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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Lasst ihn in Frieden ruhen" (Von Reinhold Dottolo)
Ausgabe vom 11.10.2009
Graz (OTS) - Lange waren sie weg. Jetzt, da sich der Unfalltod
Jörg Haiders zum ersten mal jährt, sind sie wieder da.
Berichterstatter aus aller Herren Länder sind zurück im
"Haider-Land". Als solches haben sie Kärnten abgestempelt. Als
solches bringt es Quote. Vor allem, wenn sie noch eigenartigere,
dunklere oder bestenfalls skurrile Seiten der Heimat des Mannes
finden der einst international Aufsehen erregt hat.
Schwer wird ihnen das auch in diesen Tagen nicht gemacht. Das ZDF
wärmt die Geschichte vom Kärntner BZÖ-Bürgermeister auf, der sich vor
einer Türken-Invasion im oberen Mölltal fürchtet und sich dagegen
wappnet. Die Wochenzeitung "Die Zeit" wundert sich unter der
Schlagzeile "Der heilige Haider" über Facetten der Glorifizierung,
die mit Haider betrieben werde. Und dann enthüllt die wohl nur im
Sinne von "Betrachtung" angesehene Bildzeitung im Verbund mit
österreichischen Abschreibern angebliche Details aus dem privaten
Bereich Haiders. Diese haben zwar keine politische Relevanz,
verkaufen sich aber gut. Vor allem, wenn sie - rein zufällig - vor
dem Jahrestag auftauchen.
So weit, so unseriös. Hausgemachter ist eine Koinzidenz in
Klagenfurt, die medial auch Wirkung zeigt. Da läuft im Bergbaumuseum
eine von der Stadt organisierte ( wenig differenzierende aber
verklärende) Haider-Ausstellung. Gleichzeitig soll im Wappensaal des
Landhauses eine als Jubelschau erkennbare Foto-Präsentation starten.
Thema - bitte anhalten: Nordkorea, der letzte kommunistische Gulag
samt seinem "geliebten Führer" Kim Jong-Il.
In eben diesen Wappensaal, den würdigsten Versammlungsraum Kärntens,
hatte Hausherr Landtagspräsident Josef Lobnig, die verdiente
Konsensgruppe nicht hineingelassen, die dort vom Europaparlament
geehrt hätte werden sollen - für deren Versöhnungsarbeit zwischen den
Volksgruppen. Lobnig befand dies als nicht im Interesse des Landes.
Kim Jong-Il dient diesem wohl besser. Nicht nur diese Peinlichkeit,
zeigt: Verantwortung für Schlagzeilen, die Jörg Haider und Kärnten
bewirken, liegt jetzt bei seinen Nachfolgern. Die ehrliche Trauer,
mit der heute Tausende in Kärnten des Politikers und vor allem des
Menschen Jörg Haider gedenken, verdient es nicht, durch instinktloses
politisches Agieren beeinträchtigt zu werden. Und auch nicht durch
den Verdacht, dass hier Gefühle von Menschen für Zwecke einer Partei
instrumentalisiert zu werden drohen.
Der Ausnahmepolitiker Haider, der keinen kalt gelassen hat, möge
dort, wo er jetzt ist, in Frieden ruhen. Für seinen Frieden im
Diesseits sollten sich seine politischen Erben zuständig fühlen.****
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