- 09.10.2009, 10:37:43
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Menschenrecht auf Nahrung durch Krise, Klimawandel, Spekulation und Landkäufe massiv gefährdet
UN-Sonderbeauftragter Olivier De Schutter warnt bei einer Veranstaltung zum Welternährungstag in Wien vor einer weiteren Verschärfung des weltweiten Hungers in der Wirtschaftskrise. Wien (OTS) - "Die Ernährungskrise ist noch nicht vorüber. Die aktuelle Finanz-, Wirtschafts- und Umweltkrise verschärft die Ernährungssituation weltweit noch zusätzlich. Das hat katastrophale Auswirkungen auf die betroffenen Menschen", betont der UN-Sonderbeauftragte für das Recht auf Nahrung, Olivier De Schutter, bei einer Veranstaltung zum Welternährungstag in Wien. De Schutter fordert von der Staatengemeinschaft mehr politischen Willen und ein gemeinsames Vorgehen im Kampf gegen den Hunger. Neben den strukturellen historischen Fehlentwicklungen sieht der UN-Sonderbeauftragte vor allem in unkontrollierten transnationalen Landkäufen und der Produktion agrarischer Treibstoffe neue Bedrohungen für globale Ernährungssicherheit und das Menschenrecht auf Nahrung. "Wir brauchen minimale Standards und Rahmenbedingungen, die Transparenz und Ernährungssicherheit schaffen. Die Landrechte der lokalen Bevölkerung, kleinteilige Landwirtschaftsformen und die Ernährungssicherheit der Menschen müssen auch bei Landkäufen im großen Ausmaß garantiert bleiben." Nach einer Schätzung des International Food Policy Research Institute (IFPRI) wurden seit 2006 zwischen 15 und 20 Mio. Hektar Land unter Beteiligung ausländischer InvestorInnen verkauft oder verpachtet, in vielen Fällen in afrikanischen Ländern, deren eigene Bevölkerung Hunger leidet. Claire Améyo Quenum, African Network for the Promotion of the Right to Food (RAPDA): "Wir müssen Bewusstsein für Menschenrechte schaffen und den Zugang zu Bildung erhöhen, und zwar sowohl für die Bevölkerung als auch für politische EntscheidungsträgerInnen in Afrika. Außerdem brauchen wir Vernetzung und Trainingsmaßnahmen für die sozialen Bewegungen", fordert Claire Quenum, Generalsekretärin des African Network for the Promotion of the Right to Food (RAPDA) anlässlich ihrer Teilnahme bei einer Veranstaltung zum Welternährungstag in Wien. "Das Menschenrecht auf Nahrung, im Speziellen für Frauen, sowie Frauenrechte im Allgemeinen müssen in den politischen Programmen verankert werden. Besonders die Landfrage ist zentral für Frauen." In vielen afrikanischen Gemeinden haben Frauen bis heute nicht das Recht, eigenes Land zu besitzen. Anton Mangstl, FAO: "Die finanziellen Zusagen der G8 zur Stärkung kleinbäuerlicher Landwirtschaft in den Entwicklungsländern müssen umgesetzt werden. Nicht nur aus moralischen, sondern auch aus ökonomischen Gründen, um Frieden und Sicherheit in der Welt zu gewährleisten", fordert Anton Mangstl von der Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO). Beim G8 Gipfel in L'Aquila im Juli wurden 20 Mrd. US Dollar über einen Zeitraum von drei Jahren für KleinbäuerInnen zugesagt, um die Nahrungsmittelproduktion ankurbeln zu können. "Während die Zahl der Hungernden zugenommen hat, sind die Investitionen für den Agrarbereich im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit zurückgegangen", so Mangstl. Die FAO fordert eine Anhebung des Anteils der Landwirtschaft an der globalen Entwicklungszusammenarbeit von derzeit 5 % auf 17 %, dem Niveau von 1980. Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich: "Versorgungssicherheit mit Nahrungsmitteln ist eine zentrale Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Österreich unterstützt dabei ein entschlossenes, gemeinsames Vorgehen zur Herstellung einer globalen Versorgung," so Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich. "Wir müssen jetzt handeln. Aber es wird vor allem diese Jugend sein, die mit den Herausforderungen und Krisenbewältigungsstrategien umgehen muss, mit denen wir uns jetzt beschäftigen. Daher freut es mich besonders, dass die Jugend bei der diesjährigen Veranstaltung zum Welternährungstag in Österreich verstärkt eingebunden ist und Schülerinnen und Schüler der landwirtschaftlichen Fachschulen Gaming und Poysdorf aus Niederösterreich ihre Sicht zur Thematik 'Ernährungssicherheit' durch kreativ gestaltete Beiträge darlegen." Manfred Schnitzer, Österreichische Entwicklungszusammenarbeit: "Die Rahmenbedingungen für die Ernährungssicherung sind durch hohe Preise und Naturkatastrophen schwieriger geworden. Deshalb sind wir gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise gefordert, die internationale Entwicklungspolitik nach den Prinzipien der ökologischen Nachhaltigkeit und der sozialen Gerechtigkeit auszurichten", betont Manfred Schnitzer von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. "Um ausreichend Ernährung für alle Menschen zu sichern und damit Armut zu verringern, ist internationale Zusammenarbeit bei der Kapazitätsentwicklung, der angewandten Forschung und der landwirtschaftlichen Beratung notwendig. Auch ein gleichberechtigter Zugang zu Land, vor allem für Frauen, und eine nachhaltige Landnutzungsplanung sind sehr wichtig." Gertrude Klaffenböck, FIAN: "Wenn von Ernährungskrise gesprochen wird, gilt es vor allem die gegenwärtige Situation als Ergebnis jahrzehntelang fehlgeleiteter internationaler Politiken zu begreifen," so Gertrude Klaffenböck, Sektionskoordinatorin von FIAN Österreich. Diese Politiken bedürfen dringend einer grundlegenden Korrektur und Neuausrichtung von Prioritäten um der täglich milliardenfachen Verletzung des Menschenrechts auf angemessene Nahrung endlich Einhalt zu gebieten. Millionen von Frauen, Kinder und Männer, die tagtäglich darum kämpfen,genug zu essen zu haben, müssen sich seit Jahrzehnten mit nicht eingelösten Versprechen abfinden. Das weltweite Ernährungssystem muss auf das grundlegende Recht jedes Menschen sich zu ernähren ausgerichtet werden. "Nicht zuletzt sind Staaten aufgerufen, durch Recht und Gesetze solche Menschenrechtsverletzungen zu beenden und Opfern von Hunger und chronischer Unterernährung Gerechtigkeit widerfahren zu lassen", sagt Klaffenböck. Klemens Riegler, Ökosoziales Forum: "Die aktuelle Wirtschafts- und Umweltkrise trifft die Menschen in den ärmsten Ländern besonders hart. Deshalb muss am Erreichen des 0,7 % Zieles bei der Entwicklungshilfe gerade jetzt festgehalten werden", sagt der Geschäftsführer des Ökosozialen Forums, Klemens Riegler. Österreich ist mit 0,42 % derzeit von diesem Ziel weit entfernt. Um die Ernährungssicherheit dauerhaft zu verbessern, ist es auch dringend notwendig, die Regeln auf den Finanzmärkten zu verbessern. "Es kann nicht sein, dass die Spekulationsgeschäfte auf Nahrungsmittel Millionen Menschen tiefer in die Armut treiben", betont Riegler. Daher müssen besonders schädliche Finanzprodukte verboten und alle Finanztransaktionen international besteuert werden. 30 Länder in einer Ernährungskrise 2009 wird die Zahl der an Hunger und Unternährung leidenden Menschen um weitere geschätzte 105 Mio. auf weltweit 1,2 Mrd. Menschen steigen. D. h. einer von sechs Menschen auf der Erde muss hungern. Weitaus stärker betroffen sind Frauen und Kinder. Laut FAO ist die Zahl der Hungernden im Jahr 2009 in allen betroffenen Regionen im Durchschnitt um mehr als 10 % angewachsen. Gleichzeitig ist die Finanzierung der Maßnahmen im Kampf gegen den Hunger durch die aktuelle Krise und den daraus resultierenden Finanzproblemen der Staaten massiv gefährdet. Veranstaltung anlässlich des Welternährungstages 2009 Das Generalthema des Welternährungstages der Vereinten Nationen "Ernährungssicherheit in Zeiten der Krise" stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung am 8. Oktober in Wien. Im Vorfeld des Welternährungstages (16. Oktober 2009) wollen die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit, FIAN, das Lebensministerium und das Ökosoziale Forum auf die brisante weltweite Ernährungssituation hinweisen. Rückfragehinweis: Martina Baumeister, MSc Ökosoziales Forum, +43-1-253 63 50 - 22, +43-676-6448041 mailto:[email protected] *** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT *** OTS0070 2009-10-09/10:37 091037 Okt 09
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