• 08.10.2009, 13:55:52
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Menschenrechtsausschuss des Nationalrats tritt für Mar Gabriel ein

Entschließungsantrag der Koalitionsparteien wurde einstimmig angenommen - Österreich soll sich für die Rechte der syrischen Christen in Ostanatolien und für den Schutz des berühmten syrisch-orthodoxen Klosters im Tur Abdin einsetzen

Wien-Ankara, 08.10.2009 (KAP) Der Menschenrechtsausschuss des
österreichischen Nationalrats tritt für die Rechte der syrischen
Christen in Ostanatolien und für den Schutz des berühmten Klosters
Mar Gabriel im Tur Abdin ein. Ein entsprechender
Entschließungsantrag der Koalitionsparteien wurde einstimmig
angenommen. Das syrisch-orthodoxe Kloster Mar Gabriel sei eines der
wichtigsten verbliebenen christlichen Zentren in der Türkei und
trage dazu bei, dass die aramäische Sprache nicht aussterbe, heißt
es in den Erläuterungen. Gleichzeitig fordern die Abgeordneten die
Regierung auf, sich "weiterhin und konsequent" für die Einhaltung
und Durchsetzung des Menschenrechts auf Religionsfreiheit -
insbesondere für christliche, jüdische und andere religiöse
Minderheiten - in der Türkei einzusetzen.

Das Kloster Mar Gabriel ist eines der ältesten christlichen Klöster
überhaupt. Das etwa 25 Kilometer von Midyat entfernt liegende
Kloster wurde im Jahr 397 begründet. Lange Zeit war Mar Gabriel Sitz
des syrisch-orthodoxen Metropoliten des Tur Abdin. Auch heute
residiert der Metropolit wieder im Kloster.

In den letzten 25 Jahren wurde das Kloster vollständig renoviert und
saniert, was auch Neidgefühle in der anderskonfessionellen Umgebung
weckte. Metropolit Timotheos Samuel Aktas, der viele Jahre auch Abt
von Mar Gabriel war, hat das Kloster wieder zum geistlichen Zentrum
der altsyrischen Christen ausgebaut. Heute leben und arbeiten in Mar
Gabriel rund 75 Personen - Mönche, Nonnen, Lehrer mit ihren Familien
und 30 Schüler. In der Klosterschule werden die aramäische Sprache,
aber auch Liturgie und Literatur der syrischen Christen gelehrt.

Die Lage der syrischen Christen in Ostanatolien ist trotz der
Verbesserungen der letzten Jahre nach wie vor prekär. In der
Auseinandersetzung zwischen der türkischen Staatsmacht und den
kurdischen Freiheitskämpfern gerieten die Christen zwischen die
Fronten. Trotz des Eingreifens des "Diyanet" - des staatlichen
Religionsamtes in Ankara - breiteten sich darüberhinaus in
Ostanatolien islamistische Gruppierungen aus, deren bevorzugtes
Angriffsziel die christliche Restminorität ist.

Das Aramäische war die Verkehrssprache des altpersischen Reiches, es
war aber auch die Sprache Jesu. Ein großer Teil der frühchristlichen
Literatur wurde in aramäischer Sprache verfasst. Nach der
islamischen Durchdringung des Nahen Ostens wurde das Aramäische
weitgehend vom Arabischen verdrängt, mit Ausnahme des Tur Abdin und
einiger Ortschaften im Umfeld von Damaskus.

(ende)
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