxen Kirche statten neu gewählte
Patriarchen ihren ersten Auslandsbesuch dem Ökumenischen Patriarchen
im Phanar ab. Dabei sprach Kyrill I. bei seiner Begegnung mit
Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan auch das Chalki-Problem an.
Erdogan sagte Kyrill zudem zu, dass die russisch-orthodoxe Seelsorge
in der Türkei ausgebaut werden könne. Im Großraum Istanbul und an
der türkischen Schwarzmeerküste leben inzwischen rund 150.000
Russen. Formell unterstehen diese dem Ökumenischen Patriarchat,
Kyrill I. und Bartholomaios I. vereinbarten, dass zur Seelsorge
russischsprachige Priester in die Türkei kommen werden.

Metropolit Staikos wertete die jüngste Annäherung zwischen Moskau
und Konstantinopel als sehr positiv. Die Orthodoxie könne es sich
angesichts der gesellschaftlichen Herausforderungen nicht mehr
leisten, uneinig aufzutreten. Es gelte vielmehr, ein
gesamtorthodoxes Zeugnis abzugeben, so der Metropolit gegenüber
"Kathpress".

Staikos verwies in diesem Zusammenhang auf die jüngste orthodoxe
Konferenz von Chambesy, auf der die Gründung von gesamtorthodoxen
Bischofskonferenzen in den zentralen Diasporaländern der Orthodoxie
beschlossen wurde. Im Dezember werde sich zudem eine panorthodoxe
Konferenz mit den Kriterien für den autokephalen oder autonomen
Status einer orthodoxen Kirche beschäftigen. Die Frage, welche
Voraussetzungen für den unabhängigen Status einer Kirche gegeben
sein müssen bzw. wie der Weg zur Eigenständigkeit aussieht, sei
äußert schwierig aber umso notwendiger zu lösen, so der Metropolit..

O-Töne zu dieser Meldung stehen in Kürze unter
www.katholisch.at/o-toene zur Verfügung.

(ende)
nnnn

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